Abgründe mit Understatement

Interview mit Emily Mortimer zu Der Buchladen der Florence Green

Sie ist einer der stillen britischen Schauspiel-Stars – in Der Buchladen der Florence Green überzeugt Emily Mortimer mit kleinen Gesten und viel Charisma.

SKIP: Die Geschichte von Der Buchladen der Florence Green scheint auf den ersten Blick fast schon lieblich, bis sich dann die ärgsten Abgründe auftun …

Emily Mortimer: Ja, das finde ich auch! Unter der hübschen Oberfläche ist es ein sehr leidenschaftlicher, radikaler Film. Man glaubt erst, man sitzt in Chocolat, aber es geht überhaupt nicht süß zu. Das hat mich auch gleich am Buch fasziniert, diese Gefühlstiefe, die Abgründe, die sich da auftun. 

SKIP: Ihre Filmfigur wirkt so ruhig und nett, kämpft aber mit großer Zähigkeit um ihren Traum. Können Sie sich damit identifizieren?

Emily Mortimer: Ja, schon. Aber als Schauspieler muss man lernen, für das, was man will, zu kämpfen. Man fängt ja quasi mit jedem Job wieder ganz von Neuem an, und das geht nicht ohne eine gewisse Entschlossenheit. Es war nicht einfach, dieses Projekt auf die Beine zu stellen, und bei diesem Film ging es mir wirklich ein bisschen wie Florence: Ich wollte das unbedingt, auch wenn wir mehrmals schon ganz kurz vor dem Aufgeben waren. Ich habe wirklich für diesen Film gekämpft, und es freut mich so sehr, dass er den Leuten so gut gefällt. 

SKIP: Ms. Mortimer, Sie sind Britin, verheiratet mit einem US-Amerikaner. Wie geht es Ihnen da zwischen den Kulturen?

Emily Mortimer: Na ja … unlängst war ich auf einer Party in L.A., und jemand hat mich gefragt, was ich denn so mache. Ich habe gesagt: „Ich bin Schauspielerin!“ Dann habe ich mir gedacht, was für eine banale Antwort ist das denn? Dies ist schließlich Los Angeles, jeder hier ist Schauspieler! Also habe ich gewitzelt: „… aber keine besonders gute.“ Und der Typ hat mich plötzlich angesehen, als ob ich gesagt hätte: „Ich esse jeden Tag zwei Babys!“ Typisch britisches Understatement ist dort einfach nicht üblich, ich muss echt lernen, mir das abzugewöhnen.

Interview: Gini Brenner / Mai 2018

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