Tattoo You

Interview mit August Diehl zu Tattoo

Als August Diehl mit 23 - Nichts ist so wie es scheint zum Shooting Star wurde, ging er noch zur Schauspielschule. Jetzt kommt er mit einem tödlichen Thriller in die Kinos. Peter Krobath traf einen Mann, von dem man noch viel hören wird.

August Diehl: Also gut, Tätowierungen habe ich keine.

SKIP: Wie kannst du antworten, bevor ich überhaupt noch eine Frage gestellt habe?

August Diehl: Das wollte nach diesem Film noch jeder als erstes wissen.

SKIP: Okay, erwischt. Dann eben so: Warum hast du keine Tätowierungen?

August Diehl: Weiß ich nicht. Weil ich keine Lust darauf hatte. Zieht mich nicht so an. Da gibt es keinen besonderen Grund, glaube ich. Ich trage aber auch keinen Schmuck und nichts. Ich habe mich schon lange genug an die Armbanduhr gewöhnen müssen. Ich bin nicht jemand, der so etwas braucht.

SKIP: Wenn man anschaut, was du im letzten Jahr gemacht hast, dann stehen da Auftritte im Wiener Burgtheater neben dem Thriller Tattoo. Also quasi Hochkultur neben Populärkultur. Wie geht das zusammen?

August Diehl: Diese Trennung zwischen E und U ist für mich nicht so wichtig. Ich habe das nicht in meinem Kopf drin, das eine ist Kunst und das andere weniger. Ich mache beides gleich gern und gebe beidem auch die gleiche Kraft und Energie. Ich kann mich weder von dem einem noch von den anderen trennen. Für mich ist das auch relativ ausgewogen. Im letzten Jahr habe ich viel Theater gemacht, aber es gab auch Zeiten davor, wo ich wieder mehr Film gemacht habe. Ich versuch einfach zu springen zwischen den beiden.

SKIP: Tattoo ist ein Debütfilm von einem Erstlingsregisseur. Das hätte gerade bei so einer Geschichte auch ziemlich danebengehen können ...

August Diehl: Die Gefahr, dass eine Sache ein Misserfolg oder schlecht wird oder einfach nicht gelingt, ist in diesen Beruf immanent, das ist ständig da. Aber gerade dieses Risiko, dass man hinfallen kann, ist natürlich auch ein großer Spaßfaktor an der Sache.

SKIP: Wo lag hier das Risiko?

August Diehl: Für mich ist Tattoo ein Mainstream-Film, der aber von der Figurenführung her unkonventionell ist. Irgendwann durchlebt die Geschichte eine Wandlung, die bei einem normalen Krimi nie so stark sein könnte, dass nämlich ist der Fall, als diese Whodunit-Frage zugunsten der psychologischen Entwicklung der Figuren völlig in den Hintergrund tritt. Da lautet die Frage nur noch "Was macht der Fall mit diesen beiden?" anstatt "Werden sie den Fall lösen?" Das fand ich interessant, gleichzeitig lag darin aber auch das Risiko und die Herausforderung. Für mich ist Tattoo ein Mainstream-Film, der irgendwo auch aneckt.

SKIP: Und für mich ist Tattoo ein sehr amerikanischer Film.

August Diehl: Das sehe ich auch so. Robert Schwentke hat sein Handwerk in Amerika gelernt. Er kommt aus Los Angeles, hat jahrelang da gewohnt und ist sehr von Amerika beeinflusst. Also das ist nicht jemand, der in Deutschland lebt und wie ein Amerikaner Filme machen will, sondern jemand, der in Deutschland arbeiten möchte, aber eben mit dem Handwerk, das er in Amerika gelernt hat.

SKIP: Siehst du da auch für dich ein mögliches Sprungbrett für eine internationale Karriere?

August Diehl: Als wir den Film gemacht haben, habe ich da nicht drüber nachgedacht. Das kommt erst jetzt auf mich zu. Aber das ist eine hypothetische Frage. Dadurch dass der Film so spannend ist und eine internationale Bildersprache hat, könnte er natürlich auch in anderen Ländern laufen. Aber andrerseits finde ich überhaupt, dass Film ein großes Sprachrohr ist, dass jeder Film international gezeigt werden kann, das ist ja der Unterschied zum Theater, das doch eher an den Ort gebunden ist.

SKIP: Ein Killer tötet serienweise Menschen, um ihre Tätowierungen zu klauen. Denkst du, dass so eine Geschichte, so überhöht sie auch sein mag, real möglich wäre?

August Diehl: Erst einmal erhebt Tattoo ja nicht den Anspruch, ein realistischer Film zu sein. Das alles ist mit Absicht auch künstlich. Wir haben da eine Art Zwischenwelt geschaffen, die ganz stark nur mit dem Film zu tun hat und nicht mit der Wirklichkeit. Es ist auch kein Berlin-Film, also keine abgefilmte Wirklichkeit, und das ist auch gut so. Tattoo ist ein Genrefilm, der seine eigene Gesetzmäßigkeit hat und seine eigene Logik. Nun zu dem, was darin behandelt wird, also Haut abziehen und Tätowierungen verkaufen und so: Es würde mich ehrlich wundern, wenn es das nicht geben würde. Es gibt auf dieser Welt so vieles Seltsames, Unerwartetes, und da gehört das in meinem Augen noch zu den Sachen, die irgendwie näher liegen.

SKIP: Tattoo erzählt eine ziemlich düstere Geschichte. Überträgt sich das auch auf die Dreharbeiten?

August Diehl: Natürlich. Der ständige Nachtdreh, über ein Monat hinweg, hat sich schon auch auf die Psyche geschlagen. Aber trotzdem hatte ich selten einen Dreh, wo ich soviel gelacht habe. Der Humor ist nicht auf der Strecke geblieben. Was auch gut war.

SKIP: Bist du ein Thrillerfan?

August Diehl: Ich bin ein Fan von Genrefilmen. Ich mag Filme, die wie Songs funktioniere, weil sie ihre eigene Gesetzmäßigkeit haben. Italowestern, Gangsterfilme oder Liebesfilme, und ich mag auch Thriller sehr gerne. Wenn man da so unter der Woche in einen Thriller geht, können das schon sehr entspannende anderthalb Stunden sein.

Interview: März 2002

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.