Shy Spy

Interview mit Owen Wilson zu I Spy

In der rasanten Action-Komödie I Spy legt sich Schüchti Owen Wilson verbal mit Box-Champ Eddie Murphy an – und gewinnt klar nach Punkten. Von seiner Schlagfertigkeit konnte sich Dina Maestrelli in Los Angeles persönlich überzeugen.

SKIP: Owen, nach Im Fadenkreuz – Allein gegen alle spielst du nun schon zum zweiten Mal einen Piloten …

Owen Wilson: Ja, aber das ist reiner Zufall. Die Rolle in I Spy habe ich aus einem ganz anderen Grund bekommen: Regisseurin Betty Thomas hat sich angeblich nur deshalb für mich entschieden, weil wir die gleiche Schuhgröße haben! (lacht) Sonst haben die beiden Rollen auch nicht viel gemeinsam. Im Fadenkreuz – Allein gegen alle war ein Kriegsfilm, außerdem durfte ich mich da nicht wie in I Spy an unsere wunderbare Filmpartnerin Famke Janssen heranmachen.

SKIP: Du sprichst die großartige Szene an, in der Eddie Murphy Marvin Gayes Bettlaken-Klassiker Sexual Healing interpretiert und du verzweifelt versuchst, es ihm gleich zu tun …

Owen Wilson: Als ich diese Szene im Drehbuch gelesen habe, sagte ich zu Betty, dass mich nichts auf der Welt dazu bringen würde, Sexual Healing zu singen – geschweige denn dazu zu tanzen! Ich glaube, dass sogar Eddie anfangs Bedenken hatte (lacht). An dem Song sind ja schon ganz andere Kaliber gescheitert. Es ist also nur Bettys außergewöhnlichen diplomatischen Fähigkeiten zu verdanken, dass wir diese Szene überhaupt drehen konnten. Aber dafür ist sie ziemlich gut geworden!

SKIP: I Spy basiert lose auf der gleichnamigen TV-Serie mit Bill Cosby und Robert Culp …

Owen Wilson: … die ich allerdings nie gesehen habe (lacht). Ich bin mit Miami Vice groß geworden. Aber viel mehr als den Titel – und der originellen Idee, einen Weißen und einen Schwarzen zusammen vor die Kamera zu stellen – hat der Film mit der Serie auch gar nichts gemeinsam. Dafür kam ich in den Drehpausen oft in den Genuss von Eddies wunderbaren, spontanen Bill-Cosby-Imitationen!

SKIP: Warum wurde der Titel I Spy dann überhaupt für den Film verwendet?

Owen Wilson: Wahrscheinlich, um mit diesem Trick die Leute ins Kino zu locken und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen (lacht). Allerdings ist dieser Plan wohl etwas widersinnig. Wer kann sich schon heute noch an I Spy, die Serie, erinnern?

SKIP: Superagenten wie James Bond oder Xander "xXx" Cage dürfen mit den tollsten Hightech-Gadgets herumspielen. Wie hat man euch auf diesem Gebiet ausgestattet?

Owen Wilson: Wir hatten schon einige coole Sachen auf Lager, etwa die Kontaktlinsen-Kamera. Aber uns ging es mehr um Spaß als um Technik, schließlich ist I Spy eine reinrassige Spionage-Komödie!

SKIP: Die Dreharbeiten zu I Spy haben euch auch nach Budapest geführt. Wie hat es dir dort gefallen?

Owen Wilson: Wunderbar. Es macht so viel mehr Spaß, irgendwo hin zu fahren und dort zu drehen als nur in einem langweiligen Studio. Und dann gleich in Europa … traumhaft! Außerdem konnten wir die ganzen schönen Plätze der Stadt im Film unterbringen. Wir waren etwa einen Monat lang in Budapest und haben uns so richtig auf die Stadt eingelassen. Wir durften praktisch überall drehen, was heutzutage nicht selbstverständlich ist – wahrscheinlich, weil der Bürgermeister von Budapest im Film mitspielen durfte. Ich fürchte aber, dass ihn Betty am Ende wieder rausgeschnitten hat (lacht). Zu dieser Zeit haben in Budapest auch keine anderen Dreharbeiten stattgefunden. Für Shanghai Knights mit Jackie Chan war ich dann anschließend in Prag. Dort treten sich mittlerweile die Filmteams gegenseitig auf die Füße, und man muss schon regelrecht aufpassen, nicht zu weit vom Set weg zu gehen – sonst spielt man plötzlich in einem ganz anderen Film mit!

SKIP: Was ist deine schönste Erinnerung an Budapest?

Owen Wilson: Das Gulasch. Der Regen. Die Insel mitten in der Donau, wo man so hervorragend joggen kann. Es ist einfach eine wunderschöne Stadt.

SKIP: Du hast nun mit so großartigen Comedy-Partnern wie Jackie Chan und Eddie Murphy zusammengearbeitet. Kannst du die beiden miteinander vergleichen?

Owen Wilson: Mit Jackie hab ich ja schon zwei Filme gedreht – erst Shang-High Noon und jetzt das Sequel Shanghai Knights. Er ist einfach großartig. Außerdem hat er mir die ganze Action abgenommen, während ich eher für die komischen Momente zuständig war. In I Spy wiederum war meine Rolle anfangs etwas ernster geplant, aber schließlich haben Eddie und ich versucht, ausgeglichener witzig zu agieren. Ich denke, das ist uns auch gelungen. Szenen wie die, wo Eddie und ich in der Kanalisation feststecken oder von einem fliegenden Ballon hängen, sind sehr komisch geworden. Allerdings wohl nicht immer ganz absichtlich. Als jemand Betty fragte, ob auf der zukünftigen DVD von I Spy herausgeschnittene Szenen zu sehen sein werden, meinte sie, dass sie alles im Film verwendet hat!

SKIP: Wie war die Arbeit mit Eddie Murphy? Kannst du uns etwas über ihn erzählen?

Owen Wilson: Ich war anfangs sehr nervös. Während meiner Jugend in Texas waren Eddies Filme wie Nur 48 Stunden oder Beverly Hills Cop das Größte für mich. Eddie war mein absoluter Held! Es hat also ein paar Tage gedauert, bis ich mich am Set mit ihm wirklich wohlfühlen konnte. Beim Improvisieren ist Eddie aber um vieles besser, und wenn Betty "Action" gerufen hat, musste ich mich ziemlich anstrengen, um mit ihm Schritt zu halten. Aber obwohl wir auf der Leinwand so unterschiedliche Charaktere darstellen – Eddie ist viel lauter und aggressiver als ich –, lagen wir abseits der Dreharbeiten auf einer Wellenlänge. Wir fanden dieselben Dinge lustig und konnten uns ständig gegenseitig zum Lachen bringen. Und ich hoffe, dass diese gelöste Stimmung auch im Film zu spüren ist.

Interview: Oktober 2002

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