Krieg mit Bruce

Interview mit Bruce Willis zu Das Tribunal

Bruce Willis kehrt in Das Tribunal wieder einmal den Starken hervor. Als Schwächling will er auch vor der Presse nicht dastehen – daher testet er, was sich ein Star so erlauben kann. Zum Interview mit Elisabeth Sereda in Las Vegas erschien er drei Stunden zu spät. Doch die SKIP-Hollywood Korrespondentin ließ sich von Bruces schlechter Laune nicht beeindrucken.

SKIP:Ihre Mutter Marlene ist Deutsche und Sie sind in Idar-Oberstein geboren. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie in Das Tribunal einen Amerikaner darstellen mußten, der in einem Kriegsgefangenenlager der Nazis landet?

Bruce Willis:(irritiert) Erwarten Sie jetzt von mir, dass ich das Ende des Filmes verrate?!

SKIP: Nein, natürlich nicht. Ich wollte wissen, was Sie als halber Deutscher bei so einem Thema empfanden?

Bruce Willis : (ungehalten) Diese Frage beantworte ich nicht.

SKIP: Fein. Wissen Sie, was der deutsche Teil Ihrer Familie während des Krieges gemacht hat?

Bruce Willis: Nein. Hat mich nie interessiert. Das Tribunal war ein interessantes Projekt für mich. Ich wollte diesen Film machen, weil er anders war, als die Filme über den Zweiten Weltkrieg, die in den 60er und 70er Jahren gemacht wurden, wo alles reine Schwarzweiß-Malerei war. Die Deutschen waren die Bösen, die Amis die Guten. In Das Tribunal gibt es viel mehr Ambivalenz. Was mich an diesem Film fasziniert hat, war, dass er sich mit dem Thema Rassismus auf beiden Seiten beschäftigt. Ein Thema, das die amerikanische Regierung zu vertuschen suchte. Keiner wollte darüber reden, dass Amerika für den Weltfrieden kämpfte aber die afro-amerikanischen Soldaten in den USA nicht einmal annähernd dieselben Freiheiten hatten, für die sie in Europa kämpften. Vorurteile sind heute in den USA noch genauso stark wie damals, daher denke ich, dass es der richtige Zeitpunkt für einen Film ist, der sich damit auseinandersetzt.

SKIP: Die Produzenten und der Regisseur sind sich einig, dass die Rolle perfekt für Sie war. Sehen Sie das auch so?

Bruce Willis : (mit aggressivem Unterton) Wie meinen Sie das bitte? Heißt das, dass ich alt bin? Keine Ahnung. Vermutlich bin ich alt genug, so eine Rolle zu spielen. Sie war interessant weil sie kompliziert war. Mein Charakter ist nicht so. Meine Rolle und auch die des Lagerkommandanten waren beide nicht simpel gestrickt. Die hatten jede Menge Facetten.

SKIP: Sucht man als Schauspieler nicht immer nach der perfekten Rolle?

Bruce Willis: Nein. Das ist nur eine Ansichtssache von euch Journalisten.

SKIP: Mussten Sie sich in Das Tribunal verstärkt mit dem Thema Tod auseinandersetzen?

Bruce Willis: Ich bin mir meiner eigenen Sterblichkeit so richtig bewusst, seit ich Kinder habe. Vorher dachte ich nie darüber nach. Wie die meisten jungen Leute, dachte ich, dass ich ewig leben werde und daher auch locker meine Zeit verschwenden kann. Ich glaube, die meisten Leute sind von ihrem eigenen Endlichkeit, so sie durch irgendeinen Umstand näher rückt, überrascht. Ich hingegen bin mir meiner Sterblichkeit bewusst. Ich verlor zwei Freunde in meinen 20ern. Sie starben bei Unfällen. Und vergangenen Sommer verlor ich meinen jüngeren Bruder. Das bringt dich deiner eigenen Sterblichkeit sehr nahe. Und mehr noch – es erinnert dich daran, dass du besser keine Zeit verschwenden solltest.

SKIP: Wie erklären Sie das Ihren Kindern?

Bruce Willis: Der Tod ist Teil des Lebens. Nur in der westlichen Kultur wird Kindern der Tod verschwiegen wie ein schmutziges Geheimnis. In den meisten anderen Kulturen leben mehrere Generationen im selben Haus zusammen, und daher kriegen die Kinder sehr schnell und natürlich mit was Tod bedeutet wenn Großeltern oder Urgroßeltern sterben.

SKIP: Wir reden hier über Ihren neuen Film, in dem es um ein Kriegsgefangenenlager im Zweiten Weltkrieg geht, und das mag uns heute sehr fern und als sehr lang her erscheinen. In Wirklichkeit herrschen z.B. im US-Gefangenenlager in Guantanamo auf Kuba Zustände, die auch nicht viel besser sind als jene vor über 50 Jahren in Deutschland. Was halten Sie davon?

Bruce Willis: Was ich vom Gefangenenlage in Guantanamo Bay halte? Dazu kann ich nur folgendes sagen: Ich habe noch immer die Leute vor Augen, die aus dem World Trade Center in den Tod sprangen. Ich kann mir nicht vorstellen wie es sein muss, die Entscheidung fällen zu müssen, was besser ist: in Gasflammen zu verbrennen oder sich 55 Stockwerke runterzustürzen. Ich bin immer noch wütend und schockiert über das, was da am 11. September passierte.

SKIP: Sie gründeten kürzlich eine Produktionsfirma. Wollen Sie damit mehr Kontrolle über Ihre Karriere bekommen?

Bruce Willis: Ich will nach Projekten suchen, die gut für mich sind. Und auch nach anderen, in denen ich nicht notwendigerweise mitspielen muss. Ich lese viel, Romane vorwiegend. Und letztes Jahr fanden wir drei wirklich großartige Romane, die wir in den nächsten Jahren verfilmen wollen. Das macht Spaß, und ich habe viel mehr Input und Auswahl, als wenn ich nur als Schauspieler engagiert werde. Ich habe Einfluss auf das Material.

Interview: Februar 2002

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