Heimkehr und Einkehr

Interview mit John Turturro

Vom Sohn des Chefs zum Diener des Herrn: Bevor er in seiner jüngsten Regiearbeit Going Places, einer Quasi-Fortsetzung von The Big Lebowski, seine ikonische Figur Jesus wiederauferstehen lässt, hat sich John Turturro noch als Hauptdarsteller und Drehbuchautor der Serienadaption von Der Name der Rose hinter Klostermauern begeben. SKIP hat ihn um Antworten auf Glaubens- und andere Fragen gebeten.

SKIP: Die Serie Der Name der Rose wurde in verschiedenen Regionen Italiens gedreht. Was ist Ihr persönlicher Bezug zu diesem Land?

John Turturro: Ich habe eine starke Verbindung zu diesem Land. Mein Vater wurde in Giovinazzo geboren, die Familie meiner Mutter stammt aus Sizilien. Ich weiß eine Menge über die italienische Geschichte, es ist einfach wichtig zu wissen, wo man herkommt. Ich liebe es, in Italien zu arbeiten, ich habe gute Freunde dort. Es fühlt sich wie ein zweites Zuhause an.

SKIP: Für die Serie waren Sie nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Drehbuchautor tätig. Wie ist es dazu gekommen?

John Turturro: Ich habe das Drehbuch gelesen – und nachher auch gleich Umberto Ecos Romanvorlage. Das hatte ich davor nie, ich habe auch den Film nicht gekannt. Nach der Lektüre des Buches habe ich gemerkt, wie facettenreich und komplex es ist – und ich wollte mehr davon im Script haben. Weil ich bereits in so mancher Filmadaption von Werken großer Autoren gespielt habe, habe ich schon früher mitbekommen, wie sehr diese oft gekürzt werden. Mein Ziel war es also, so viel wie möglich von Eco zurück ins Drehbuch zu bekommen.

SKIP: Ecos Romanvorlage ist ein sehr komplexes und philosophisches Werk. Worin lag für Sie die größte Herausforderung bei der Adaption in ein anderes Medium?

John Turturro: Ich habe mir gedacht, dass eine Sieben-Stunden-Fassung die Möglichkeit bietet, mehr als den reinen Plot abzuhandeln. Das Buch ist sehr philosophisch, es geht sehr viel um Religion – all das beeinflusst letztlich auch die Handlung. Es gibt all diese Morde, die haben jedoch mit einem Buch und einem griechischen Philosophen zu tun. Sie basieren auf der Angst vor Wissen. Es gibt viele Aspekte, die dieses Buch einzigartig machen, und war eine große Herausforderung, all das unterzubringen.

SKIP: Ein Hauptthema des Romans ist verborgenes und verbotenes Wissen. Ist das Ihrer Meinung nach heute noch relevant?

John Turturro: Absolut, es ist in der Welt, in der wir heute leben, leider sehr relevant. Man sieht es in der Politik, wo versucht wird, den Zugang zu Bildung einzuschränken und die Leute zu desinformieren, um eine Agenda durchzubringen. Es werden Fakten verdreht, um falsche Narrative herzustellen. William von Baskerville widersetzt sich all dem. Wenn Franz von Assisi heute leben würde, würde er den Klimawandel ernst nehmen. Diktatoren und Demagogen hatten immer Angst vor Intellektuellen, Wissenschaftlern und Autoren. Viel hat sich da nicht verändert.

SKIP: Spielen Religion und Glaube in Ihrem Leben eine große Rolle?

John Turturro: Ich würde das Wort „Spiritualität“ verwenden. Ich mag das Dogma in jeglicher Religion nicht, aber ich bin fasziniert davon. Mich interessiert, wie sich Religion im Laufe der Geschichte entwickelt hat. Mir waren Autoritätsfiguren immer schon suspekt, aber mich interessiert Religion – unabhängig davon, ob sie einem nun innewohnt oder die moralische Sicht auf die Welt prägt. Ich glaube nicht an die Absolutismen der Religionen, aber ich verstehe das Bedürfnis nach Spiritualität.

Interview: Christoph Prenner, Lukas Traber / Mai 2019

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.