Lock ´n´ Roll

Interview mit Kenneth Branagh zu Harry Potter und die Kammer des Schreckens

Nach dem furiosen Abgang von Professor Quirrell ist Gilderoy Lockhart der neue Lehrer in "Verteidigung gegen die dunklen Künste". Gespielt wird der eitle Fatzke, der Hogwarts gefährlichsten Lehrstuhl innehat, von Kenneth Branagh, dem Mann, der Shakespeare nach Hollywood brachte.

SKIP: Wie würden Sie ihre Rolle in Hogwarts beschreiben?

Kenneth Branagh: Gilderoy Lockhart ist der neue Lehrer in "Verteidigung gegen die Dunklen Künste", ein ungemein erfolgreicher Zauberer, dessen Bücher in Hogwarts auch als Unterrichtsmaterial Verwendung finden. Lockhart ist ein extrem eitler Kerl, der von seinen weiblichen Schülern angehimmelt wird, was wiederum die Buben an der Schule äußerst irritiert. Er amüsiert und verwirrt uns. Man kann nicht sicher sagen, ober er zu den Guten oder zu den Bösen gehört. Aber eines steht fest: Für einen Mann ist dieser Lockhart schon ein sehr seltsamer Pfau.

SKIP: Wie kann man so eine Person zu einem echtem Charakter und nicht bloß zu einer Klischeefigur machen?

Kenneth Branagh: Ich musste mich nur an die Anweisungen von J.K. Rowling halten. Eigentlich steht alles im Buch. Es gibt Momente, wo man klar sieht, dass hinter seiner Maske ein sensibler Mensch steckt. Er ist eine Mischung aus massiven Ego und extremer Unsicherheit. Er benimmt sich wie ein arroganter Idiot, aber gleichzeitig ist er auch sehr verletzbar - und gerade diese Verletzbarkeit hält das Kinopublikum, aber auch die Kinder in Hogwarts auf seiner Seite.

SKIP: Wie ist Lockharts Verhältnis zu Harry Potter?

Kenneth Branagh: Lockhart ist ungewöhnlich publicitygeil. Sein enges Verhältnis zu Harry Potter bringt sein Gesicht aufs Titelblatt vom Tagespropheten, der Zeitung der Zauberer. Lockhart hat ein einfaches System: Er biedert sich an berühmte Zauberer an und gibt ihre Arbeiten als seine eigenen Erkenntnisse aus. Lockhart kennt keine Skrupel, wenn es um Ruhm und Erfolg geht. So gesehen ist die Bekanntschaft mit Harry Potter für ihn wie ein Jackpot im Lotto.

SKIP: Was halten die anderen Lehrer von ihm?

Kenneth Branagh: Anfangs genießt er einen großen Vertrauensvorschuß, immerhin hat er eine Reihe interessanter Bücher publiziert. Aber schon bald vermuten die meisten, dass es sich hier doch nur um einen Scharlatan handelt. Manche - wie Dumbledore oder McGonagall - amüsiert sein Verhalten, andere - wie Snape oder Filtch - sind in höchstem Maße irritiert.

SKIP: Was ist es für ein Gefühl, als neues Teammitglied auf eine derart eingespielte Crew zu stoßen?

Kenneth Branagh: Das war gar kein Problem. Am Set von Harry Potter und die Kammer des Schreckens herrschte eine unglaublich familiäre Atmosphäre, was bei Dreharbeiten dieser Größenordnung eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist. Auf der einen Seite wurde sehr konzentriert gearbeitet, auf der anderen Seite gab es regelmäßig Besuche von irgendwelchen Freunden, die unbedingt ihre Kinder an den Set bringen wollten. Die Stimmung war sehr entspannt, ich denke, das haben wir hauptsächlich Chris Columbus zu verdanken. Er hat den Bogen zwischen Gelassenheit und Aufregung perfekt gespannt.

SKIP: Waren Sie schon vor dem Film ein Fan von Harry Potter?

Kenneth Branagh: Unbedingt. Ich bewundere die Einfachheit, mit der J.K. Rowling diese extrem komplexe Welt beschreibt. Mich fasziniert die ungeheure Detailfreudigkeit ihres magischen Universums. Sie nimmt die Kinder ernst, für die sie schreibt. Es sind spannende Geschichten, die so ganz nebenbei auch brisante Themen wie Rasse, Politik und Macht ansprechen. Für mich sind ihre Bücher eine moderne Version der Arbeiten von Charles Dickens.

SKIP: Was unterscheidet Harry Potter und die Kammer des Schreckens vom ersten Potter-Film?

Kenneth Branagh: Der Ton der Geschichte ist dunkler. Deshalb ist es ja so wichtig, dass eine so extreme Figur wie Gilderoy Lockhart eine starke komische Energie in den Film bringt. Ich finde es auch interessant, wie die Kinder quasi vor den Augen des Publikums älter werden. Da die Dreharbeiten Rücken an Rücken stattfinden, verändern sie sich im Kino genauso wie sie sich im Buch verändern. Man bekommt wirklich das Gefühl, einen extrem ungewöhnlichen Film anzuschauen.

Interview: Oktober 2002

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