"Wir haben nicht geredet, sondern uns gleich geprügelt!"

Interview mit Terence Hill zu Mein Name ist Somebody

Nach über 20 Jahren kehrt Terence Hill ins Kino zurück – mit einem Film, den er an jenem Ort gedreht hat, an dem er zum ersten Mal mit Bud Spencer vor der Kamera stand. SKIP traf den mittlerweile 79-Jährigen in der Nähe von Linz, um mit ihm über seinen verstorbenen Freund, Bohnen und Prügeleien zu plaudern.

SKIP: Ihr neuer Film spielt an dem Ort, an dem Sie Bud Spencer zum ersten Mal getroffen haben – ist das richtig?

Terence Hill: Ja, das war damals eine witzige erste Begegnung – ich erzähle Sie Ihnen: Bud Spencer hat zu dem Zeitpunkt gerade in der Wüste von Almería gedreht. Der Film hieß Der Hund, die Katze, der Fuchs (Anm.: veröffentlicht als Gott vergibt - Django nie!) und er hat den Hund gespielt. Eine Woche nach Drehbeginn hat sich der Schauspieler, der als Katze engagiert war, den Fuß gebrochen. Der Regisseur ist daraufhin zu mir nach Rom gekommen und hat mich gebeten, seine neue Katze zu sein und möglichst schnell ans Set zu kommen, weil die ganze Verzögerung sehr viel Geld kostet. Ich bin also sofort nach Madrid geflogen und musste von dort weiter in die Wüste nach Almería. Damals gab es dort allerdings keinen Flughafen und keine Autobahn – es war also eine lange Fahrt über Nacht im Wagen, zwölf Stunden. Als ich angekommen bin, wollte ich natürlich endlich schlafengehen, aber man hat mir gesagt ich müsste gleich ans Set. Dort ist dann eine Dame zu mir gekommen, hat vor mir ein Handtuch aufgespannt und gesagt: "Zieh deine Hose aus!" – es gab damals einfach keine Trailer, in denen man sich umziehen konnte. Gut, also habe ich vor ihr die Hose ausgezogen und das Shirt und alles und die ganze Cowboy-Montur und den Hut angezogen. Und dann haben sie mir den Hund vorgestellt: Carlo Pedersoli (Anm.: bürgerlicher Name von Bud Spencer). Ich habe den Regisseur gefragt, was denn jetzt die erste Szene sei, weil ich kein Drehbuch bekommen hatte. Und der Regisseur hat gesagt: Keine Sorge, die erste Szene ist einfach eine Schlägerei zwischen der Katze und dem Hund. Das war also das erste Mal, dass ich Bud Spencer getroffen habe – wir haben nicht geredet, sondern uns gleich geprügelt!

Und dann, als Bud Spencer Goodbye gesagt hat, war ich am selben Platz. Ich war in Almería auf der Suche nach einer passenden Location für meinen Film, als Bud Spencers Sohn anrief und mir sagte, dass sein Vater gestorben sei. Ich war natürlich sehr traurig. Doch dann war mein Herz voller Freude, weil ich erkannte, dass ich genau an dem Ort war, an dem ich ihn kennengelernt hatte. Also habe ich mich entschieden, den Film dort zu drehen. In Almería habe ich Bud Spencer zum ersten Mal getroffen und genau dort habe ich mich in gewisser Weise auch von ihm verabschiedet.

SKIP: Glauben sie an Schicksal? Meinen Sie, dass das Schicksal sie beide zusammengeführt hat?

Hill: Ja. Wissen Sie, es ist nicht leicht zwei Schauspieler zu finden, die ein gutes Paar abgeben. Eines, das Leute gerne mögen. Dass sich dieser Schauspieler damals den Fuß gebrochen hat – das war mein Glück! Und es war Bud Spencers Glück. Ja, ich glaube es war Schicksal, dass wir beide uns gefunden haben.

SKIP: Haben Sie sich im echten Leben schon einmal mit jemandem geprügelt?

Hill: Ja, als ich klein war! Bis zum Alter von sechs Jahren habe ich in Lommatzsch, in der Nähe von Dresden, gelebt. Dann sind wir nach Italien gezogen und ich bin dort in einem kleinen Städtchen in Umbrien zur Schule gegangen. Dort wurde ich öfters gehänselt, besonders weil ich blond war. Wenn das passiert ist, habe ich dem anderen immer – bumm – eins auf die Nase gegeben. Bis meine Lehrerin deswegen zu meiner Mutter gegangen ist ... dann hat mir meine Mutter eine gegeben! (lacht) Nun wusste ich, wie weh das tut, also habe ich aufgehört, andere zu schlagen.

SKIP: Haben Sie sich beim Dreh einer Schlägerei mal ernsthaft verletzt?

Hill: Manchmal hatte ich kleine Verletzungen. Eine größere hatte ich mal als wir Zwei wie Pech und Schwefel gedreht haben. Da sollte mir der Stuntman mit einer Bank seitlich gegen den Kopf schlagen und ich sollte im richtigen Moment mit dem Kopf hinuntergehen, damit er gegen die Wand schlägt. Das haben wir so drei, vier Mal eigentlich okay gemacht, doch der Regisseur wollte es noch einmal drehen – nur hatten wir keine Bänke mehr übrig! Er meinte also, wir sollten einfach eine richtige Bank nehmen ... wir dachten, ja, okay, wir haben das so oft geübt, es wird schon gut gehen. Aber natürlich – bumm – hat mich die Bank am Kopf getroffen. Es hat geblutet und ich musste ins Krankenhaus, vier Stiche. Also ja, sowas passiert jedem einmal. Außer Bud Spencer. Dem ist das nie passiert. (lacht) Dem konnte das nicht passieren.

