Endlich die Romy

Interview mit Marie Bäumer zu 3 Tage in Quibéron

Von Männerpension über Der Schuh des Manitu bis Die Fälscher: Marie Bäumer ist einer der großen Stars des deutschen Gegenwartskinos. In 3 Tage in Quibéron spielt sie nun erstmals Romy Schneider: die Diva, mit der sie ihre ganze Karriere über verglichen wurde.

SKIP: Seit Beginn Ihrer Karriere liegt dieses „Mann, die sieht aus wie Romy Schneider!“ wie ein Schatten über Ihnen. Wie war es nun, sie zu spielen?

Marie Bäumer: Wissen Sie, für mich persönlich spielte dieses Romy-Schneider-Thema eigentlich nie so eine große Rolle. Es gibt wirklich Schlimmeres, als mit Romy Schneider verglichen zu werden! Ich denke mir nur, irgendwann muss das den Leuten doch auch einmal langweilig werden. Erschöpft das die Leute nicht, wenn sie immer dasselbe fragen?

SKIP: Und wie haben Sie dann eigentlich in diese Rolle gefunden?

Marie Bäumer: Das war wie bei einem Kind, das sich die Salatschüssel aufsetzt und einen Kochlöffel in die Hand nimmt und sagt „Ich bin jetzt Robin Hood!” Und so habe ich gesagt: „Ich spiel jetzt mal Romy Schneider.“ Ich habe mir Interviews mit ihr angesehen – da gibt es zum Glück sehr viele – und mir einige Details herausgesucht. Etwa ihr nervöses Rauchen und das Lippenlecken – und diesen Tunnelblick, wenn sie ihr Gegenüber oft gar nicht ausreden ließ, sondern einfach einen Gedanken weiterzog. Oder dieses ständige Sich-Wiederholen. „Das weiß ich nicht. Das weiß ich nicht. Das weiß ich nicht.“ Solche Sachen. Aber dann habe ich auch schnell gesagt: Jetzt ist Schluss, mehr nehmen wir nicht, das soll kein Ähnlichkeitswettbewerb sein.

SKIP: Was hat Sie in der Recherche denn am meisten überrascht?

Marie Bäumer: Eigentlich gar nichts. Bei ihr hat mich nichts überrascht. Was mich allerdings berührt hat, war, dass sie gesagt hat, dass sie eigentlich sehr bürgerlich ist und sich immer nach einem geregelten Leben gesehnt hat. Zu dem Zeitpunkt, als ich sie gespielt habe (etwa ein Jahr vor ihrem Tod 1982, Anm.), hatte sie ja weder ein inneres noch ein äußeres Zuhause. Und diese Einsamkeit und diese Bezugslosigkeit, diese Sackgassen-Situation, in der sie war, das fand ich spannend.

SKIP: Was war dann im Endeffekt das Schwierigste bei dieser Rolle?

Marie Bäumer: Normalerweise ist es so, dass ich am Ende eines Drehtags die Rolle hinter mir lasse und wieder zu mir selbst zurückkomme. Das war hier fast nicht möglich. Dazu war die Zeit einfach nicht da. Die ganzen Interviewszenen zum Beispiel habe ich immer in einem durchgespielt, mit all diesen emotionalen Amplituden. Wenn man da einmal rauskam, war alles weg. Und dann gab es einige kurzfristige Textänderungen, wegen einer Rechte-Angelegenheit . Da kam zwei Tage vor Drehbeginn die Meldung, dass die beiden Interviews nochmal komplett verändert werden, die wir vorher wochenlang geprobt hatten. Das war schon enorm, außerdem war das viele Weinen physisch sehr anstrengend. Weniger psychisch, da muss man als Schauspieler damit umgehen können, aber körperlich ist das enorm erschöpfend. Normalerweise ist ja bei Menschen nach einer Viertelstunde eine Grenze erreicht, 20 Minuten ist Maximum, dann hört man normalerweise auf zu weinen, egal wie schlimm irgendwas ist. Und wenn das über Stunden geht, dann macht das unglaublich müde.

SKIP: Ist es Ihnen eigentlich auch passiert, dass die Presse übergriffig wurde, wie das bei Romy Schneider ständig vorkam?

Marie Bäumer: Ja, das ist mir schon ziemlich oft passiert. Das passiert eigentlich permanent. Viele sagen ja, dass es früher viel schlimmer war, aber das kann ich eigentlich nicht bestätigen. Vor allem, weil es heute ja auch so viel mehr Medien gibt. Diese Leute, die einen teilweise auf der Straße verfolgen und nicht mal fragen, ob es einem überhaupt recht ist, fotografiert zu werden, das ist wirklich unfassbar. Vor allem England, Holland und Deutschland haben eine unglaublich brutale Boulevardpresse.

SKIP: Obwohl, der Zynismus und die mangelnde Empathie des Journalisten im Film wären heute so schwer vorstellbar.

Marie Bäumer: Das ist natürlich auch auf die Spitze getrieben, der echte Michael Jürgs war nicht so. Wir haben ihn ja kennengelernt. Er mag den Film sehr, aber er war ganz geknickt, nachdem er ihn zum ersten Mal gesehen hatte. „Das bin ich nicht!“ Aber wir mussten halt auch dramaturgisch arbeiten. Wenn ich Workshops halte, sage ich zu meinen Schauspielschülern auch immer: „Wenn ihr euch lieb habt und in der Mitte noch lieber und am Ende ganz lieb, dann ist das auch noch kein Film.“ Ein bisschen Reibungsfläche braucht man, um Sachen zu erzählen.

Interview: Gini Brenner / April 2018

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