Cine-Couture

Interview mit Wolfgang Joop zu Suck My Dick

Es gibt viele Modeschöpfer, die das Kino lieben. Aber Wolfgang Joop ist der einzige unter ihnen, der auch wirklich Schauspieler wurde. Interview von Peter Krobath.

SKIP: Grob gesagt erzählt Suck My Dick von einem Schriftsteller, der Probleme mit seiner Sexualität bekommt ...

Wolfgang Joop: Es ist nicht allein Sexualität, es sind mehr die Machtinsignien eines Mannes, die er praktisch verliert, oder besser gesagt, er hat die Paranoia, dass er sie verliert.

SKIP: Der Psychiater, bei dem dieser Mann in Behandlung ist, wird von einem Modeschöpfer gespielt. Klingt das nicht einigermaßen ironisch?

Wolfgang Joop: Dass ich zufällig Modeschöpfer bin, spielt in dem Zusammenhang gar keine Rolle. Ich glaube, dass mich Oskar Roehler vor allem deshalb besetzt hat, weil er findet, dass ich ein sehr guter Schauspieler bin.

SKIP: Aber es stimmt doch, dass Modeschöpfer in der modernen Gesellschaft mehr und mehr die Funktion eines Psychiaters einnehmen?

Wolfgang Joop: Ich glaube, man muss heute in jedem Beruf, der mit Menschen zu tun hat, sehr viel von der Psychologie der Menschen verstehen. In meinem Beruf ging es auch darum, Ängste, Wünsche und Sehnsüchte von Leuten zu kennen, oder vielmehr vorauszuahnen und dann in Produkte umzumünzen. Wenn wir heute von Design sprechen, dann muss man sich doch gleichzeitig auch fragen: Welches Design ist heute noch Liebesspender oder Trostspender? Denn Produkte in dem Sinne haben wir alle im Überfluss.

SKIP: Da haben Sie mir jetzt eine weit längere Antwort gegeben, als ihre Figur im Film das jemals tut. Denn wirklich viele Antworten hat dieser Psychiater ja nicht zu bieten.

Wolfgang Joop: Ich bin ja auch nicht diese Figur, das muss ich dazu noch einmal sagen. Persönlich habe ich mich immer mit diesen Fragen und Antworten der Gesellschaft sehr auseinandergesetzt, wesentlich mehr als andere Kollegen von mir. Manche Kritiker haben mir gesagt, ich hätte mit dieser Rolle nur mich selbst gespielt, was ich für einen absoluten Schwachsinn finde, weil sich selber zu spielen, ist das Schwerste. Ich habe versucht, meiner Figur eine Ratlosigkeit zu geben, die dieser Psychiater ja auch hat, wenn er diesem Phänomen gegenüber sitzt. Ihm fällt ja eigentlich dazu auch nichts ein.

SKIP: Und je länger der Film dauert, desto tragischer wird diese Figur ...

Wolfgang Joop: Ja natürlich. Abgesehen davon war es auch sehr schwer zu spielen. Mir gegenüber sitzt einer, der Ausbrüche haben darf, der sich praktisch von Innen nach Außen stülpen darf, aber gerade das darf der behandelnde Arzt natürlich nicht. Ich muss Kontrolle zeigen, Selbstkontrolle spielen, obwohl ich die schon längst verloren habe. Ich habe extra versucht, mich etwas hölzern, angestrengt und konzentriert zu geben, manchmal nur leicht sarkastisch, es war eine schwierige Rolle, und das haben viele deutsche Kritiker eigentlich gar nicht bemerkt. Die dachten, ich bin immer so.

SKIP: Oskar Roehlers großer Erfolg Die Unberührbare ist stilistisch ganz anders als dieser Film. War Ihnen das Trash-Element von Suck My Dick von Anfang an bewusst?

Wolfgang Joop: Nein, das ist mir erst während des Drehens aufgefallen. Aber mich hat Oskar Roehlers totale Konsequenz getröstet. Die Kompromisslosigkeit, mit der er immer an die Dinge geht. Es ist nicht leicht, Leute zu finden, die einem auf solch einen Weg folgen.

SKIP: Was ist für Sie das Schöne am Schauspielen?

Wolfgang Joop: Diese Intimität, die man findet, wenn man mit einer Gruppe an einer Sache arbeitet. Diese Verschwörung, an der man teilnimmt. Das war ja genau der Grund, weswegen ich meinen alten Beruf jetzt erst einmal sein lassen musste, weil ich die Verschwörung nicht fand. Jeder hatte seine eigene Idee der Vermarktung, wir hatten keine gemeinsame Sprache, kein eigenes Ziel mehr, und das hatte mich so verletzt, dass ich es erst mal lassen musste. Außerdem war ich mein Leben lang gezwungen, mich selbst darzustellen. Da macht es natürlich besonderen Spaß, einmal andere Rolle anzunehmen.

SKIP: Warum ist es eigentlich so schwierig, einen guten Film über Mode zu machen?

Wofgang Joop: Weil man sich mit diesem Metier gar nicht richtig auseinandersetzt. Also Robert Altman hat das gar nicht gekonnt. Die Klischeevorstellungen über diesen Beruf sind so tief verwurzelt, die müssen erst mal aufgebrochen werden. Ich schreibe eben ein Buch, und da gibt es Ansätze dazu, die ersten authentischen Dialoge aus dieser Modewelt. Vielleicht wird das ja verfilmt.

Interview: April 2002

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