Brutal genug: SKIP traf den Regisseur von Das Boot

Interview mit Andreas Prochaska

Der österreichische Regie-Star Andreas Prochaska, ein Ausnahmetalent seiner Zunft, landet mit der Serienadaption von Das Boot einen internationalen Hit: Bereits vor der Erstausstrahlung auf Sky wurde die Koproduktion an über 100 Länder verkauft. Das wussten wir noch nicht, als SKIP den Wiener Familienvater in Hamburg zum Interview traf. Deshalb sprachen wir mit ihm mehr über die Filmkunst.

SKIP: Das Boot spielt im Zweiten Weltkrieg und zeigt immer wieder sehr brutale Szenen. Eine Frau wird gefoltert, zahlreiche Menschen werden getötet. War es Ihnen bei allem Realismus ein Anliegen, die Gewalt nicht allzu sehr zu zelebrieren?

Andreas Prochaska: Vielleicht verursachen meine Erfahrungen bei den In 3 Tagen bist du tot-Filmen, dass ich vorsichtiger in der Gewaltdarstellung geworden bin. Ich glaube aber, für den normalen Zuseher ist Das Boot brutal genug. Ich hoffe nur, dass die Gewaltdarstellung nicht konsumierbar ist. Ich kann es auf den Tod nicht ausstehen, wenn da einer erschossen und dort einer totgeprügelt wird und alle das lässig finden. 

SKIP: Ist es überhaupt möglich, Anti-Kriegs-Filme zu machen?

Andreas Prochaska: Ich will die Faszination entblößen, der damals alle Leute auf den Leim gegangen sind. Wie sich Kriegsbegeisterung bezahlt macht, wird man im Verlauf der Serie erleben. Wenn ich das Verhältnis zwischen Handlungen und Konsequenzen klarmachen kann, wenn die Zuseher eine neue Perspektive dazugewinnen und meine Arbeit nicht bloß eine lässige Action für sie war, dann habe ich gewonnen.

SKIP: Krieg als ultimatives Drama – wie verlockend ist das für Sie als Filmemacher?

Andreas Prochaska: Ich wollte schon immer einen Film machen, der im Zweiten Weltkrieg spielt, weil mich das schon als Kind fasziniert hat. Glücklicherweise habe ich es nie erlebt und hoffentlich müssen ich und meine Kinder und deren Kinder es nie erleben …

SKIP: Man muss aber gar nicht so weit fahren, um es zu erleben …

Andreas Prochaska: Für mich ist das Thema aber damit auch abgeschlossen. Wenn innerhalb einer Serie, die du jahrelang erarbeitest, so viele deiner Charaktere das Leben verlieren, das macht auch was mit dir als Filmemacher. Wenn man eine Komödie macht, ist man emotional definitiv weniger belastet.

SKIP: Versteht man nach so intensiven Recherchen und so enger Beschäftigung mit dem Thema den Irrsinn des Zweiten Weltkriegs besser?

Andreas Prochaska: Ich verstehe zumindest das damalige U-Boot-Fahrer-Milieu ganz gut. Die waren sowas wie die Rockstars der Nazis. Wenn man dauernd in den Medien gefeiert wird und alle sagen, man sei die Wunderwaffe, und man kriegt die feschesten Frauen und den längsten Urlaub und Ruhm und Ehr, dann melden sich junge Leute schnell freiwillig.

SKIP: Wenn eine zweite Staffel kommt – würden Sie wieder Regie führen?

Andreas Prochaska: Ich glaube, ich habe künstlerisch genug Zeit verbracht in diesem U-Boot. Zwei Jahre meiner Lebenszeit stecken da drin. Das ist genug. Aber die Geschichte gibt es auf jeden Fall her, dass man sie weitererzählt.

Interview: Klaus Hübner, Foto: Nik Konietzny / Bavaria Fiction GmbH / November 2018

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