Süchtig nach Pizza

Interview mit Christian Petzold zu Transit

Mit Transit verfilmte der deutsche Regisseur Christian Petzold den Romanklassiker von Anna Seghers. SKIP sprach mit ihm bei der Berlinale über das Problem mit guten Büchern, und wie man richtig Pizza castet.

Christian Petzold: Ach, Sie sind aus Österreich? Das ist ja schön. Ich mag Österreich sehr gerne, vor allem als Filmemacher.

SKIP: Wieso das?

Christian Petzold: Ich finde, dass das Kino immer noch einen sehr großen Stellenwert in Österreich hat. Ihr habt Burgtheater UND Kino, die Kultur ist immer noch wichtig.

SKIP: Wie sehr verfolgen Sie das österreichische Kinogeschehen?

Christian Petzold: Nun, schon allein dadurch, dass Alexander Horwath (der ehemalige Direktor des Wiener Filmmuseums, Anm.) zu meinen ältesten Freunden gehört, bin ich da recht gut informiert.

SKIP: Wie sind Sie an die Verfilmung von Transit herangegangen? Sie haben bei der Handlung des Romans ja einiges verändert.

Christian Petzold: Als klar war, dass ich aus Anna Seegers’ Roman ein Drehbuch machen würde, habe ich ihn einmal präzise gelesen und hatte mir ein paar Sequenzen abgeschrieben, die ich sprachlich besonders schön fand – und das dann mit meinen eigenen Notizen über Zombiefilme vervollständigt (lacht). Und dann, als ich tatsächlich zu schreiben begann, habe ich mir überlegt, woran ich mich noch erinnern konnte – und darauf habe ich dann aufgebaut. Denn Kino funktioniert für mich stark durch Erinnerungen.

SKIP: Was war das Schwierigste daran, diese Geschichte ins Kino zu bringen?

Christian Petzold: Dass der Roman ein Meisterwerk ist. Hitchcock hat ja einmal gesagt: „Man kann keine guten Romane verfilmen.“ Weil warum sollte man die noch verfilmen, die sind ja schon ohne Film gut! Schon alleine deshalb wollte ich ihn nicht werktreu auf die Leinwand bringen, das wäre ja grauenhaft gewesen. Da wäre das Buch quasi das Wirtstier, und ich der Parasit, der davon profitieren will, dass den 500.000 Menschen gelesen habe und ich die dadurch ins Kino locke.

SKIP: Wie haben Sie die Schauplätze im Film ausgewählt?

Christian Petzold: Ich habe lange gesucht. Was Anna Seegers da im Buch beschreibt, das gibt es ja alles wirklich in Marseille. Oder besser: gab es. Ich hätte gerne in dem Café gedreht, in dem sich die Protagonisten treffen, aber da ist jetzt ein McDonald’s drin. Wir sind dann ein paar Häuser weitergegangen und fündig geworden.

SKIP: Im Film wird sehr viel Pizza gegessen. Und weil es in Ihren Filmen bekanntlich kaum Zufälle gibt: Wie genau haben Sie denn die Pizza gecastet?

Christian Petzold: Die Pizza spielt wirklich eine große Rolle! Das klingt ein bisschen wie ein blöder Scherz, aber es war so, dass die Pizza schon bei Anna Seegers extrem präzise geschildert wird. Es ist eine Margherita, die in Marseille große Tradition hat, weil die Stadt ja mal zu Rom gehörte. Also war es nicht allzu schwer, die richtige zu finden. Dazu trinkt man übrigens eiskalten Rosé. Und das ist zusammen eins der besten Essen, die man sich vorstellen kann. Wir sind bei den Dreharbeiten richtig süchtig danach geworden. Ich habe jeden Abend mit meinen Hauptdarstellern Franz Rogowski und Paula Beer erst Boule gespielt, und dann sind wir Margherita essen und Rosé trinken gegangen.

Interview: Kurt Zechner, Gini Brenner, Foto: pps.at / Februar 2018

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