Mel's Hell

Interview mit Mel Gibson zu Wir waren Helden

Im Vietnamkriegs-Drama Wir waren Helden geht Mel Gibson als Lieutenant Colonel Hal Moore durch die Hölle. Bei den Vorbereitungen zu den Dreharbeiten in einem Trainingslager der US-Army, wurde "Bel Mel" auch ziemlich rangenommen. Mit Elisabeth Sereda sprach Mel Gibson über Krieg, Frieden und Pazifismus.

SKIP: Mussten Sie in ein Bootcamp?

Mel Gibson: Ja, aber in die Hollywoodversion davon! (lacht) Richtige Rangers dürfen nicht essen, nicht schlafen und müssen hartes, körperliches Training durchstehen. Wir hatten damit nichts zu tun. Wir bekamen drei Gourmet-Mahlzeiten pro Tag und konnten schlafen soviel wir wollten. Wir mussten zwar früh aufstehen, Liegestütze machen und 5 Meilen weit rennen. Wir mussten auch unsere Waffen putzen, lernen, sie zu feuern, durch den Schlamm kriechen und Konditionstraining machen. Anstatt 75 Tagen – wie das wahre Soldaten machen – dauerte unser Bootcamp nur 2 Wochen. Wir waren dabei auch nie vor Erschöpfung dem Tode nahe. Natürlich waren wir trotzdem komplett erledigt. Denn auch ein Bootcamp für Weichei-Stars ist keine Kleinigkeit. Ich war nicht besonders fit. Ich hob meinen 45-jährigen Arsch über Zäune und keuchte sehr schwer. Die Jüngeren hatten es leichter. Barry Pepper ist 28 und fit wie ein Stier. Aber Leute wie ich oder der arme alte Sam Elliott litten furchtbar. Er hatte einen Leistenbruch am Ende des Trainings. Nicht lustig, der Typ hatte Schmerzen.

SKIP: Wir waren Helden ist nicht der erste Film, in dem Sie einen Soldaten spielen. Haben Sie sich schon mal überlegt ob Sie auch in Wirklichkeit einen guten Soldaten abgeben würden?

Mel Gibson: Ja, denn ich werde oft gefragt, warum ich vier Kriegsfilme drehte. Mich fasziniert menschliches Verhalten in Kriegen. Denn in dieser höllischen Situation gibt es doch immer wieder eine Art von Menschlichkeit, die außergewöhnlich ist. Auf der einen Seite hast du die so genannten zivilisierten Menschen, die ihre niedrigsten, tierischen Instinkte brutal ausleben und auf der anderen Seite hast du die wahren Helden, die selbstlos Opfer bringen bis hin zum Verlust des eigenen Lebens. Das Zusammentreffen dieser gegensätzlichen, zutiefst menschlichen Eigenschaften fasziniert mich unendlich. Ich war nie im Krieg, daher kann ich es vermutlich nicht vollständig verstehen.

SKIP: In Der Patriot spielen Sie einen Soldaten, der zwar gewillt ist, für seine Überzeugung zu kämpfen, aber im Herzen Pazifist ist. Wie paßt das zusammen?

Mel Gibson: Soldaten, die in den Krieg ziehen, um nicht nur für ihre eigenen Ideale, sondern auch die der anderen zu kämpfen, sind durch und durch selbstlos. Sie sind bereit, ihr Leben für Dinge zu geben, die wir für selbstverständlich halten. Der einzige Grund, weswegen ich nie in den Krieg ziehen musste, ist, dass es andere für mich getan haben.

SKIP: Ist Ihr Vater nicht deswegen mit seiner Familie von Amerika nach Australien gezogen, um Ihnen der Vietnamkrieg zu ersparen?

Mel Gibson: Das stimmt nicht ganz. Mein Vater emigrierte nach Australien, weil in Amerika die wirtschaftliche Lage so schlecht war und er keinen Job mehr hatte, um elf Kinder zu ernähren. Seine Mutter war Australierin und man bot ihm einen guten Job an. Hey, wenn der Vietnamkrieg länger gedauert hätte, wäre ich trotzdem eingezogen worden.

SKIP: Wie denken Sie über den Vietnamkrieg? Gibt es Parallelen zu Afghanistan?

Mel Gibson: Ich versuche noch heute, mir Vietnam so gut es geht zu erklären. Denn wir wurden damals ja nicht gerade richtig informiert. Der Vietnamkrieg war ein Staatsgeheimnis. Vermutlich ist es auch besser, dass Informationen nicht weitergereicht werden wie eine Fünf-Dollar-Nutte, und dann womöglich in die falschen Hände fallen. Aber ich sehe keine Ähnlichkeiten zwischen den beiden Konflikten. War der Vietnamkrieg gerechtfertigt? Meiner Meinung nach absolut nicht. Aber ganz gleich was wir darüber denken, unschuldige Männer und Frauen mussten darunter leiden. Hal Moore (den ich in Wir waren Helden spiele) hatte damit Probleme. Hal Moores Message war: Hasse den Krieg aber liebe den Krieger!

SKIP: Sie selbst haben sechs Söhne. Was würden Sie tun, damit ihnen das Militär erspart bleibt?

Mel Gibson: Mein Vater ist ein Veteran des Zweiten Weltkriegs. Er kämpfte in der Schlacht um Guadalcanal. Und haßte es. Kein normaler Mensch mag eine Situation, wo er in die Hölle geschickt wird und vielleicht nie mehr zurückkommt. Nein, ich will nicht, dass meine Kinder diese Erfahrung machen. Wenn es passieren sollte, würde ich jede Sekunde Angst um sie haben. Krieg ist eine schreckliche Tatsache im Leben, die sich durch die Geschichte hindurch immer wiederholt wie ein grauenhafter, Boomerang-ähnlicher Alptraum, den man nicht los wird. Die menschliche Natur ist leider nicht bereit aus Fehlern zu lernen. Ich hoffe aber, dass Wir waren Helden als Anti-Kriegsfilm verstanden wird.

Interview: Februar 2002

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