Wir sind Helden

Interview mit Anthony SadlerAlek SkarlatosSpencer Stone zu The 15:17 to Paris

In Clint Eastwoods auf realen Ereignissen beruhendem Zugterrorthriller The 15:17 to Paris spielt sich das Lebensrettertrio selber – eine Entscheidung, die nicht nur Filmfans, sondern auch die Protagonisten völlig überrascht hat, wie sie uns im exklusiven Gespräch gestanden.

SKIP: Was haben Sie gedacht, als Clint Eastwood Sie gefragt hat, ob Sie sich im Film selber spielen wollen?

Spencer Stone: Das war total crazy. Damit haben wir wirklich nicht gerechnet. 

Alek Skarlatos: Wir haben schon länger gewusst, dass der Film gedreht wird, weil er sich ja auf das gleichnamige Buch bezieht, das wir über den Vorfall geschrieben haben. Aber dass wir da mitspielen, hätte ich nie für möglich gehalten. 

Anthony Sadler: Er hat uns nach Los Angeles einfliegen lassen, und wir haben angenommen, wir sollten die Schauspieler treffen, die uns spielen würden. Damals war die Pre-Production ja auch schon total weit fortgeschritten, das war vielleicht drei Wochen vor Drehbeginn.

SKIP: Hatten Sie eigentlich niemals irgendwelche Bedenken, sich selbst zu spielen?

Skarlatos: Nach der ersten Begeisterung schon, ja. Da ist uns nämlich schön langsam aufgegangen, was für ein Risiko er da eigentlich auf sich nimmt, wenn er uns castet. Und wir wollten ja auch auf keinen Fall diejenigen sein, die einen Clint-Eastwood-Film ruinieren. Aber dann dachten wir uns: „Wenn er uns das zutraut, dann trauen wir es uns selber auch zu.“

SKIP: Hat Clint Eastwood erklärt, warum er sich dafür entschieden hat, Sie zu casten anstatt irgendwelcher Schauspielprofis?

Sadler: Er meinte, dass er sich schon jede Menge Schauspieler angesehen hätte, aber mit niemandem wirklich glücklich war. Und dass wir die richtige Wahl wären, weil sich die Leute mit uns vielleicht besser identifizieren können. Glücklicherweise hatten wir ja schon ein wenig Kameraerfahrung, weil wir ja zwei Jahre lang ständig Interviews über das Attentat gegeben haben. Er meinte: „Ich zeige euch, wie man schauspielt – und alles was ihr machen müsst, ist, einfach die Kameras zu ignorieren!“

SKIP: Wie war es, mit ihm zu arbeiten?

Skarlatos: Er ist total cool. Sehr entspannt, man konnte mit ihm über alles reden.

Stone: Er war großartig. Er hat diese ruhige Ausstrahlung, wirkte nie gestresst oder wütend. Aber trotzdem wussten wir, dass man den Mann wirklich nicht als Gegner haben will. (lacht) 

Sadler: Sein Gesichtsausdruck verändert sich nie. Man weiß nicht, ob er ärgerlich ist oder total happy. Jedenfalls ist er definitiv ein Anhänger der Philosophie „Lob ist die Abwesenheit von Tadel.“

SKIP: War es traumatisch, die dramatischen Ereignisse nochmal nachzuspielen?

Stone: Eigentlich nicht, weil wir zum Glück alle sehr gut verarbeitet haben, was damals passiert ist. Außerdem haben wir beim Dreh viele Leute getroffen, die auch damals dabei waren – wir sind nicht die Einzigen im Film, die sich selber spielen, sondern auch mehrere Passagiere, Sanitäter und Polizisten. Das war ein schönes Erlebnis. Und als wir dann die Kampfszene nachspielten, war das nochmals eine spannende Aufarbeitung. Ich habe einiges über das Attentat herausgefunden, was sogar mir neu war, oder an das ich mich nicht mehr zu hundert Prozent erinnern konnte.

SKIP: Dass Sie überlebt haben, liegt nicht nur am Heldenmut, sondern auch am Glück – die Waffe des Attentäters hatte eine Fehlfunktion. 

Stone: Es war eine Kombination mehrerer Faktoren. Jedenfalls war das, was wir getan haben, eigentlich der einzige Ausweg. Wenn wir nichts getan hätten, hätte er uns wohl alle erschossen. Wir haben einfach gedacht: „Wir sterben so oder so, versuchen wir wenigstens, ihn aufzuhalten.“ Und es hat tatsächlich funktioniert.

SKIP: Die Gelegenheit, etwas ein zweites Mal zu durchleben, haben wenige Menschen. Haben die Dreharbeiten Ihre Perspektive auf die Geschehnisse verändert?

Skarlatos: Auf jeden Fall wissen wir jetzt noch mehr zu schätzen, wie viel Glück wir an diesem Tag gehabt haben. 

Sadler: Ich bin jeden Tag dankbar dafür, am Leben zu sein. Und außerdem bin ich froh, dass wir die Gelegenheit hatten, unsere Geschichte jetzt so detailreich und komplett erzählen zu können.

SKIP: Was ist denn für Sie die zentrale Aussage dieses Films?

Sadler: Dass wir drei nichts Besonderes sind, sondern eben drei ganz normale Typen. Und dass jeder genauso wie wir fähig ist, in einer Extremsituation zu handeln, anstatt einfach nur zuzusehen.

Interview: Gini Brenner / April 2018

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