Randy Sandy

Interview mit Sandra Bullock zu Mord nach Plan

Die prickelnde Atmosphäre der Côte d’Azur ist wie Champagner für die Seele. Dementsprechend übermütig und offenherzig erschien Sandra Bullock, ohnehin kein Kind von Traurigkeit, zum Exklusiv-Interview mit Kurt Zechner.

SKIP: In Mord nach Plan sieht man dich von einer sehr ungewohnten, dunklen Seite ...

Sandra Bullock: Ja, ich hatte mal Lust auf etwas ganz Anderes als meine bisherigen Filme. Einen düsteren, spannenden Thriller wollte ich immer schon mal machen.

SKIP: Die Detektivin, die du spielst, ist eine sexuell recht aggressive Frau – etwas, das man von den Leading Ladies in Hollywood eher selten im Kino sieht.

Sandra Bullock: Das stimmt. Und wenn, dann sehen die immer so aus wie Sharon Stone in Basic Instinct oder Demi Moore in Enthüllung. Aber bei meiner Filmfigur hier ist das anders: da kommt die Aggression von einer tiefen Verletzung der Seele. Ihr geht es nicht – nur – um Sex. Das hat mir gut gefallen. Versteh mich nicht falsch: Es ist keineswegs richtig, was sie tut. Aber es hat ziemlichen Spaß gemacht, das zu spielen – es war sehr befreiend (lacht). Endlich musste ich mal nicht das nette Mädel sein.

SKIP: Und die Sex-Szenen mit Filmpartner Ben Chaplin? Haben die auch Spaß gemacht?

Sandra Bullock: Na ja, er sieht ja nicht gerade übel aus (lacht) ... Nein, ernsthaft: Sex im Film ist immer furchtbar unangenehm für die Schauspieler. Und je mehr man sieht, desto schlimmer ist es (lacht). Ich finde sowieso, dass die erotischsten Szenen diejenigen sind, bei denen man wenig sieht, aber umso mehr ahnt. So wie z. B. bei Dennis Quaid und Ellen Barkin in The Big Easy: Er schiebt ihr die Hand unter den Rock – und jeder denkt 'whoa!' Je mehr Intimität und je weniger Sex man sieht, desto erotischer wird es. Ein Kuss, z. B., ist das Intimste, was man zeigen kann. Sex kann man vortäuschen. Einen richtigen Kuss nicht.

SKIP: Was noch angenehm auffällt, ist, dass Ben Chaplin etwa im gleichen Alter ist wie du – sogar etwas jünger. Normalerweise ist es ja in Hollywood genau umgekehrt ...

Sandra Bullock: Nun, ich finde, dass bei der Liebe das Alter nicht wichtig sein sollte – genausowenig wie Rasse oder Farbe. Ich persönlich habe nichts gegen junge Männer. Auch nicht gegen ältere. Ich mag Männer in jeder Form und Farbe (lacht)! Aber in Hollywood läuft das jetzt schon zu lange zu einseitig. Es ist so langweilig, immer den perfekten Körper eines 16-jährigen Nymphchens neben einem 60-jährigen Kerl zu sehen. Zeigt uns 60-jährige Frauen mit knackigen 20-jährigen Jungs! Aber dalli!! (lacht). Es ist schlimm, was hier passiert: Hollywood setzt die Standards. Wenn auf der Leinwand etwas als sexy bezeichnet wird, findet es das Publikum auch sexy. Film diktiert das Leben!

SKIP: Stimmt es, dass du jetzt ein Jahr Auszeit nehmen willst, um dich mehr deinem Privatleben zu widmen?

Sandra Bullock: Oh, meinem Privatleben geht es jetzt schon großartig, danke! Nein, ich will nur eine Zeitlang nicht mehr vor der Kamera stehen. Ich habe als Produzentin jede Menge zu tun – und ich kann endlich mal morgens zu arbeiten beginnen, ohne dass ich mich zuvor eine Stunde lang frisieren und schminken lassen muss.

Interview: Mai 2002

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