SKIP: Sie haben so viele Filme in ihrem Leben gedreht. Gibt es einen, auf den Sie besonders stolz sind?

Hill: Ich bin auf alle stolz, aber ganz besonders auf die erste Komödie mit Bud Spencer, Die rechte und die linke Hand des Teufels. Die ist ein kleines Juwel.

SKIP: Haben Sie sich eigentlich jemals eine Auszeit gegönnt?

Hill: Ja, zum Arbeiten! Von meinen Serien Die Bergpolizei und Don Matteo. Aber da habe ich dann nicht bloß Ferien gemacht, sondern eben meinen Film gedreht. Aber es war wie Urlaub. Wissen Sie, beim Fernsehen muss man acht Seiten pro Tag drehen, beim Film zwei Seiten. Also war der Filmdreh im Vergleich zu der Arbeit davor wie Urlaub.

SKIP: Für Ihren neuen Film standen Sie nicht nur selbst vor der Kamera, sondern haben auch das Drehbuch geschrieben und die Regie übernommen. In Sachen Regie haben Sie von den besten gelernt, von Luchino Visconti, von Sergio Leone ...

Hill: Ja, von Sergio Leone habe ich viel gelernt, zum Beispiel, wenn ich mit ihm im Schneideraum war. Einmal haben wir uns eine Szene von Once Upon a Time in America angesehen, die gerade fertig geschnitten worden war, und ein Kellner kam vorbei, um Sergio einen Cappuccino und Croissants zu bringen. Sergio meinte zum Cutter, er solle dem Kellner die Szene zeigen. Er hat den Kellner dann die ganze Zeit, während der sich den Filmauschnitt angesehen hat, beobachtet, doch er hat wohl nicht die gewünschte Reaktion bekommen. Denn als der Kellner wieder weg war, hat Sergio zum Cutter gemeint, er müsse die Szene noch einmal umschneiden. (lacht)

SKIP: Sergio Leone hat viel Wert auf Darsteller mit besonderen Gesichtern gelegt ...

Hill: Und auf besondere Hüte auch! Es hat zwei ganze Tage gedauert, um meinen Hut für Mein Name ist Nobody zu finden. Wir haben mindestens zehn Kostüm-Geschäfte in L.A. besucht und ich habe dort alle Hüte probiert. Sergio meinte immer: Wenn du einen epischen Charakter schaffen willst, dann braucht der einen Hut! (lacht) Deshalb musste auch ich immer einen Hut haben. In meinem neuen Film trage ich eine Baseball-Kappe.

SKIP: Stimmt es, dass sie als junger Schauspieler sehr schüchtern waren?

Hill: Ja. Bin ich noch immer. (lacht) Das stimmt, ich mochte es zunächst auch nicht besonders, Schauspieler zu sein – bis ich mit Bud Spencer Die rechte und die linke Hand des Teufels gedreht habe ... ab da konnte ich mir vorstellen, dass ich es gerne machen könnte.

SKIP: Ihr Sohn war bei ihrem neuen Film als Produzent mit dabei. Was bedeutet das für Sie, mit ihm zu arbeiten?

Hill: Das war eine schöne Sache. Er hat die Filmschule in New York besucht und macht jetzt Dokumentarfilme. Manchmal ist er beim Dreh aufs Set gekommen und hat mir Tipps gegeben. Gute Tipps! Ich bin keiner, der behauptet, er wisse alles immer am besten, und daher keine Ratschläge zulässt. Man muss immer offen sein, auch wenn jemand aus der Crew etwas zu sagen hat. Zum Beispiel bei der Szene im Film, in der im Zimmer ein Feuer ausbricht und Thomas die Tür eintritt und in den Raum voller Rauch geht, um die junge Frau zu retten. Ich hatte dabei so ein typisches Tuch, wie es Harley Davidson-Fahrer oft tragen, weil ich im Film ja Harley fahre. Der Grip kam zu mir und schlug vor, ich solle das Tuch in der Szene doch nehmen und über den Mund halten, wie man es macht, um keinen Rauch einzuatmen ... Ich dachte: Ja, endlich hat dieses Tuch einen Sinn! (lacht)

SKIP: Eine letzte Frage. Hatten Sie es eigentlich jemals satt, immer so viel Bohnen zu essen?

Hill: Nein, ich esse noch immer Bohnen! Nicht so viele allerdings. Einmal hatte ich vor so einer Szene 36 Stunden nichts gegessen. Da war ich natürlich hungrig und habe wirklich alle Bohnen aufgegessen. (lacht)

 

Heute, am 8. September, präsentiert Terence Hill sein Leinwand-Comback Mein Name ist Somebody in Wien, im UCI Kinowelt Millennium City sowie im Cineplexx Wienerberg. In den nächsten Tagen wird der Film in ausgewählten Kinos zu sehen sein.

Interview: Claudia Dlapa, Foto: KSM GmbH / September 2018

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