Glaube und Gleichgewicht

Interview mit Fabrice Eboué zu Ein Lied in Gottes Ohr

Seinen beißenden Humor stellte Fabrice Eboué schon auf Frankreichs Theaterbühnen unter Beweis. Für seinen jüngsten Film Ein Lied in Gottes Ohr war er als Regisseur, Drehbuchautor, Darsteller und Songtexter tätig. Im exklusiven Interview hat er uns ein paar (Glaubens-)Fragen beantwortet.

SKIP: Welche Idee hatten Sie zuerst? Einen Film über Musik oder einen über Religion zu drehen?

Fabrice Eboué: Die Grundidee beinhaltete schon beides. Sie kam mir über Les Prêtres, einem Trio singender Priester, das in Frankreich mit Covers von französischen Chansons berühmt geworden ist. Die Konstellation gefiel mir: Was passiert, wenn Menschen, die eigentlich aus einem Umfeld kommen, in dem es um Demut, Bescheidenheit und Weisheit geht, auf einmal zu Rockstars werden, für die Exzess, Konsum und andere Dinge im Vordergrund stehen? Beim Schreiben habe ich aber gemerkt, dass mir das doch ein bisschen zu eingeschränkt ist. Warum nicht die drei großen monotheistischen Weltreligionen nehmen und dadurch noch weitere Konstellationen eröffnen?

SKIP: Kein unproblematisches Kömödien-Thema. War es schwer, den richtigen Ton zu finden?

Fabrice Eboué: Ja, das war schwierig und es hat deswegen auch viele verschiedene Drehbuchfassungen gegeben. Ich wurde katholisch erzogen, und natürlich hat mich das auch geprägt. Eben weil ich diese Religion besser kannte und den direktesten Bezug zur Figur des Priesters hatte, war es mir besonders wichtig, dass die Schauspieler auch einen Bezug zu den jeweiligen Religionen hatten und etwas beitragen konnten, was ich vielleicht nicht wusste. Es gab also schon bei den Proben sehr viele Änderungen und dann auch beim Dreh und beim Schnitt. Das Augenmerk lag immer auf dem Gleichgewicht zwischen den drei Figuren, weil es wirklich darum geht, die Vorurteile und Missverständnisse auf die Schippe zu nehmen, nicht die Religion an sich. 

SKIP: Glauben Sie, dass eine Band wie Coexister auch im echten Leben ein Erfolg sein könnte?

Fabrice Eboué: Warum nicht? Es geht im Film ja sozusagen um eine vierte Religion, nämlich die Musik. Sie hat genau die gleiche Kraft, Menschen über eine direkte Wirkung auf die Seele miteinander zu verbinden. Ohne intellektuelle Barrieren und über sprachliche Grenzen hinaus. Musik hat in vielen Religionen ihren Platz und ihre Wichtigkeit, aber sie besitzt auch für sich alleine diese Fähigkeit. Und wenn es jetzt einen Hit gäbe, einen eingängigen Ohrwurm, dann wäre es den Leuten wahrscheinlich ziemlich egal, welche Hautfarbe bzw. welche kulturellen oder religiösen Hintergründe und Erfahrungen die jeweiligen Musiker haben.

SKIP: Sie haben bereits eine Komödie über Sklaverei gedreht, jetzt eine über Religion. Sollte sich eine Kunstform wie der Film jedem Thema widmen können, oder gibt es für Sie Grenzen?

Fabrice Eboué: Absolut nicht. Für mich ist es die Daseinsberechtigung eines Künstlers, etwas zu wagen. Dahin zu gehen, wo sonst niemand hingeht. Sonst ist alles Kalkül. Also, wie kann ich viel Geld verdienen? Wie kann ich berühmt werden? Darum kann’s nicht gehen. Natürlich ist es aber bei einem Thema wie dem, das ich hier gewählt habe, wichtig, dass man gleichzeitig auch Sensibilität zeigt und es nicht irgendwie macht. Das war ein großes Risiko. Ein Eiertanz, den ich zum Glück gut hingekriegt habe. Aber wenn mir dieses Gleichgewicht nicht gelungen wäre, hätten sich bestimmt viele Leute auf die Füße getreten gefühlt. Es ist wichtig, schwierige Themen mit Leichtigkeit zu behandeln, aber nicht leichtfertig.

SKIP: Bisher haben sie drei Komödien gedreht. Können sie sich vorstellen, in einem anderen, ernsthafteren Genre zu arbeiten?

Fabrice Eboué: Ja, das kann ich mir vorstellen. Wobei ich finde, dass auch Komödien einen ernsthaften Hintergrund haben können. Lachen gehört zum Leben. Selbst in den tragischsten Momenten, wie bei einer Beerdigung, kann etwas passieren, was die Leute zum Lachen bringt. Ich denke, dass, selbst wenn mein nächster Film ein Drama wäre, immer auch irgendwo eine oder mehrere lustige Szenen darin wären. Einfach als etwas, was mir persönlich wichtig ist, um eine Herangehensweise an bestimmte tragische Momente zu finden.

SKIP: Glauben Sie Gott hat Sinn für Humor?

Fabrice Eboué: Ich hoffe es. Und ich denke ja. Denn wenn Gott, falls es ihn überhaupt gibt, uns als Menschen mit dieser Fähigkeit ausgestattet hat, die ja alles eigentlich Menschliche ermöglicht, Freundschaft, Liebe, Verführung, Begegnung, Verständnis, dann hat er selbst bestimmt auch Sinn für Humor.

Interview: Lukas Traber, Foto: Matias Indjic/Unifrance / Juli 2018

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