Punkmania

Interview mit Danny Boyle zu Yesterday

Beim britischen Ausnahmeregisseur Danny Boyle scheint sich die kompromisslos verfolgte künstlerische Freiheit richtig bezahlt zu machen: Er stieg bei Bond 25 aus und eroberte stattdessen mit der romantischen Komödie Yesterday und ihren Beatles-Songs kürzlich die Welt im Sturm. Boyle und die Musik – eine lebenslange Liebesgeschichte: SKIP geht ihr auf den Grund.

SKIP: Sie sind Jahrgang 1956. Waren Sie als Kind Rolling Stones- oder Beatles-Fan?

Danny Boyle: Für die Beatlemania war ich damals noch zu klein. Mich haben eher die späteren Alben der Beatles fasziniert. Aber eigentlich war ich Led-Zeppelin- und David-Bowie-Fan. Später habe ich mich dann eher für Punk-Musik begeistert. Auch total britisch, aber eine ganz andere Musikrichtung. Trotzdem kann ich mich noch sehr gut an die Beatlemania erinnern. Meine Eltern hörten gern die Songs im Radio, und meine Zwillingsschwester war total verrückt nach Paul McCartney.

SKIP: War die Musik für Sie damals eigentlich auch Revolution?

Danny Boyle: Mädchen und junge Frauen, schreiend und völlig außer Rand und Band – das hat es vorher noch nie in solch einer Intensität in England gegeben. Das war aber weder "hysterisch" noch "durchgeknallt". Die Jugend nach dem Weltkrieg wollte einfach nicht mehr so sein wie ihre Eltern oder Großeltern. Frauen waren viel selbstbewusster. Alte gesellschaftliche Rollen standen auf dem Prüfstand. Jugendliche formulierten plötzlich ihre Wünsche und Bedürfnisse lautstark und setzten sie auch durch. Und die Plattenindustrie erkannte sehr schnell den Marktwert. Die Beatles haben auf ihre Art die Welt revolutioniert, nicht nur durch ihre Musik.

SKIP: Man sagt, Sie tanzen gern?

Danny Boyle: Ja! Sieht aber nicht gut aus, wenn ich tanze. Aber ich tanze für mein Leben gern! Musik ist immer ein wichtiger Bestandteil aller meiner Filme. Ich liebe Musik, sie kann einen Menschen total verändern. Yesterday ist eine typische RomCom, wie wir sagen; solche Filme sind immer sehr von der Musik abhängig, sie laufen selten ohne.

SKIP: Wenn Sie sich zwischen dem Filmemachen und dem Musikhören entscheiden müssten – wer gewänne?

Danny Boyle: Die Musik! Denn gemessen an der Zeit, die ich damit verbracht habe, Musik zu hören und Informationen darüber zu speichern, ist sie viel wichtiger als Film für mich. Denken wir nur einmal an Der weiße Hai oder Star Wars: Da bleibt die Musik im Gedächtnis, holt einen ab und nimmt einen mit. Oft nur im Unterbewusstsein, aber dafür nachhaltig. Musik hinterlässt deutlich mehr Spuren in unserem Gedächtnis, als wir gemeinhin vermuten.

SKIP: Wie bekommt man denn von den Beatles die Erlaubnis, so viele Songs wie Sie in Yesterday zu benutzen?

Danny Boyle: Richard Curtis und ich haben die noch lebenden Beatles gefragt. Wir haben die Nutzung der vollen Mastersequenz von Hey Jude angefragt und bekommen. Das ist immer am teuersten und die Erlaubnis dafür geben sie nicht gern raus. Weil wir ja auch Witze über Hey Jude machen, mussten wir auf jeden Fall die Erlaubnis haben.

SKIP: Genau, ihr macht euch sogar darüber lustig – waren die Beatles nicht sauer?

Danny Boyle: Nein, sie haben den Witz sofort verstanden! Vielleicht auch, weil die Produzenten heutzutage noch energischer versuchen, Titel zu ändern. Der Witz sitzt!

Interview: Claudia-Janet Kaller / Juli 2019

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