„Sie nannten mich Russki"

Interview mit Genndy Tartakovsky zu Hotel Transsilvanien 3 - Ein Monster Urlaub

Von Dexters Labor über Star Wars: Clone Wars bis zu Graf Dracula: Genndy Tartakovsky kennt sich aus in der Welt der animierten Außenseiter. SKIP traf den Monster-Mastermind als einziges österreichisches Medium beim großen Hotel Transsilvanien 3-Event in Cannes.

SKIP: Vor fünf Jahren haben Sie mir in Cancun erzählt, mit wie viel Aufregung Sie den Start Ihres neuesten Films Hotel Transsilvanien erwarten. Jetzt startet der dritte Teil – wie fühlt sich das heute an?

Genndy Tartakovsky: Ich bin genauso aufgeregt wie damals! Und es fühlt sich wundervoll an. 

SKIP: Auch in diesem Film geht’s wieder um das Thema Familie …

Genndy Tartakovsky: Ja, genau. Aber diesmal geht’s darum, wie sich Familien auseinanderleben, wenn die Kinder erwachsen werden und jeder sein eigenes Ding macht. Mavis möchte einfach nur ihrem Papa eine Freude machen – und merkt gar nicht, wie einsam er eigentlich ist. Und er verliebt sich dann genau in die Person, die am schlechtesten für ihn ist … wie das halt immer so läuft (lacht).

SKIP: Ihr erster großer Erfolg als Animations-Profi war die legendäre Cartoon-Serie Dexters Labor. Wie sehen Sie heute darauf zurück?

Genndy Tartakovsky: Das war mein erstes Baby. Ich war damals 25. Wir wussten alle nicht, was wir da überhaupt machten … es war eine einzigartige Erfahrung. Es war die erste Serie, die auf Cartoon Network lief, das war schon etwas Besonderes.

SKIP: Sie sind in Russland geboren und mit sieben Jahren mit Ihren Eltern nach Amerika gezogen – wie sehr beeinflusst denn Ihre persönliche Geschichte Ihre Arbeit?

Genndy Tartakovsky: Ich sehe mich als Amerikaner, aber die Erfahrung als Immigrant hat mich in jeder Hinsicht sehr geprägt, klar. Als Kind war dazuzugehören alles, was ich wollte. Noch dazu waren es damals die 70er Jahre, eine Zeit, in der der Kalte Krieg noch im Bewusstsein aller war – da hatte ich es besonders schwer, ich wurde ständig „Russki“ oder „Commie“ genannt. Ich wollte unbedingt so sein wie die anderen. Das sieht man sicher an meiner Arbeit, es geht meistens um Außenseiter – von Dexters Labor bis zu Hotel Transsilvanien. Ich glaube auch, dass mich das durchaus von anderen Regisseuren in Amerika unterscheidet. 

SKIP: Ist das das Ziel, das Sie verfolgen: Kindern eine Message mitzugeben?

Genndy Tartakovsky: Wenn sie das mitkriegen, freut es mich, aber es ist nicht mein primäres Ziel. Ich möchte mein Publikum unterhalten. Kinder aus der Perspektive eines Erwachsenen zum Lachen zu bringen ist wirklich schwierig. Und es ist wunderbar, wenn es gelingt.

SKIP: Was ist das Geheimnis eines guten Witzes?

Genndy Tartakovsky: Noch so eine schwierige Frage! Humor ist wirklich die schwierigste Disziplin. Ich könnte jederzeit eine zehnminütige Action-Sequenz aus dem Ärmel schütteln, die halbwegs was kann. Aber jemanden zum Lachen zu bringen, ist immer schwierig, weil jeder auf was total anderes anspringt. Das Wichtigste ist der Rhythmus. Witze folgen einem gewissen Beat, und wenn der funktioniert, dann finden die Leute das lustig. Und darüber hinaus geht es um Empathie: Man muss Menschen verstehen können, um Pointen richtig rüberzubringen.

Interview: Gini Brenner, Foto: Viennareport / Juli 2018

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.