Völlig losgelöst

Interview mit Alexander Pointner zu The Big Jump - Flieg mit uns in 3D

Alexander Pointner, der Skisprungtrainer, der die österreichische Herrenmannschaft über 10 Jahre und dabei zu drei Olympiasiegen und 14 WM-Titeln führte, hat die Seiten gewechselt: Als Co-Autor, Berater und Kommentator von The Big Jump – Flieg mit uns in 3D bringt er uns nun im Kino die Faszination des Fliegens näher.

SKIP: Was hat Sie dazu veranlasst, an der Entstehung dieses Films mitzuwirken?

Alexander Pointner: Für mich war es sehr erfrischend, nach einem familiären Schicksalsschlag wieder Kontakt zum Skispringen zu bekommen. Ich fand die Idee dahinter sehr gut. Schon als Trainer habe ich versucht, interaktiv zu agieren und neue Türen zu öffnen – dafür steht auch der Film mit seiner 3D-Produktion, die in puncto Geschwindigkeit und Höhe etwas greifbar macht, was das Fernsehen nicht schafft. Sogar Menschen, die viel Wintersport machen, kommen ja nie selbst zum Skifliegen. Der Film bietet die Möglichkeit, in diese Materie einzutauchen.

SKIP: Im Pressetext sprechen Sie von der Randsportart Skispringen – was verglichen mit den Hunderttausenden Skifahrern in Österreich in puncto aktiver Ausübung absolut stimmt.

Pointner: Als Cheftrainer hat mich das mit der Randsportart immer geärgert, weil ich jeden Tag damit beschäftigt war, mein Team auf das nächste Level und auch den Skisprungsport selbst auf eine andere Ebene zu bringen, auch über die Grenzen hinaus. Heute weiß ich aber auch, dass es eine Randsportart ist. Aber wir können stolz auf das sein, was aus dem Sport geworden ist.

SKIP: Wie schwierig ist der Sprung vom Skifahren zum Skisprung denn nun tatsächlich?

Pointner: Beim Skifahren ist es sehr beliebt, auch mal über eine Kuppe zu springen. Das ist aber weit entfernt von der Dimension, in der sich Skispringen oder Skifliegen bewegen. Das schaut natürlich spektakulär aus – aber jene, die das im Weltcup machen, beschäftigen sich täglich damit. Selbst Kinder im Verein springen drei, vier Mal in der Woche. Deshalb ist auch nicht jeder Sprung gefählich. Bei schlechten Verhältnissen kann man aber schon stürzen. Man muss nur bei 130 km/h die Hand aus dem Auto halten, um mitzubekommen, welche Kräfte da wirken können.


Pointner und DiethartThomas Diethart und Alexander Pointner in The Big Jump


SKIP: Haben Sie durch die Arbeit am Film auch noch etwas Neues über „Ihren“ Sport gelernt?

Pointner: Mir war schon als Trainer bewusst, dass es nicht nur die Athleten und die Mannschaften gibt, sondern auch viele andere, die helfen, unsere Sportart nach außen zu tragen. Dazu gehören das Fernsehen und die Presse, der Veranstalter, viele Ehrenamtliche, durch deren Mithilfe die Wettkämpfe erst über die Bühne gehen können – und natürlich Fans und Zuschauer. Durch die organisatorische und beratende Funktion, die ich für den Film eingenommen habe, sowie durch die von mir geführten Interviews vor der Kamera habe ich aber schon noch einmal intensivere Einblicke in andere Bereiche bekommen.

SKIP: Haben Sie sich zur Vorbereitung auf den Film auch andere Sportdokus angeschaut? Oder einschlägige Spielfilme wie Eddie The Eagle?

Pointner: Ich schau generell alles, was mit Sport zu tun hat. Eddie The Eagle habe ich mir eben erst wieder angesehen. Weil ich Eddie Edwards ja selbst gekannt habe und der Film einen an Orte bringt, die viele Kindheitserinnerungen wecken. The Big Jump spielt für mich aber in einer ganz anderen Liga, einer, in der sich dieser Sport wirklich hautnah miterleben lässt. Unser Ziel war es, Interesse für etwas zu wecken, was man sich nicht vorstellen kann, was es aber trotzdem gibt: Dass man mit einem Paar Ski und einem Sprunganzug selbst zum Fluggerät werden kann.

Interview: Christoph Prenner / März 2019

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