Ein cooler Hund

Interview mit Wes Anderson zu Isle of Dogs - Ataris Reise

Mit seinem Stop-Motion-Kunstwerk Isle of Dogs – Ataris Reise eröffnete US-Regisseur Wes Anderson heuer die Berlinale – und riss die Kritiker zu Begeisterungsstürmen hin. Im Interview erzählt er von der Geschichte des Films und von seinem eigenen ungewöhnlichen Haustier.

SKIP: Wie entstand eigentlich die schräge Story von Isle of Dogs – Ataris Reise?

Wes Anderson: Ich habe ja schon 2009 einen Animationsfilm gemacht, Der fantastische Mr. Fox, und die Faszination für dieses Genre hat mich nicht mehr losgelassen. Und irgendwo war da auf einmal diese seltsame Idee von streunenden Hunden auf einer riesigen Müllhalde. Außerdem wollten meine Co-Produzenten Jason Schwartzman und Roman Coppola auch immer schon irgendwas mit einem japanischen Setting machen. Ich liebe das japanische Kino, vor allem die Filme von Akira Kurosawa und Hayao Miyazaki waren ein sehr großer Einfluss für mich.

SKIP: Im Film gibt es viele japanische Dialoge – sprechen Sie Japanisch? 

Wes Anderson: Nein, überhaupt nicht. Dafür haben wir unseren alten Freund Kunichi Nomura zu Hilfe geholt, der im Film auch dem fiesen Bürgermeister seine Stimme gibt. Er hat uns mit der Übersetzung der Dialoge geholfen und uns auch viel über die Kultur und Gebräuche in Japan erklärt.

SKIP: Die Story des Films ist teilweise von beängstigender Aktualität. Wie sehr ist Ihr Film als politischer Kommentar gedacht?

Wes Anderson: Geplant war das gar nicht, es sollte eine reine Fantasiegeschichte werden, die in einer Fantasieversion von Japan spielt. Aber während der jahrelangen Arbeit am Film hat sich auch die Welt um uns herum stark verändert, und das hat uns sicher sehr beeinflusst, klar.

SKIP: Ihr Film ist in traditioneller Stop-Motion-Technik entstanden, die enorm zeit- und arbeitsaufwendig ist. Wie sehr haben Sie sich vom Computer helfen lassen?

Wes Anderson: Fast gar nicht. Wir haben alles, was irgendwie ging, in Handarbeit gemacht – es gibt keine Sekunde CGI im Film. Wenn man sich schon für diese Technik entscheidet, dann muss man das konsequent durchziehen, sonst sieht es nicht gut aus. Auch wenn man es da teilweise mit ganz neuen Herausforderungen zu tun bekommt – man braucht ja z. B. für jeden Gesichtsausdruck jeder Figur eine neue Maske, die physisch hergestellt werden muss. Und wenn das dann nicht so aussieht, wie man sich das vorgestellt hat, muss man alles nochmal neu bauen.

SKIP: Die Stars reißen sich ziemlich um Rollen in Ihren Filmen – aber diesmal haben Sie einen Cast versammelt, der wirklich fast nur aus bekannten Namen besteht …

Wes Anderson: Das ist das einzig wirklich Praktische am Dreh eines Animationsfilms: Kein Schauspieler kann sagen: „Ich kann nicht, das geht sich leider nicht aus.“ Wir sind da nämlich weder an eine fixe Zeit noch an einen fixen Ort gebunden, wir können direkt zu den Leuten nach Hause kommen und die Dialoge gleich im Wohnzimmer aufnehmen. Sie brauchen sich nicht mal Schuhe anzuziehen. Es gibt echt keine Ausrede!

SKIP: Haben Sie eigentlich selbst einen Hund?

Wes Anderson: Nein, leider. Doch ich hatte einen, als ich ein Kind war, der war auch das Vorbild für einen der Hunde im Film. Dafür habe ich aber zwei Zwergziegen. Na ja, eigentlich gehören sie ja meiner Tochter. Aber wer weiß, vielleicht lasse ich die beiden auch einmal in einem Film vorkommen.

Interview: Foto: Twentieth Century Fox / Mai 2018

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.

Wir benutzen COOKIES auf unserer Seite um die Benutzerfreundlichkeit zu erhöhen. Mit der Benutzung unserer Webseite stimmen sie dem Einsatz von Cookies zu.