„Da war ich selbst erst einmal baff!“

Interview mit Jeff Goldblum zu The Mountain

Auch wenn er nicht als Statue in London herumliegt, dreht sich im Leben von Jeff Goldblum alles um die Kunst. Wir haben den 65-Jährigen in Venedig anlässlich der Weltpremiere seines Films The Mountain zum Gespräch über den Wert der Wissenschaft, seine österreichischen Vorfahren und seine Lieblingsrollen getroffen.

Jeff Goldblum: Hallo! Woher kommen Sie denn?

SKIP: Aus Österreich.

Goldblum: Ah, sehr schön! Dort habe ich Vorfahren. Allerdings habe ich bislang noch nie richtig die Zeit gefunden, mich wirklich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das sollte ich jetzt echt einmal machen. Es ist schließlich wichtig zu wissen, woher man kommt. Ich weiß ja bloß, dass der Vater meines Vaters aus Russland stammt und der Vater meiner Mutter eben aus Österreich – mehr allerdings schon nicht. Aber nachdem meine Frau und ich jetzt zwei kleine Jungs haben, wäre es schon eine gute Sache, etwas über die Familiengeschichte zu erfahren. Aber na gut, worüber wollen Sie denn eigentlich mit mir sprechen?

SKIP: Wenn Sie in einem Film auftauchen, versprühen Sie häufig diese glühende Energie, der man sich kaum entziehen kann. Wann haben Regisseure begonnen, Sie dafür zu verpflichten, genau solche Charaktere zu spielen, um deren Filme noch zusätzlich zu befeuern?

Goldblum: Die wirklich guten Regisseure wie Wes Anderson, für den ich in Grand Budapest Hotel einen Rechtsanwalt gespielt habe, finden immer wieder spannende und neue Wege, Schauspieler einzusetzen. Manche tun dies bewusst in theatralischen Rollen, manche in subtileren. In meinem aktuellen Film The Mountain ist es ein wenig von beidem: Manchmal agiere ich darin sehr rastlos, manchmal auch ganz ruhig. Mir ist es jedenfalls wichtig, mit meinen Rollen eine so große Bandbreite wie möglich abzudecken.

SKIP: Apropos große Bandbreite: Wie gehen Sie eigentlich mit der etwa acht Meter großen Statue um, die man Ihnen zu Ehren in London aufgebaut hat?

Goldblum: Da war ich selbst erst einmal baff! Ich wusste davon vorab wirklich gar nichts und war so überrascht wie jeder andere auch. An dem Tag, an dem das Ding aufgestellt wurde, wurden mir ständig Bilder davon geschickt – und ich konnte es echt nicht glauben. Wow! Ich weiß den aktuellen Stand der Dinge zwar grad nicht, aber irgendjemand meinte mal, dass sie mit der Statue nun rumreisen und sie an anderen Orten aufstellen möchten, damit das Teil möglichst viele Menschen zu sehen bekommen.

SKIP: Weil Sie zu Beginn Ihren Vater erwähnt haben: Der war ja Arzt. Wollte er denn, dass Sie in seine Fußstapfen treten? Und hat es ihn gestört, dass sich schließlich für das Schauspiel entschieden haben? Bei alledem scheint Sie ja seine Berufssparte auch nie so ganz losgelassen zu haben, so oft wie Sie schon Wissenschaftler oder Ärzte gespielt haben …

Goldblum: Da ist was dran. Ich habe durch die Beschäftigung mit diesen Rollen die wissenschaftliche Arbeitsweise sehr zu schätzen gelernt. Obwohl ich es beruflich bedingt mag, jemandem etwas vorzuspielen, schätze ich im echten Leben Fakten schon sehr. Ich hatte neulich einen gemeinsamen Talkshow-Auftritt mit dem Astrophysiker Neil deGrasse Tyson – und war da schon etwas „starstruck“! Ich schätze Leute, die Leben und Arbeit der Neugier und der Forschung gewidmet haben. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Mein Vater hat schnell gemerkt, dass mich die Kunst stimuliert und beflügelt. Ihm war klar, dass eine solche Begeisterung der Beweggrund für jede berufliche Entscheidung sein muss, und er hat mich immer entsprechend unterstützt. Nachdem er mich später in einer meiner ersten Shows gesehen hatte, hat er mich backstage sogar mit Tränen in den Augen umarmt!

SKIP: Von all den Charakteren, die Sie schon gespielt haben: An welchem hängen Sie am meisten?

Goldblum: Hmm. Ich versuche ja, stets besser zu werden, weshalb ich auch an vielen meiner aktuellen Rollen hänge. Ich mag die in meinem neuesten Film The Mountain sehr. Und natürlich die in Taika Waititis Thor-Film! Und weil sie die Statue erwähnt haben: Die beruht ja auf der Figur, die ich in Jurassic Park gespielt habe – und die ich im neuesten Film der Reihe auch gern wieder verkörpert habe. Ich bin glücklich, dass ich in meiner Karriere so viele tolle Rollen spielen durfte. Wobei ich aber auch immer versucht habe, meine eigenen Standards in alle Produktionen einzubringen – so kann man für einen selbst etwa auch eine Fernsehwerbung in eine interessante und lehrreiche Erfahrung ummünzen.

Interview: Christoph Prenner, Foto: Universal Music/Pari Dukovic / Oktober 2018

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