Sympathy for the Underdog

Interview mit Robert Zemeckis zu Willkommen in Marwen

In Filmen wie Zurück in die Zukunft hat sich Robert Zemeckis mutig mit neuesten tricktechnischen Entwicklungen beschäftigt. Dabei schlägt sein Herz nicht nur für den filmischen Fortschritt, sondern auch für die Außenseiter des Alltags – wie seine aktuelle Arbeit Willkommen im Marwen beweist, zu der ihn SKIP in Berlin vors Mikro bekommen hat.

SKIP: Welches Potential haben Sie in der Geschichte von Mark Hogancamp gesehen, das Sie veranlasst hat, selbige in Willkommen in Marwen zu verarbeiten?

Robert Zemeckis: Als ich die Dokumentation über Hogancamps Leben gesehen habe (Marwencol, Anm. d. Red.) habe ich sofort gespürt, dass da alles vorhanden ist, was es für einen interessanten Film braucht. Zuerst ist da mal die faszinierende Geschichte einer Person, die ihre Kunst zur seelischen Heilung verwendet. Und dann gab es da eben auch die Möglichkeit, die Storys selbst, die Hogancamp in seinen Fotografien erzählt hat, zu präsentieren. So etwas kann nur mit filmischen Mitteln gemacht werden.

SKIP: Das Ergebnis ist eine mutige Mischung aus Arthouse- und Action-Kino. Wie schwierig war es, hierfür das Budget aufzustellen?

Robert Zemeckis: Es ist heutzutage generell nicht einfach, Filme finanziert zu bekommen, die ungewöhnliche Geschichten erzählen – ganz unabhängig vom Budget. Wenn dann auch noch Visual Effects drinnen sind, wird’s noch mal schwieriger. Aber ich habe immer guten Support vom Studio bekommen. Es war also kein allzu schlimmer Kampf, aber es ist natürlich trotzdem immer ein Kampf.

SKIP: Sie sind bekannt dafür, sich den neuesten technischen Herausforderungen beim Filmemachen stets als einer der Ersten zu stellen. Was glauben sie, werden die Entwicklungen der Zukunft sein?

Robert Zemeckis: Die Zukunft wird jedenfalls immer unterschätzt. Meiner Meinung nach wird es nicht mehr lange dauern, bis wir den ersten komplett virtuellen, humanoiden Schauspieler haben. Alles nur eine Frage der Zeit.

SKIP: Noch arbeiten Sie aber mit echten Schauspielern – wie in diesem Fall mit Steve Carell. Warum haben Sie ihn für die Rolle ausgewählt? Und wie schwierig war es, ihn von dem Projekt zu überzeugen?

Robert Zemeckis: Da war sehr einfach. Er hat quasi nur gefragt, wo er unterschreiben soll, war sofort sehr enthusiastisch. Ich habe nach einem Schauspieler gesucht, der sowohl Comedy als auch Drama beherrscht. Ich denke, dass Steve beides sehr gut kann, dass er sowohl die Arroganz seines Puppen-Alter-Egos draufhat als auch das Zerbrechliche des Menschen dahinter.

SKIP: Es fällt auf, dass Sie in vielen Ihrer Filme – von Zurück in die Zukunft über Der Polarexpress bis aktuell Willkommen in Marwen – auf der Seite der Underdogs und Außenseiter stehen.

Robert Zemeckis: Die Geschichten, zu denen es mich hinzieht, sind nun einmal oft jene von Antihelden, von komplexen, interessanten Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen. Wenn diese letztlich die Oberhand behalten, dann sendet das für mich eine starke Botschaft aus.

SKIP: Auf dem Filmposter zu Willkommen in Marwen steht in großen Lettern „Vom Regisseur von Forrest Gump“. Stört Sie so etwas eigentlich? Schließlich haben Sie ja auch noch so viele andere Filme gemacht …

Robert Zemeckis: Ich habe es aufgegeben, dagegen anzukämpfen, weil ich da einfach nicht gewinnen kann. Aber lassen Sie mich Ihnen eine Gegenfrage stellen: Würden Sie wegen dieses Hinweises ins Kino gehen? 

SKIP: Manche Leute würden das bestimmt.

Robert Zemeckis: Gut, dann hat das Ganze ja auch einen Sinn. Für Marketingleute ist so etwas einfach der kürzeste Weg, um den Leuten zu vermitteln, dass der Regisseur schon einmal einen Qualitätsfilm gemacht hat.

SKIP: Würden Sie Forrest Gump eigentlich als Ihr Meisterwerk bezeichnen?

Robert Zemeckis: Ich bin der Meinung, Willkommen in Marwen ist mein Meisterwerk!

Interview: Christoph Prenner, Foto: Eva Oertwig / März 2019

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