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Interview mit Hugh Grant zu About a Boy oder: Der Tag der toten Ente

Obwohl Hugh Grant ein wirklich guter Schauspieler ist, nimmt man ihm die Rolle des Ekels einfach nicht ab. Ein Augenaufschlag genügt, und alles ist vergessen. Alle lieben Hugh, auch als oberflächlichen Junggesellen in About a Boy – und ganz besonders als charmantes Scherzkeks beim Exklusiv-Interview mit Elisabeth Sereda.

SKIP:In About a Boy sehen wir Sie von einer ganz neuen Seite: Sie liefern eine beeindruckende Performance von Roberta Flacks Killing Me Softly. Wie groß ist Ihr musikalisches Talent?

Hugh Grant: Es ist nicht existent, wie man in dieser Szene hoffentlich klar erkennen kann (lacht). Ich spiele ein einziges Instrument: den Kassettenrecorder. Und ich singe wie eine Hyäne. Das einzige Mal, als ich auf einer Bühne hätte singen sollen, baten mich die Produzenten schließlich, nicht wirklich zu singen, sondern nur die Lippen zu bewegen. Das war unglaublich traumatisch für mich (lacht).

SKIP: Sie wollten also nie wie die meisten Rockstar werden?

Hugh Grant: Absolut nicht! In meinem Leben ist keine Musik.

SKIP: Das klingt fast poetisch.

Hugh Grant: Es ist wirklich so. Ich besitze zwei CDs, eine davon ist eine Aufnahme des Hippie-Musicals Godspell, und den Titel der zweiten verrate ich nicht – das ist zu peinlich.

SKIP: Robert De Niro war einer der Produzenten von About a Boy ...

Hugh Grant: Ja, und er war genau so, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Ich hatte Lunch mit ihm in seinem Restaurant und versuchte Smalltalk zu machen. "Nun, Robert, wie ist das, wenn man außerhalb des Filmbiz auch noch andere Interessen hat, wie etwa dieses Restaurant?" Und er schaute mich lange nachdenklich an und meinte dann tiefsinnig: "Es ist nicht leicht ... Es ist nicht leicht .... Es ist nicht leicht. Hey, es ist nicht leicht." Schließlich fragte ich ihn: "Du meinst also, es ist schwierig?" Und er sagte: "Hey, es ist nicht leicht, es ist nicht leicht." (lacht)

SKIP: Und wie kamen Sie mit ihrem jugendlichen Filmpartner Nicholas Hoult aus About a Boy zurecht?

Hugh Grant: Oh, blendend. Die beiden Regisseure, die Weitz Brothers, und ich korrumpierten ihn auf jede erdenkliche Weise. Er begann den Film als unschuldiger Junge vom Land. Jetzt sind seine Hauptinteressen Trinken, Spielen, schnelle Autos und Frauen.

SKIP: Die Weitz Brothers sagen, dieser Film sei ihre persönliche Hommage an Billy Wilder. Sehen Sie das auch so?

Hugh Grant: Nein. Die beiden sangen mir die Ohren mit ihrer Billy-Wilder-Vision voll, bis ich beschloss, mir ein paar Wilder-Filme anzusehen um zu verstehen, was so großartig an ihnen ist. Aber ich kapiere es einfach nicht. Was mich vermutlich zu einem Ignoranten macht.

SKIP: Und wie! Was ist an Billy Wilder so unverständlich?

Hugh Grant: Nun, Das Apartment ist ein ganz guter Film, aber er langweilte mich trotzdem. Ich bin ein MTV-Trottel. Meine Aufmerksamkeitsspanne ist kurz. Das Apartment ist ziemlich lang.

SKIP: Als Will tun sie alles, um an attraktive Frauen ranzukommen. Wie sieht das in Ihrem Privatleben aus?

Hugh Grant: Ich würde auch alles tun. Mir ist kein Trick zu tief! Zum Beispiel hatte ich vor Jahren mal einen Freund, Mitte 30, der ständig vor einer Mädchenschule in meiner Nachbarschaft rumhing. Eines Tages überredete er mich, mitzugehen und die Mädchen zu beobachten, wenn sie aus der Schule kamen. "Bird-Watching" nannten wir das ... (lacht) Das war in meiner arbeitslosen Zeit, als mein Leben dem von Will ziemlich ähnlich war.

SKIP: Das war damals, wie ist das heute?

Hugh Grant: Heutzutage sind Rendezvous eine Kleinigkeit für mich. Es heißt, nichts wirkt so auf Frauen wie Reichtum und Ruhm – und ich kann das nur bestätigen. (lacht)

SKIP: Und was finden Sie an Frauen anziehend?

Hugh Grant: Die Persönlichkeit natürlich. Das Aussehen ist mir vollkommen egal. Nur die inneren Werte zählen (grinst).

SKIP: Sie sind also durch ihren Ruhm kein bisschen verdorben worden?

Hugh Grant: Oh doch, total. Ich veranstalte schlimmere Szenen als Barbra Streisand, wenn ich nicht sofort kriege, was ich will. Wenn das Schloss an meiner Trailer-Tür nicht funktioniert, habe ich einen Nervenzusammenbruch. Dabei hatte ich doch mal eine Persönlichkeit. Ich war mal ein Mensch. Was lief schief? Ich weiß es nicht (lacht).

SKIP: Wie war das, als Sie das allererste Mal vor einer Kamera standen?

Hugh Grant: Oh, damals agierte ich noch aus Überzeugung. Wir drehten einen unglaublich abgehobenen Studentenfilm, und ich war überzeugt davon, die Hauptdarstellerin ins Bett zu kriegen. Ihr Name war Victoria Stud und sie war der einzige Grund, warum ich den Film überhaupt machen wollte.

SKIP: In About a Boy gehen Sie höchst unbeholfen mit Babies um – sind Sie in Wirklichkeit geübter im Umgang mit Kindern?

Hugh Grant: Kleinkinder halte ich ziemlich genau vier Minuten aus. Danach werden sie zur Qual. Ich verstehe einfach nicht, warum alle Leute so ein Tamtam um sie machen. Ich habe Freunde - auch Männer - die total kirre werden, wenn sie ein Baby sehen. Ich bin da anders. Mich interessieren sie erst, wenn sie sprechen können.

SKIP: Wenn wir schon von Babies sprechen: Wie wird sich Liz Hurleys neue Rolle als Mutter auf die Arbeit Ihrer gemeinsamen Produktionsfirma Simian Films auswirken? Mit anderen Worten – werden Sie jetzt mehr tun müssen?

Hugh Grant: Nein, ich denke nicht. Ich meine, Liz ist die Art Frau, die das Baby in einem und den Telefonhörer im anderen Arm hält und Millionendeals mit Star-Producer Jerry Zucker macht, während sie den Kleinen stillt. Dieses Baby ist sicher mit fünf schon ein passabler Filmproduzent!

Interview: Mai 2002

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