Muhammad Smith - Wie Will zu Ali wurde

Interview mit Will Smith zu Ali

Im Gespräch mit SKIP-Hollywood-Korrespondentin Elisabeth Sereda erzählt Will Smith, wie hart er trainieren musste, um für Michael Manns Bio-Pic Ali in die Haut des legendärsten Boxers aller Zeiten zu schlüpfen, und warum Sexszenen im Kino dann am besten kommen, wenn man sie mit der eigenen Frau spielt.

SKIP: Muhammad Ali ist ein Boxer, der schon zeitlebens zum Mythos wurde. Hattest du nie Zweifel, dieser Persönlichkeit gerecht zu werden?

Will Smith: Oh Mann, natürlich! Dass war ja auch der Hauptgrund, warum ich diesen Film fünf Jahre lang immer wieder abgelehnt hatte: Es war mir einfach nicht klar, wie dieser kleine Will Smith in die Haut dieses großen Muhammad Ali passen sollte. Michael Mann war der erste Regisseur, der nicht nur über den Film nachdachte, sondern auch zu diesem Punkt einen konkreten Plan aufstellte. Er sagte: "Der erste Schritt ist der Körper. Du wirst joggen, wie Ali joggte. Du wirst essen, was Ali aß. Du wirst sparren wie Ali sparrte. Du wirst trainieren wie Ali trainierte. So werden wir es schaffen, dass dein Körper genauso aussieht, sich genauso anfühlt und genauso reagiert wie Alis Körper am Höhepunkt seiner Zeit. Dann folgt Schritt zwei, das mentale und emotionelle Training. Ali sagte mal, du stehst im Ring einem Mann gegenüber, der, sobald er die Glocke hört, nur noch einen Gedanken im Kopf hat: Er möchte dich umbringen. Erst wenn du dieses Gefühl spürst und trotzdem nicht davonläufst, erst dann hast du begriffen, was im Kopf eines Kämpfers passiert. Schritt drei ist seine geistige Entwicklung. Alis spirituelle Überzeugungen waren notwendig, weil er anders gar nicht mit dem riesigen körperlichen, emotionalen und mentalen Druck fertig werden konnte, der auf ihn lastete." Als ich Michael so sprechen hörte, sah ich zum ersten Mal den Weg, der zu Ali führen könnte. Natürlich war mir gleichzeitig aber auch bewusst, dass dieser Film der schwierigste Job sein würde, den ich jemals angenommen habe. Wahrscheinlich werde ich mich für den Rest meines Lebens auf kein derart toughes Projekt mehr einlassen. Dieses Geschichte bot null Raum für Fehler. Jeder einzelne Mensch auf der Welt hat ein sehr klares Bild von Ali im Kopf – und ich wollte nicht der Trottel sein, der dieses Bild versaut. Nachts habe ich von dicken Schlagzeilen geträumt: WILL SMITH, DER MANN, DER INDEPENDENCE DAY GERETTET UND ALI RUINIERT HAT. Ja, okay, du lachst, aber so war es.

SKIP: Welche Emotionen haben die Dreharbeiten in Afrika in dir ausgelöst?

Will Smith: Dieser Film führte uns nach Südafrika, Mozambique und Ghana. Michael Mann war eineinhalb Jahre mit der Vorproduktion für Ali beschäftigt, ich etwa ein Jahr. Ich sagte ihm, dass ich als Teil meiner Annäherung an die Rolle nach Afrika fahren wollte, um das Land und seine Leute kennen zu lernen. Michael verbot es mir. Er sagte: "Du wirst deinen Fuß erst dann auf afrikanischen Boden setzen, wenn die Kameras rollen. Ali hatte damals auch keine Vorbereitungszeit. Nur so können deine Gefühle pur und echt sein." Wie immer hatte Michael Mann auch in diesem Punkt recht. Was das Hervorbringen von Gefühlen betrifft, ist der Kerl echt gut. Wirklich: Als ich zum ersten Mal nach Afrika kam, fühlte ich, was Ali fühlte. Wenn du als Schwarzer aus Amerika in ein Land wie Mozambique kommst, wo die Schwarzen 99% der Bevölkerung ausmachen, wo Rassismus auf einmal kein Thema mehr ist, dann spielt sich in deinem Kopf ein unglaublicher Kulturschock ab. Als wir den Präsidenten von Mozambique zum Dinner trafen, fragte der mich, wie es mir in seinem Land gefallen würde. Ich sagte: "Wenn daheim in Amerika Michael und ich, also ein Weißer und ein Schwarzer, auf der Straße eine Schlägerei liefern, würde die Polizei zuerst auf mich eintreten. Hier wäre Michael als erster dran. Das ist ein merkwürdiges Gefühl, aber es gefällt mir."

