Die Hand Gottes

Interview mit Bill Paxton zu Dämonisch

Ein religiöser Fanatiker im Blutrausch: Dämonisch ist nach Meinung von Kapazundern wie Sam Raimi, James Cameron und Stephen King einer der besten Horror-Thriller aller Zeiten. Neo-Regisseur Bill Paxton ist klarerweise auch schwer begeistert von seiner neuen Berufung, wie er Kurt Zechner in Venedig erklärte.

SKIP: Du warst schon Astronaut in Apollo 13, U-Boot-Kapitän in U-571, Schatzsucher in Titanic. Ist der Regie-Job jetzt auch sowas wie die Erfüllung eines Bubentraums?

Bill Paxton: Na ja, so weit vom Kapitän ist diese Arbeit nicht entfernt (lacht). Ein Regisseur muß Führungsqualitäten haben wie ein Schiffskapitän, er muß Autorität zeigen und gleichzeitig die Crew, von der er genau wissen sollte, was sie tun soll, so inspirieren, damit sie das auch tatsächlich macht.

SKIP: Wie kam es zu deinem Wechsel hinter die Kamera?

Bill Paxton: Ich bekam das Skript von : Dämonisch zufällig in die Hand und war völlig fasziniert. Ich wollte den Film unbedingt machen. Und da kam mir der Gedanke: Was wäre, wenn ich nicht nur mitspiele, sondern selbst Regie führen würde? Ich war ja eigentlich schon immer Filmemacher, schon bevor ich Schauspieler wurde. Ich habe irgendwann bei Roger Corman als Ausstatter angefangen und daraufhin auch in vielen anderen Bereichen hinter der Kamera gearbeitet. Erst später hab ich auch in ein paar von Cormans Filmen mitgespielt.

SKIP: Wie würdest du deinen Regie-Stil bezeichnen?

Bill Paxton: Ich bin ein Neo-Klassizist, ich liebe die altmodischen Formen. Und selbst wenn : Dämonisch nonlinear abläuft, tut er das in einer sehr klassischen Weise. Er versucht nicht in der Art, wie heute Filme von einer Zeitebene zur anderen springen, hip zu sein. Bei mir sind diese Wechsel sehr clean. Darauf steh ich. Wir haben überhaupt versucht, alles auf eine gewisse Einfachheit zu reduzieren. Die Story, die Charaktere, alles. Das Ergebnis hat zwar ein kommerzielles Potential, aber : Dämonisch ist sicher kein Streifen für jedermann.

SKIP: : Dämonisch beeindruckt auch mit einem sehr eigenen Look ...

Bill Paxton: Bill Butler hat die Kamera gemacht, der Mann, der Der weiße Hai gefilmt hat. Ein netter, älterer Kerl – und sicher auch nicht die hippste Wahl. Aber schließlich brauche ich niemanden, der mir sagt, wo ich die Kamera aufstellen soll. Das weiß ich selbst. Ich benötige jemanden, der schnell und genau arbeitet und gute Tricks im Ärmel hat.

SKIP: Was ist dein Ideal von einem Regisseur? Du hast als Schauspieler mit so vielen gearbeitet ...

Bill Paxton: Ein guter Regisseur muss all die großen Talente am Set vor einen einzigen Karren spannen können, sonst gibt´s nur Chaos. Geschmacklos gesagt ist Filmemachen tatsächlich wie in den Krieg ziehen. Jeder Tag ist ein Kampf: Du kämpfst mit dem Budget, dem Terminplan, dem Wetter – und du brauchst auch viel Glück, um einen Film tatsächlich fertigzustellen. Bei der Arbeit zu : Dämonisch war ich hauptsächlich damit beschäftigt, die ganzen Deals abzuschließen. Der Business-Teil hätte es fast geschafft, mich zu weit von der kreativen Arbeit wegzubringen. Ich war echt den ganzen Tag am Telefon. Mann, jeder Film, der überhaupt je ein Kino erreicht, ist eigentlich ein kleines Wunder. Allein das Verträge machen! In vielen Fällen ist das heute schon fast kreativer als das Filmemachen selbst (lacht).

Interview: September 2002

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