Ein Sir schießt scharf

Interview mit Anthony Hopkins zu Bad Company

Sir Anthony Hopkins ist als Schauspieler ein alter Fuchs, im Action-Genre allerdings ein Neueinstieg. Im Exklusiv-Interview mit Elisabeth Sereda berichtet der adelige Brite in gewohnt launigem Ton über Freud & Leid eines Kino-Top-Agenten.

SKIP:Sie haben im Laufe Ihrer Karriere so ziemlich alle Genres ausprobiert – Bad Company allerdings ist ihr erster Action-Film, nicht wahr?

Anthony Hopkins: Es war aber nicht das Genre, das mich interessierte, sondern das Drehbuch. Ich suche nie nach speziellen Projekten, dazu bin ich viel zu faul. Ich warte darauf, was mir mein Agent schickt. Zum Glück habe ich einen sehr guten Agenten.

SKIP: Was gefiel denn dem so gut am Bad Company-Skript, dass er es Ihnen zu lesen gab?

Anthony Hopkin: Er wusste, dass ich – als Zuschauer – total auf Actionfilme stehe. Und ihm gefiel die ungewöhnliche Paarung mit Chris Rock. Ich selber stelle nicht zu viele Fragen, ich will nur wissen, wer im Film ist, wo er gedreht wird und wieviele freie Tage ich bekomme (lacht). Ich muss zugeben, ich sagte zu, ohne das Drehbuch fertiggelesen zu haben ...

SKIP: Joel Schumacher gehört zu den Regisseuren, die von Schauspielern heiß geliebt werden. Warum ist das so?

Anthony Hopkins: Er ist freundlich. Und er dreht nie zu viele Takes. Er weiß, was er will, und wenn er es im Kasten hat, dann verlangt er nicht von den Schauspielern "zur Sicherheit" noch 20 Takes. Er ist eine Ausnahme, denn viele Regisseure sind Monster. Ich sehe keinen Grund, warum ein Regisseur sich wie ein Monster aufführen muss. Ich drehte gerade Roter Drache, den dritten Hannibal-Lecter-Film, mit Brett Ratner. Der filmt zwar auch viele Takes, aber wenn man ihn fragt warum, dann hat er wenigstens eine sinnvolle Antwort. Außerdem ist er jung, erst 32.

SKIP: Was können Sie denn sonst über Roter Drache erzählen?

Anthony Hopkins: Dass er sehr gut ist. Der Trailer allein ist furchterregend. Die Arbeit machte Riesenspaß. Ich mochte meine Kollegen, besonders Edward Norton.

SKIP: Als klassisch ausgebildeter Schauspieler, der vom Theater kommt, arbeiteten Sie in Bad Company zum ersten Mal mit einem Stand-up-Komiker zusammen. Wie verstanden Sie sich mit Chris Rock?

Anthony Hopkins: Blendend. Ich improvisiere gern, daher ließen wir der Kreativität freien Lauf.

SKIP: Brachte er Sie zum Lachen?

Anthony Hopkins: Nein. Ich darf ja nicht lachen. Ich mußte ernst bleiben, während er seine Witze herausschoß.

SKIP: Sie geben seit kurzem in Santa Monica Schauspielunterricht – wie kam das?

Anthony Hopkins: Ein befreundeter Schauspiellehrer fragte mich, ob ich nicht mal vorbeischauen wollte. Und daraus ergab sich dann eine Art Unterricht jeden Samstag vormittag. Ich lasse die Schüler meist Szenen ihrer Wahl vorbereiten, die sie dann präsentieren. Und ich gebe meinen Senf dazu.

SKIP: Was genau lehren Sie die Schüler? Eine bestimmte Methode? Ihre Methode?

Anthony Hopkins: Ich habe keine Methode.

SKIP: Sie sagten mal, dass es Ihre Methode sei, das Drehbuch 100mal zu lesen, bis Sie den Part komplett verinnerlicht haben.

Anthony Hopkins: Sie sollten nicht alles glauben, was Sie lesen.

SKIP: (lacht) Stimmt. Aber in dem Fall haben Sie das in einem Interview mit mir gesagt!

Anthony Hopkins: (lacht) Nun, manchmal sage ich Dinge, die totaler Unsinn sind, um zu sehen, ob die Leute sie dann auch wirklich drucken.

SKIP: Welche Lügen verbreiten Sie denn noch bei Interviews?

Anthony Hopkins: Ich lüge meistens als Antwort auf dumme Fragen. In England fragte mich etwa ein Reporter, wie ich mich denn aufWas vom Tage übrig blieb vorbereitete, dass ich einen so brillanten Butler spielen konnte. Also erzählte ich ihm, ich sei selber mal Butler gewesen! (lacht) Was glauben die denn? Dass ich für den Part eine Butler-Schule besuchte?! Ich lernte, wie man Messer und Gabel richtig hinlegt, und dass Butler viel schweigen. Wenn jemand wissen will, wie ich Hannibal Lecter spiele, sage ich auch immer, ich verziehe das Gesicht, verstelle meine Stimme und schweige viel. Nur dumme junge Schauspieler überlegen sich irgendwelche Hintergründe und foltern sich mit der Beanwtortung von völlig überflüssigen Fragen – wie z. B. was der Typ, den sie spielen, denn wohl zum Frühstück hatte. Ich weiß das, weil ich als dummer junger Schauspieler genau dasselbe tat (lacht).

Interview: Mai 2002

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