Der Schneekönig

Interview mit Wolfgang Groos zu Kalte Füsse

Mal gibt's zu viel davon, mal zu wenig – nicht so einfach, die Sache mit der weißen Pracht. Wir trafen Wolfgang Groos, den Regisseur der künstlich verschneiten Screwball-Komödie Kalte Füsse bei der SKIP-Premiere in Wien und plauderten mit ihm über Wetterkapriolen und Lachflashs vor der Kamera.

SKIP: Kalte Füsse, ein treffender Titel, wie mir scheint – was hat es damit auf sich?

Wolfgang Groos: Ja, im Prinzip geht es um die Zweideutigkeit des Begriffs. Das Offensichtliche ist natürlich: im Film herrscht tiefster Winter. Doch eigentlich geht aus auch darum, dass jede der Figuren für sich kalte Füße in ihrem Leben bekommt. Der Einbrecher Dennis kriegt kalte Füße, weil er sich als Krankenpfleger ausgibt und seine Maskerade aufzufliegen droht. Charlotte hat das Problem, dass sie die Familiengeschichte mit ihrem Opa eigentlich nie so richtig für sich verarbeitet hat. Und sie bekommt dann auch kalte Füße als sie anfängt, sich in Dennis zu verlieben – was schwierig für sie ist, weil sie eigentlich in einer anderen Beziehung steckt. Und der Opa, Heiner Lauterbach, bekommt kalte Füße, weil er einsieht, wie wichtig ihm eigentlich Charlotte ist, seine Enkelin, mit der er zehn Jahre lang keinen Kontakt hatte ...

SKIP: … ein emotionaler Aspekt des Films.

Groos: Genau, das ist das schöne an dem Film, dass es nicht nur eine Komödie ist, sondern das Thema Familie da auch ganz stark mitschwingt, ohne dass es jetzt gleich ein Familiendrama ist. Es ist eine sehr spannende und lustige Komödie, aber wir wollten das immer auch noch zusätzlich reinnehmen in den Film, dass es auch irgendwie um Familie geht.

SKIP: Sie haben es ja selbst schon erwähnt, im Film herrscht tiefster Winter, über zu wenig Schnee kann man sich in Österreich derzeit auch nicht beklagen, wie war das beim Dreh?

Groos: Ja, der Schnee war eine große Herausforderung! Ab einem bestimmten Moment ist die ganze Villa ja komplett eingeschneit. Also im Film ist es so, dass über Nacht achtzig, neunzig Zentimeter Neuschnee runterkommt. Und ja, im Moment ist es ja auch wirklich überall so. Letztes Jahr beim Dreh war das allerdings ein bisschen anders. Wir haben uns eigentlich gut vorbereitet, Schneewechten aufgebaut und so weiter – so dass wir wirklich nur dreißig, vierzig Zentimeter echten Schnee gebraucht hätten. Und wir hatten ein Zeitfenster von sechs Wochen, in denen der hätte kommen können. Aber er kam einfach nicht! Und dann mussten wir tatsächlich insgesamt 1200 Tonnen Schnee extra ankarren. Der wurde dann mit Schneefräsen und Windmaschinen verweht und so auf das ganze Areal verteilt. Das war schon sehr aufwändig. Aber so konnten wir uns retten. Im Hintergrund haben wir noch zusätzlich ein wenig CGI verwendet.

SKIP: Es kursiert das Gerücht, Sie wurden einmal streng am Set – mit den Hauptdarstellern. Angeblich wurde zu viel gelacht?!

Groos: (lacht) Ja, beim Dreh der "Degenhard Hard"-Szene (auch im Trailer zu sehen, Anm.) ... Wenn man genau hinsieht, dann sieht man, dass wir die Bilder im Schnitt genau keine einzige Millisekunde hätten länger stehen lassen können, weil die beiden (Emilio Sakraya und Sonja Gerhardt, Anm.) dann immer zusammengebrochen sind vor Lachen. Wenn man ganz genau hinsieht, erkennt man, dass es immer wieder so Momente gibt, wo Emilio eigentlich anfangen will zu lachen und sich aber gerade noch fängt. Und bevor er dann wirklich anfängt zu lachen, mussten wir den Schnitt machen. Grundsätzlich ja gut, wenn die Darsteller Spaß haben. Da haben sie es halt einfach nur ein bisschen übertrieben die beiden. Sie sind halt auch noch jung! (lacht)

Interview: Claudia Dlapa, Foto: Starpix / Januar 2019

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