Der Grenzgänger

Interview mit Nicholas Ofczarek

In der Sky-Serie Der Pass er- und vermittelt Nicholas Ofczarek als grantelnder Kieberer neuerdings zwischen Österreich und Deutschland. Beruflich praktiziert die heimische Schauspielgröße das Wandeln zwischen den Welten von Burgtheater und TV schon seit Jahren mit großem Erfolg.

SKIP: Sie sind ein äußerst vielbeschäftigter Mann. Wie haben Sie bei all Ihren Burgtheater-Verpflichtungen denn auch noch den Dreh einer ganzen Staffel von Der Pass in Ihrem vollen Terminkalender unterbekommen? Lief das immer zwischen Ihren Bühnenterminen?

Nicholas Ofczarek: Nein, das war schon ein durchgehender Drehzeitraum von fünf Monaten, während derer ich echt nur ab und zu an der Burg gespielt habe. Sonst schaffst du das gar nicht. Weil dabei ja auch die Anreisen immer eine Rolle spielen – wie kommst du nach den Vorstellungen denn noch in die Berge? Oder eben auch zurück. Das Drehen selbst war dann aber auch echt cool, dieses monatelang im Winter in den Bergen als Team zusammen sein, ich bin da immer wieder gern hingefahren. Das war schon ein Arbeiten unter Extrembedingungen zum Teil, aber mit einer großen Freiheit und einem großen Respekt voreinander.

SKIP: Wie unterscheidet sich dieses Arbeiten von jenem am Theater?

Ofczarek: Beim Theater habe ich zum Beispiel eben erst neun Wochen geprobt, beim Film machst das ja gar nicht. Es wäre natürlich schön, wenn man sich einen Monat lang gemeinsam vorbereiten könnte, aber das ist eben nicht finanzierbar. Eigentlich ist das ein völlig anderer Beruf. Von der Chronologie, von der Ökonomie her. Lustigerweise profitiert aber das eine vom anderen, es ergänzt sich, bereichert sich.

SKIP: Was hat Sie bei Der Pass denn an Ihrer Figur des Gedeon Winter im Speziellen gereizt?

Ofczarek: Die Abgründe! (lacht) Das ist letztlich einer, der immer zu spät kommt, der erst dann auftaucht, wenn alles kaputt ist, tot, im Oasch. Der dadurch aber getrieben ist von der Hoffnung, auch einmal zur rechten Zeit da zu sein, um auf diese Weise erfahren zu können, dass er auch zu etwas gut ist. Es ist eine komplexe Figur, die wahrscheinlich aus gutem Hause kommt, eine Kommunenvergangenheit hat, jetzt mit dem Rotlicht verknüpft ist und dabei auch noch ein Drogenproblem hat. Der hat irrsinnige Abgründe in sich, die er nicht sehen will, der dabei aber eben in einem Beruf tätig ist, in dem es nur um Abgründe geht.

SKIP: Vor allem im TV war dieser Typus des Antihelden in den vergangenen 15 Jahren ja die prägende Figur. Wie erklären Sie sich dessen anhaltenden Reiz?

Ofczarek: Prinzipiell gibt es da ja zwei Phänomene. Zum einen haben wir im TV den Antihelden, der gefällt uns, weil er näher an uns dran ist. Wir wären alle gerne Helden, aber wir sind Menschen, wir sind fehlbar. Da ist dann einer unser Held, der gar keine großen Superkräfte hat, der einfach am nächsten Tag wieder aufsteht und weitermacht und wieder scheitert und es dann irgendwann doch schafft – oder eben auch nicht. Zum anderen haben wir die Superheldenschwemme im Kino, bei der ich mir denke: Das kann’s doch nicht sein! Jetzt treffen schon die Superhelden auf die Superhelden – in einem Film. Da wirst du ja deppert! Ich finde das nicht so wahnsinnig interessant. Aber da dürfte es halt eine gewisse Sehnsucht nach den Göttern geben, nach den Unantastbaren, den Unverwundbaren.

SKIP: Die Bösewichte geben in diesen Filmen aber ohnehin meist mehr her, oder?

Ofczarek: Klar, weil die halt Grenzen überschreiten. Wie gerne würde man einfach mal irgendjemandem auf der Straße grundlos in die Goschn hauen? Die tun’s halt und lachen dabei. Und man denkt sich: Recht hast! Das fasziniert einen eben. Wie gut tut’s einem, wenn man auch einmal über eine Grenze geht?

Interview: Christoph Prenner, Foto: Sky/Wiedemann & Berg Television GmbH & Co / Januar 2019

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