"Ohne Angst geht gar nichts"

Interview mit Sam Rockwell zu Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Er ist einer der besten Charakterdarsteller Hollywoods – wie man auch in Three Billboards Outside Ebbing, Missouri wieder feststellen kann. SKIP traf Sam Rockwell bei der Weltpremiere in Venedig.

SKIP: In der Geschichte von Three Billboards Outside Ebbing, Missouri finden sich viele Anspielungen auf sehr aktuelle Entwicklungen.

Sam Rockwell: Dabei ist das Drehbuch schon acht Jahre alt, können Sie sich das vorstellen? So lange hat es gedauert, bis Martin (McDonagh, der Regisseur, Anm.) es geschafft hat, die Produktion auf die Beine zu stellen. Jedenfalls hat es sich ausgezahlt. Und es freut mich auch ganz besonders, dass der Film von solch einer starken Frauenfigur getragen wird.

SKIP: Wie war es für Sie, mit Frances McDormand zu spielen?

Sam Rockwell: Großartig natürlich! Sie ist eine umwerfende Schauspielerin, die immer perfekt vorbereitet ist, genau weiß, was sie macht, und dabei immer großzügig bleibt. Und ich liebe es, wie sie für diese Rolle John Wayne gechannelt hat.

SKIP: John Wayne, wirklich?

Sam Rockwell: Ja, sie hat gemeint, er wäre ihr Vorbild für diese Rolle gewesen – seine Art zu gehen, zu stehen, auch seine Art zu sprechen.

SKIP: Wie haben Sie in Ihre Rolle hineingefunden?

Sam Rockwell: Es war ein Kampf, so wie immer. Ich habe wirklich jedes Mal, wenn ich mit der Arbeit an einem neuen Film beginne, eine richtige Scheißangst davor, es nicht richtig hinzubekommen. Aber nur mit dieser Angst schaffe ich es dann auch, den nötigen Druck auf mich selbst auszuüben, um wirklich bis ans Äußerste zu gehen. Ohne Angst geht also gar nichts. Allerdings glaube ich nicht, dass ich damit alleine bin. Ich bin sicher, dass fast alle Kollegen vor ihren Rollen einen Mordsrespekt haben – und wenn sie behaupten, das sei anders, dann lügen sie.

SKIP: Sie haben sich auch sehr intensiv auf diesen Film vorbereitet, oder?

Sam Rockwell: Ja, ich habe mich mit Polizisten getroffen, mit Verbrennungsopfern und mit einem ehemaligen Neonazi, der jetzt mit jungen Leuten arbeitet, um sie aus dieser Szene herauszuholen. Das war sehr hilfreich, um verstehen zu können, was im Kopf meiner Filmfigur abgeht. Ich habe dadurch einige sehr wertvolle Einsichten vermittelt bekommen. Zum Beispiel, dass bei den White Supremacists der Hass auf die Schwarzen in Wahrheit nichts anderes ist als Hass auf sich selbst, der dann ganz einfach auf das nächste geeignete Ziel umgelenkt wird. Und so habe ich das dann auch gespielt. Meine Filmfigur ist ja eigentlich kein Arschloch, 
er ist ein Loser, der sich selbst zutiefst 
verachtet – und dafür unbedingt einen Schuldigen sucht, damit er sich selbst nicht noch mehr runterzieht.

Interview: Gini Brenner, Foto: pps.at / Dezember 2017

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