Sprechstunde

Interview mit Barnaby Metschurat zu Anatomie 2

Diagnose: Paranoia. In Anatomie 2 tritt Barnaby Metschurat, Deutschlands vielleicht schönster Jungstar, Franka Potentes schweres Erbe im Kampf gegen die Antihippokraten an. SKIP-Chefredakteur Kurt Zechner traf den 28-jährigen Berliner zum anatomisch korrekten Exklusiv-Interview.

SKIP: Du spielst die Hauptrolle in der Fortsetzung eines der erfolgreichsten deutschen Filme der letzten Jahre. Wie lebt es sich mit so viel Verantwortung auf den Schultern?

Barnaby Metschurat: Mittlerweile ganz gut (lacht), denn ich bin sehr zufrieden mit dem Film. Während des Drehs brauchte ich aber mitunter schon starke Nerven. Ich musste mich wirklich drauf konzentrieren, nur mein Bestes zu geben und nicht daran zu denken, was da alles dranhing (lacht). Ständig versuchte ich, mir einzureden, dass mir niemand den Kopf abreißen würde, wenn´s schief gehen sollte – und dann wachte ich doch wieder mitten in der Nacht auf und dachte: "Was ist, wenn doch?"

SKIP: Was hat dich am meisten an der Hauptrolle in Anatomie 2 gereizt?

Barnaby Metschurat: Die Herausforderung. Das Thema. Ich stehe total auf Action-Filme, die Emotionen wirklich gut rüberbringen. Und dafür ist Anatomie ein extrem gutes Beispiel – und als ich das Script des 2. Teils sah, wusste ich gleich, das haut hin.

SKIP: Nachwuchs-Arzt Jo ist erst deine zweite große Kino-Hauptrolle, gerade warst du neben Moritz Bleibtreu in Solino zu sehen.

Barnaby Metschurat: Es war sehr interessant, zwei so unterschiedliche Figuren so relativ kurz hintereinander darzustellen. In Solino spiele ich einen jungen italienischen Einwanderer – einen Träumer, ein wenig versponnen. Mein Arzt in Anatomie 2 ist da schon bodenständiger. Ein Typ, der zuerst redet und dann denkt. Für mich eine sehr ungewöhnliche Praxis (lacht).

SKIP: Bei den Dreharbeiten zu Anatomie 2 wurdest du ja auch körperlich ziemlich gefordert ...

Barnaby Metschurat: Oh ja. Im Film geht´s ja um implantierte künstliche Muskeln, die den Trägern übermenschliche Kräfte verleihen. Das Problem dabei war, dass wir Schauspieler diese Superkräfte nun simulieren mussten! Ich bin zwar an sich recht sportlich, aber das war echte Knochenarbeit. Meine Filmfigur bekommt künstliche Wadenmuskeln implantiert, in einer Szene springe ich ein ganzes Stockwerk hoch. Ich hing zwar am Drahtseil, aber damit das echt aussah und ich nicht durch die Gegend flog wie in Tiger & Dragon, wurde ich nur anfangs ein wenig hochgezogen. Den Rest des Sprungs musste ich alleine bewerkstelligen. Das ging echt auf die Knochen – ich war voller Prellungen und blauer Flecken.

SKIP: Anatomie 2-Regisseur Stefan Ruzowitzky ist Österreicher. Gab´s am Set deutsch-österreichische "Sprachschwierigkeiten"?

Barnaby Metschurat: An sich haben wir uns super verstanden – aber es gab da schon ein paar kleinere Missverständnisse. Zu Kissen sagt Stefan "Polster", das war sehr verwirrend. Und einmal fragte er mich, ob ich schon "ausgedämpft" hätte. Ich war schwer verunsichert. Ist das irgendwas Österreichisches für "Ausdünstung"? Stank ich denn so?? Doch dann sagte Stefan: "Aber nein – den Tschik mein ich doch!" Und da dämmerte es mir. "Tschik", das heißt Zigarette. Das Wort kannte ich schon. Er wollte einfach wissen, ob ich meine Zigarette fertig geraucht hätte!

SKIP: Barnaby, du bist nicht nur im Kino und im TV zu sehen, sondern spielst auch viel Theater. Unlängst wars du in Regie-Ikone Peter Zadeks umjubelter Hamlet-Inszenierung zu sehen. Wie war es, mit ihm zu arbeiten? Er gilt ja nicht unbedingt als einfach.

Barnaby Metschurat: Nun ... wir haben drei Monate geprobt, und während der ganzen Zeit gab´s vielleicht fünf Regieanweisungen (lacht). Als ich zur ersten Probe kam, war ich voller Ideen: "Kann man das und das nicht so oder so machen?" Doch Peter Zadek sagte nur: "Mach du deinen Teil, lass die anderen ihren machen, und ich sehe hier unten zu, dass alles läuft!" Das Wichtigste war ihm, dass wir uns selber treu waren. "Du musst immer du selber sein. Wenn du Bauchschmerzen hast, kannst du ruhig auf der Bühne furzen – aber tu ja nicht so, als ob´s dir gut geht!" Bei ihm hat man als Schauspieler große Freiheit, solange man zu dem steht, was man tut. Daran musste ich mich auch erst mal gewöhnen (lacht). Aber bis jetzt ist es immer so gelaufen in meinem Leben: Ich hab mein Bestes gegeben, und das ist dann auch honoriert worden. Ich denk nicht viel drüber nach, was als nächstes kommt.

SKIP: Ich frage dich trotzdem: Was steht als Nächstes auf deinem Plan?

Barnaby Metschurat: Ich mach jetzt erst mal Pause und werde mich für ein paar Wochen nach Spanien absetzen. Dort lebe ich in einem Bus, der steht gerade an der andalusischen Küste, direkt an der portugiesischen Grenze.

SKIP: Du wohnst dort in einem Bus?

Barnaby Metschurat: Ja, ein alter Reisebus – Setra Kässbohrer Baujahr 1965. Während der letzten fünf Jahre hab ich ihn komplett restauriert und auch ein wenig umgebaut. Er ist voll fahrtüchtig und auch komplett bewohnbar: Da ist ein Schlafzimmer drin, eine Küche, ein Bad und sogar ein kleines Büro. Letzten Winter hab ich mir sogar eine Solaranlage draufgebaut. Und immer, wenn ich Zeit habe, fahr ich damit rum – und wo es mir gefällt, bleib ich einfach stehen.

Interview: Juni 2002

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