Ein Seidel, bitte!

Interview mit Friedrich Moser zu Bier! Der beste Film, der je gebraut wurde

Zwar fließt viel Einheitsbier aus den österreichischen Zapfhähnen, doch Hopfen und Malz sind in Bezug auf die Bier-Vielfalt noch nicht verloren. Bei einem fruchtig-hopfigen India Pale Ale haben wir mit Friedrich Moser, Regisseur von Bier!, auf den Vormarsch des Craft Beers angestoßen.

SKIP: Woher kommt Ihre Liebe zum Bier, speziell zum Craft Beer?

Friedrich Moser: Ich bin generell ein Fan von Genussmitteln. Ich mag Bier, ich mag Wein, Kaffee, und ich mag auch Tees und gutes Essen. Zum Craft Beer bin ich während des Drehs meiner letzten großen Doku A Good American gekommen, für die ich in Amerika war. Ich erinnere mich noch ganz genau, wo ich das getrunken habe, mit wem, welches das war und von welcher Brauerei, weil mich die Geschmacksexplosion einfach dermaßen umgehauen hat.

SKIP: Jetzt interessiert uns natürlich, was das für ein Bier war …

Friedrich Moser: Ich habe es in Washington DC bei Kramerbooks getrunken, und zwar ein Imperial IPA von der Port City Brewery in Alexandria, 
Virginia. Das ist ein Bier, das sich zum einen durch die Bitterkeit im Abgang auszeichnet und andererseits durch die Fruchtaromen, die durch die Aroma-Hopfen erzeugt werden. Zurück in Österreich habe ich mich dann ernsthaft gefragt, wie ich hier überhaupt weiterleben kann, nachdem ich dieses Bier probiert habe! Aber glücklicherweise ist dann genau zu der Zeit, 2014 war das, die Craft Beer Bewegung auch in Österreich 
so richtig losgegangen.

SKIP: Welche Biere trinken Sie persönlich denn am liebsten?

Friedrich Moser: Ich trinke eigentlich gerne quer durch den Gemüsegarten. Also ich mag alles, angefangen bei den klassischen traditionellen Bieren, wie wir sie halt hier in Österreich haben, so wie Helles, Märzen, Pils, dann amerikanische IPAs, englische und belgische Biere. Bis eben zu den eher ausgefallenen Bieren, wie Sauerbier, wo Früchte mitvergoren werden, was dem Ganzen eine besondere Note gibt und eigentlich schon zwischen Bier und Wein angesiedelt ist.

SKIP: In Ihrem Film geht’s primär ums Craft Beer – die Big Player der Branche kommen nicht wirklich vor. War das beabsichtigt?

Friedrich Moser: Ursprünglich wollten wir auch zeigen, wie die großen Player arbeiten. Allerdings bekamen wir vom größten gleich einmal eine Absage. Mit dem zweitgrößten, Heineken, waren wir längere Zeit im Gespräch und deren Chefbrauer wollte eigentlich mitmachen, aber die PR-Abteilung hat uns dann noch einen Strich durch die Rechnung gemacht, weil sie angeblich so viele Anfragen bekommen, bei Bier-Filmen mitzumachen. Schade, weil natürlich wäre es spannend gewesen zu sehen, wie in so einer Mega-Brauerei gearbeitet wird. Aber so ist es eben eine Reise in die Welt hinter dem Bier geworden und ein Film über die Kunst des Brauens. Mir war wichtig zu zeigen, dass es kreative, 
unabhängige Brauereien gibt und wie groß die Vielfalt bei Bier ist. Das erste Bier nach dem Schauen des Films genießen die 
Zuschauer hoffentlich ganz bewusst.

SKIP: Gibt’s ein Highlight der Dreharbeiten, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Friedrich Moser: Ein persönliches Highlight war für mich sicherlich der Besuch bei der Kreativ-Brauerei von Stiegl in Wildshut. Die brauen dort ein Urbier nach einem 4000 Jahre alten Rezept. Wir haben dort gefilmt, wie die das aus den Amphoren abpumpen, und durften es dann auch probieren. Es war wahnsinnig gut, eine Aroma-Bombe! Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.

SKIP: Haben Sie Tipps für all jene, die sich von Ihrem Film inspiriert fühlen, selber mit dem Bierbrauen zu starten? Was braucht man denn, um loszulegen?

Friedrich Moser: Man braucht Wasser – da haben wir ein gutes in Österreich. Man braucht Malz, Hefe und Hopfen zum Bittern. Das kann man alles kaufen. Und Töpfe! Das ist eigentlich alles. Mein Tipp für alle, die selber brauen wollen: Für gute Zutaten einfach bei kleinen Brauereien anfragen, die verkaufen Zutaten häufig weiter. Das können Craft Beer Brauereien sein, aber auch kleine, regionalen Brauereien. Manche bieten auch Brau-Kurse an.

SKIP: Wie sieht es eigentlich aus mit dem Frauenanteil unter den Bierbrauern?

Friedrich Moser: Es gibt welche, aber nicht viele. Eine haben wir bei uns im Film, Anne-Françoise Pypaert von der belgischen Trappistenbrauerei Orval. Und wir haben Julia Herz, die Direktorin des Craft Beer Programms der Brewers Association, die selber auch braut und auch schon Preise gewonnen hat. Das Craft Beer-Publikum ist sicher zur Hälfte weiblich, aber Brauerinnen gibt es derzeit erst wenige. Momentan ist das Brau-Handwerk noch eine Männerdomäne – das wird sich ändern, wenn mehr Frauen sich dem Thema Bier widmen. Ursprünglich ist Bierbrauen ja auch Frauensache gewesen!

Interview: Juli 2019

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