SKIP: Spike Lee hat sich mächtig darüber aufgeregt, dass ausgerechnet ein weißer Regisseur die Geschichte des wohl berühmtesten Schwarzen aller Zeiten verfilmt.

Will Smith: Darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Ich würde mir wünschen, dass alle Menschen diesen Film lieben, ganz egal, welcher Rasse sie angehören. Aber am allerwichtigsten ist mir, dass Muhammad Ali und seine Familie den Film mögen.

SKIP: Und? Wie war Alis Reaktion?

Will Smith: Er findet immer noch, dass ich nicht hübsch genug bin, ihn zu spielen!

SKIP: Ali war einige Male am Set. Hat dich das nervös gemacht?

Will Smith: Ich kann mich noch genau erinnern, wie er das erste Mal ins Camp kam. Ich hatte da schon etwa drei Monate Training hinter mir, als ich ihn plötzlich aus den Augenwinkeln bemerkte. Ali schaute mir zu! Natürlich wurde ich sehr nervös. Aber dann dachte ich, okay, beruhig dich wieder, bleib in deiner Rolle, du bist Ali. Und ich kehrte meine Angst ins Gegenteil um. Ich sprang auf, rannte auf ihn zu und begann wie ein Berserker zu brüllen: "Wer hat diesen Penner in mein Trainingscamp gelassen? Mann, schmeisst ihn raus! Ich kämpfe gleich mit ihm! Ich zeige diesem Kerl, wo´s langgeht! Wer glaubt er, dass er ist?!" Ich warf mit Sesseln durch die Gegend, tobte und schrie, während Ali wie ein kleines Kind im Zirkus dasaß und mir zuschaute. Nach vielleicht 15 Minuten drehte er sich zu seinem langjährigen Wegbegleiter, dem Fotografen Howard Bingham um, und sagt: "Mann, warum hast du mir nie gesagt, dass ich sooo verrückt war?" Und wir brachen alle in herzhaftes Gelächter aus!

SKIP: Wie hat sich das harte Training auf deine Ehe mit Jada Pinkett Smith ausgewirkt?

Will Smith: Rein körperlich gesehen gab es ein paar richtig nette Nebeneffekte, dass muss ich schon sagen! Immerhin war ich in einer großartigen Kondition! Zusätzlich hatte ich 20 Kilo mehr Muskelmasse. Ich war eine völlig andere Person. Ich bewegte mich wie Ali, ich klang wie Ali, ich benahm mich wie Ali. Für Jada und mich war es lustig, wir lebten die Rollen aus. Aber die Kids hielten uns natürlich für verrückt. Wenn du derart hart trainierst, funktioniert dein Kopf besser, du kommst mit weniger Nahrung aus, und, na ja, auch einige andere Dinge, von denen wir jetzt nicht sprechen wollen, verbessern sich unendlich!

SKIP: Ach bitte, lass uns doch genauer darüber reden ...

Will Smith: Nein, aber wenn du darauf bestehst, dann kann ich es dir gerne demonstrieren! Gleich jetzt!!!

SKIP: Sorry, nicht vor all den Leuten! Themenwechsel: Ich habe gehört, dass du bei Michael Mann durchgesetzt hast, dass er Jada als eine der Frauen von Muhammad Ali engagiert, weil du nicht mit einer fremden Schauspielerin die erste richtige Sexszene deiner Karriere drehen wolltest?

Will Smith: Das muss man verstehen. Ich hatte überhaupt noch nie eine Sex- oder Liebesszene gedreht, mal ganz abgesehen von diesem Job, wo ich einen Mann küssen musste. Sexszenen mit Frauen waren absolutes Neuland für mich. Ich ließ einige Bemerkungen fallen, aber grundsätzlich hielt ich mich aus der Besetzung raus. Michael Mann hat ganz von alleine entschieden, entschied, dass Jada perfekt für die Rolle von Alis erster Frau Sonji war. Und so sehr ich mich darüber freute, so sehr hatte ich auch meine Bedenken, weil ja bekanntlich das Publikum noch nie darauf abgefahren ist, wenn echte Ehepartner auf der Leinwand Sex haben. Der Vorteil war natürlich, dass Jada und ich – zumindest in diesem Punkt – immer sehr gerne geübt haben. Und Übung macht bekanntlich den Meister.

Interview: April 2002

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