Mit Allen-Wassern gewaschen

Interview mit Justin Timberlake zu Wonder Wheel

Ein feiner Neuzugang in Woody Allens schier unendlichem Fundus großartiger Darsteller: In Wonder Wheel ist Justin Timberlake der fesche Verführer – beim Interview in Paris ganz der beredte Gentleman.

SKIP: Wie ist Woody Allen für seinen neuen Film Wonder Wheel denn eigentlich auf Sie gekommen?

Justin Timberlake: Ich kannte ihn ja schon ein wenig, wir sind einander in den letzten Jahren beim Filmfestival von Cannes einige Male über den Weg gelaufen. Und dann hat er mich einfach gefragt, ob ich mal vorbeikommen könnte, und hat mir die ersten beiden Seiten des Skripts gegeben. Und da stand dann der volle Monolog, den meine Filmfigur Mickey am Anfang des Filmes direkt in die Kamera spricht. Also musste ich nun in zehn Minuten aus diesem zweiseitigen Monolog, geschrieben von Woody Allen, das Maximum rausholen – und das vor Woody Allen selbst … das war schon leicht surreal. Also legte ich los und las ganz laut die ersten Worte: „Coney Island …". Und er sagte sofort: „That's it!“, und fragte mich, ob ich denn im September Zeit hätte (lacht).

SKIP: Wie war die Arbeit mit ihm?

Justin Timberlake: Man merkt sehr schnell, dass er ein unglaubliches Maß an Vertrauen in einen setzt. Und so kann man sich dann auch selber vertrauen. Man kann gar nicht genug schwärmen darüber, was es bedeutet, mit Woody zu arbeiten, er ist so eine Ikone für mich, ich liebe so viele seiner Filme – aber auch, dass ich hier mit Vittorio (Storaro, Kameramann von u. a. Apocalypse Now, Anm.) arbeiten konnte, das war ein Traum für mich, er ist meiner Meinung der beste lebende Kameramann der Welt.

SKIP: Welcher Woody Allen-Film ist denn Ihr liebster?

Justin Timberlake: Na, Wonder Wheel natürlich! (lacht) Nein, persönlich ist mein Favorit wohl Verbrechen und andere Kleinigkeiten. Vermutlich liegt das daran, weil ich zu jener Zeit wirklich ein Woody Allen-Fanatiker wurde. Und ich finde, dass der Streifen auch sehr viele Parallelen zu Wonder Wheel aufweist.

SKIP: Was ist befriedigender für Sie: Einen Film zu machen oder eine Platte aufzunehmen?

Justin Timberlake: Ehrlich gesagt, die Möglichkeit bekommen zu haben, mit all den fantastischen Leuten in beiden Disziplinen zu arbeiten, mit denen ich bisher kollaborieren durfte – da muss ich mich echt jeden Tag zwicken, um das zu glauben. An einem Tag arbeitest du mit wundervollen Schauspielern und legendären Filmemachern zusammen und am anderen befindest du dich im Studio mit sensationellen Produzenten und Musikern: Da fühle ich mich ehrlich gesagt oft wie ein Schwein, das sich fröhlich quiekend mitten in der Scheiße suhlt, um es mal ganz vornehm auszudrücken (lacht). Aber es ist wirklich so! Wie kann es das sein, was ich als Beruf ausüben darf, wie ist das überhaupt möglich? Ich bin aufgewachsen als so großer Fan von Musik und Film und jetzt mache ich beides selbst, Wahnsinn.

Interview: Kurt Zechner, Foto: pps.at / November 2017

1 Kommentar

I like bzw. Gefäll(s)t mir;)

Sehr gut transkribiertes und übersetztes Interview, alle Achtung. (Ich weiß wovon ich spreche, ich bin Übersetzerin;) Man bzw. Frau bekommt Lust, sich den Film anzuschauen... Justin Timberlake kommt sehr sympathisch rüber... zu gerne wäre ich bei den Oscars dabei und würde vielleicht die Chance bekommen, ein paar Worte zu wechseln... da würde fürwahr ein Traum wahr werden...

12. Januar 2018
16:41 Uhr

von miss piggy

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