Gut gelaunter Griesgram

Interview mit Otto Waalkes zu Der Grinch

Ausgerechnet Frohnatur Otto grummelt im Weihnachtsmärchen Der Grinch derzeit 
als miesmutiger Weihnachtsverderber von der Leinwand. Zwischen spontanen 
Gesangseinlagen bekannter Hits von Rainhard Fendrich und Falco verriet der Friesenjunge im Gespräch mit SKIP, wie der Heilige Abend im Hause Waalkes verläuft – und ob auch er manchmal grantelt.

SKIP: Erzählen Sie uns mal – wie feiert Otto eigentlich Weihnachten?

Otto Waalkes: Weihnachten wurde bei uns zu Hause immer sehr traditionell gefeiert. Zuerst wurde gesungen, dann kam die Bescherung und dann wurde wieder gesungen. Und das mach ich auch heute so. Abends ruf ich, egal wo ich gerade bin auf der Welt, meinen Bruder an, und dann singen wir die ganzen Weihnachtslieder, die wir früher mit unseren Eltern zusammen gesungen haben. Das war bei uns immer eine heile Welt. Ich komme ja aus einer Familie, in der sich die Eltern immer liebgehabt haben, wo immer Liebe im Haus geherrscht hat, nicht nur zur Weihnachtszeit. Das ist selten. Und das war schon schön. Mittlerweile bin ich meistens in Florida unter Plastikbäumen und Gummiweihnachtsmännern, da verändert sich das Gefühl natürlich schon ein bisschen. Aber dieses Jahr möchte ich gerne hierbleiben und zusammen mit meinem Bruder feiern. Weihnachten im Schnee zu erleben ist ja überhaupt das Größte.

SKIP: Kommt es vor, dass sie mal so richtig grantig sind? So wie der Grinch?

Waalkes: Naja es gibt schon so Tage, zum Beispiel heute! Ein langer Tag, ich wäre echt gern zu Hause …  diese vielen Interviews, die ich führen muss, das ist schon anstrengend. (lacht) Und die Überraschung: Ich bin immer noch nicht grantig. (überlegt) Ne … nur etwas erschöpft. Und der kleine grüne Grinch ist ja eigentlich auch nicht grantig, sondern einsam – und das ist doch keiner gern.

SKIP: Fühlen Sie sich selbst manchmal einsam, oder ist es eher so, dass die ganze Welt ständig was von Ihnen will?

Waalkes: Ja, aber dadurch kann man ja im Grunde noch einsamer werden. Dann fragt man sich, wie viele Freunde man wirklich hat. Oder wer mag dich vielleicht nur, weil du 
berühmt bist – mag er dein Image oder dich als Mensch? Das ist natürlich sehr schwierig herauszufinden. Deswegen versuche ich es lieber gar nicht erst. Meine Menschenkenntnis reicht nicht aus. Schauen Sie, ich lerne immer wieder wunderbare Frauen kennen. Beweis: Zwei gescheiterte Ehen … So kann man das sehen – muss man aber nicht. Ich sehe das so: Ich habe zwei Ehen erfolgreich abgeschlossen und denke an beide sehr gern zurück. Wenn man immerzu nur das Schlimmste befürchtet, dann kommt man doch zu nichts.

SKIP: Wie stehen Sie denn eigentlich zum Wiener Schmäh?

Waalkes: Wie steht der Wiener zum Friesen-Schmäh, das ist die entscheidende Frage für mich! Mögen die mich? Ich mag natürlich den Wiener Schmäh, obwohl er ja eigentlich kaum zu verstehen ist. (Otto improvisiert Strada del Sole von Rainhard Fendrich:) Hänsel und Gretel an der Strada del sole … die Fiaß tamma weh in die neich’n Sandole … oder so ähnlich. Das versteh ich ja alles nicht so ganz, bringe es aber trotzdem in meinen Parodien unter. (lacht) Märchen lassen so viel Freiraum, dass man solche Schlenker gut einbauen kann. Deswegen liebe ich diese Märchen auch so. Der Grinch und die meisten anderen Animationsfilme sind ja im Prinzip allesamt Märchen. Da fühle ich mich zu Hause. Mein Vater hat mir früher immer viele Märchen erzählt, davon zehre ich noch heute.

SKIP: Und welches war ihr liebstes?

Waalkes: Hänsel und Gretel passt mir besonders! 
Bis heute. Seit dreißig Jahren verfolgt mich das jetzt schon. Sogar auf Falco habe ich das gesungen. (Otto stimmt seine Version des Falco-Hits Amadeus an:) Es war um 1780 und es war im Wald, sie war ’ne Knusperhexe und war tierisch alt, sie war ein 
Patissier, das war ihr Lebenszweck – und was dabei herauskam war a peppiges 
Gebäck. Come on und back den Pfeffer-
kuchen … uh, oh, Pfefferkuchen! Ich habe Falco damals angerufen, weil ich mir ja seine Genehmigung holen musste, bevor ich so etwas parodiere. Falco meinte nur: „Moch’s doch, moch’s doch.“

Interview: Claudia Dlapa / November 2018

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