Die Mörder von Nebenan

Interview mit Tobias Santelmann

Mit Der Grenzgänger erweitert Sky sein Serien-Portfolio erneut um Nervenaufreibendes aus den Sphären des Scandi Noir. Hauptdarsteller Tobias Santelmann (Kon-Tiki) spekuliert im Interview mit SKIP über die Gründe, warum dunkle Krimis aus dem hohen Norden auch bei Zuschauern außerhalb Skandinaviens so gut ankommen.

SKIP: Sie spielen in Der Grenzgänger einen rechtschaffenen Polizisten, der in ein moralisches Dilemma gerät und schließlich verschleiert, dass sein Bruder einen Mord begangen hat. Fiel es Ihnen leicht, sich mit Nikolai zu identifizieren?

Tobias Santelmann: Eigentlich war es nicht schwierig für mich, sein Verhalten nachzuvollziehen. Ich denke, viele Zuschauer würden dasselbe tun wie er, und auch ich würde in seiner Situation wohl ähnlich handeln. Nikolai stellt sich vor, was mit seinem Neffen und seiner Nichte passieren würden, wenn ihr Vater ins Gefängnis käme – ein schlimmes Szenario. Nachdem sowieso alle glauben, dass der Tote Selbstmord begangen hat, beschließt er, die Menschen einfach in diesem Glauben zu belassen.

SKIP: Nikolai ist homosexuell. Was gewinnt die Serie Ihrer Meinung nach dadurch?

Tobias Santelmann: Wenn du einen homosexuellen Protagonisten hast, geht es meistens genau darum: Dass die Person homosexuell ist. An Der Grenzgänger mag ich, dass es nicht zentral ist, dass Nikolai schwul ist. Anstatt schwul könnte Nikolai auch leidenschaftlicher Dart-Spieler sein – es würde nichts Wesentliches am Plot ändern. (lacht) Es ist gut, dass wir so weit sind, dass wir Serien mit schwulen Protagonisten machen können, deren sexuelle Orientierung jedoch nicht im Vordergrund steht.

SKIP: Was unterscheidet Der Grenzgänger von anderen Krimi-Serien?

Tobias Santelmann: Der ungewöhnliche Zugang. Üblicherweise läuft es ja so, dass es ein Mordopfer gibt, die Ermittler den Spuren nachgehen und den Täter schließlich entlarven. Hier wissen sowohl Zuschauer als auch die ermittelnde Hauptfigur sehr früh, was passiert ist. Es geht dann hauptsächlich darum, dass Nikolai versucht, den Mord zu vertuschen. Er muss seinen Kollegen immer zwei Schritte voraus sein – das macht den Reiz der Serie aus. Während er tagsüber vorgibt, gute Polizeiarbeit zu leisten, ist er nachts dahinter, möglichst alle Spuren zu verwischen, die auf die Wahrheit hindeuten.

SKIP: Warum sind Scandi-Noir-Serien auch in nicht-skandinavischen Ländern so populär?

Tobias Santelmann: Ich bin mir nicht sicher … (überlegt) Nehmen wir zum Beispiel True Detective, übrigens eine wirklich ganz fantastische Serie. Sie endet damit, dass sich der Mörder als dieser total durchgeknallte Typ herausstellt. Im Unterschied dazu ist der Schuldige in Scandi-Noir-Serien meist ein ganz normaler Mensch, der einfach ein paar falsche Entscheidungen getroffen hat – vielleicht dein Nachbar! Die Mörder sind nahbar – und das macht sie oft sogar noch furchteinflößender als diese völlig kranken Killer, die wir aus anderen Shows kennen. 

Interview: März 2018

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