Who is Hugh in Hollywood

Interview mit Hugh Grant zu Ein Chef zum Verlieben

Hugh Grant wünscht sich, dass ihn jeder liebt. Taxifahrer, Hotelportier, Kellner und Kammerdiener, von Frauen ganz zu schweigen. Für diese Liebe gibt er jede Menge Geld aus. Laut Sandra Bullock ist er auch ein verdammt guter Küsser. Warum also findet dieser Mann keine Freundin? Elisabeth Sereda stellte die Fragen, die uns schon seit Miss Hurley auf der Zunge lagen.

SKIP:In Ein Chef zum Verlieben spielen Sie einen Mann, der sozial auf derselben Stufe steht wie Sie selbst: George Wade kann sich alles leisten, er genießt seinen Luxus und hat mehr Möglichkeiten als der Normalbürger. War es leicht, sich in diesen Menschen hinein zu versetzen?

Hugh Grant: Natürlich. George ist wie ich. Was mir am Luxusleben am besten gefällt, ist die Erfahrung, dass man sich Popularität erkaufen kann. Ich gebe unglaubliche Trinkgelder, nur damit mich alle Kellner, Hotelportiere und Taxifahrer lieben. Geld ist wirklich eine tolle Sache. Noch eine Ähnlichkeit mit George: Auch ich bin absolut vernarrt in meine Spielsachen. Wenn mir etwas gefällt, kaufe ich es sofort. In diesem Punkt bin ich ziemlich bemitleidenswert. Zuletzt habe ich mir dieses einigermaßen lächerliche Auto gekauft, einen Aston Martin, der zu nichts taugt, außer dass er klasse aussieht. Außerdem besitze in London in einem Umkreis von fünf Quadratkilometern circa 200 Häuser. Ich bin wirklich entsetzlich gierig.

SKIP: Die Wandlung vom Workaholic zum Shopaholic?

Hugh Grant: Ja, aber nur, was mich selbst betrifft. Wenn etwa ein Geburtstagsgeschenk für meinen Neffen ansteht, dann überlasse ich das gerne meiner Sekretärin.

SKIP: Und das funktioniert?

Hugh Grant: Quatsch. Die wird demnächst gefeuert. Offenbar hat mein Neffe heuer genau denselben Zauberkasten bekommen, den ich ihm schon letztes Jahr schenkte! Das war eine Katastrophe.

SKIP: Sandra Bullock sagte, dass sie die unreifste Person der Welt ist – mit Ausnahme von Hugh Grant! Und obwohl sie Sie als "professionellen Küsser" einstufte, weigerte sie sich, Ihnen das Attribut "bester Küsser" zu geben. Fällt Ihnen dazu etwas ein?

Hugh Grant: Interessant, interessant. Ich werde mir das auf jeden Fall notieren.

SKIP: Wollen Sie sich nicht rächen?

Hugh Grant: Wie denn? Wenn es um geistige Reife geht, sind wir beide absolut gleich. Obwohl man natürlich sagen muss, dass Sandy schizophren ist. Sie besteht aus zwei Personen, die mit aller Kraft miteinander kämpfen. Da ist einmal die amerikanische Sandy, die getriebene Hollywood-Produzentin, und dann gibt es die deutsche Sandy, ein geisteskrankes, sechsjähriges, wildes Kind. Und ich erkannte, dass ich – obwohl ich die amerikanische Sandy sehr bewundere – mich doch viel besser mit der deutschen Sandy verstehe. Apropos, hat Sie Ihnen die Geschichte mit den Eiswürfeln erzählt?

SKIP: Nein. Offenbar wollte Sie die schlüpfrigen Details lieber Ihnen überlassen.

Hugh Grant: Nun gut. Es gibt also diese Szene im Film, wo ich die roten Rüben von ihrem Salatteller esse, während sie die Eiswürfel aus meinem Wasserglas in ihres gibt. Jedesmal wenn sie einen Eiswürfel in ihr Glas fallen ließ, machte es dieses unanständige Plop-Geräusch. Ich meine, ich bin 42 Jahre alt. Ich bin wirklich weit davon entfernt, so ein Geräusch witzig zu finden, aber sie konnte sich gar nicht halten. Leider war ihre Heiterkeit ansteckend. Ein Take nach dem anderen wanderte in den Mistkübel, weil wir die Szene mit unserem infantilen Gekicher ruinierten. Man sollte meinen, wir wären zu reif für derartigen Toilettenhumor, aber offenbar war das nicht so. Diese Frau hat die dreckigste Fantasie, die man sich nur vorstellen kann. Kein schmutziger Witz ist ihr zu tief. Und außerdem hat sie ein völlig ungesundes Interesse am Sexualleben anderer Menschen. Ich weiß nicht, ob das daran liegt, dass sie selbst keines hat, aber ... sie war immer sehr daran interessiert, ob ich da unten eh ganz in Ordnung bin. Und sie füllte meinen Trailer mit Kondomen aller Arten und Sorten. Was Kondome betrifft, bin ich dank Sandy ausgerüstet bis an mein Lebensende.

SKIP: Vielleicht war das als Aufforderung zu verstehen. Ist sie denn eine gute Küsserin?

Hugh Grant: Ich war völlig schockiert, mit welcher Hingabe sie mich geküsst hat. Die meisten Schauspielerinnen halten sich da doch etwas mehr zurück! Die lassen sich etwas fürs richtige Leben übrig, aber sie küsste mich, als wäre sie nie zuvor geküsst worden! Ich scheue ein wenig davor zurück, das Wort "verzweifelt" zu verwenden, aber es ging mir durch den Kopf!

SKIP: Ich frage mich, was Sandy dann wohl meint, wenn sie Sie als "professionellen Küsser" bezeichnet?

Hugh Grant: Keine Ahnung. Vielleicht will sie damit sagen, dass ich für Geld küsse? Meine Managerin kann Ihnen die aktuelle Preisliste geben. Ich habe eine große Auswahl im Angebot, von einem kurzen Schmatzer bis zu einem tiefen, langen Zungenkuss.

SKIP: Wer war denn die beste Küsserin, mit der Sie es je auf der Leinwand zu tun hatten?

Hugh Grant: Tom Arnold ist ziemlich an der Spitze. Aber ich muss zugeben, ich habe es auch sehr genossen, die liebeshungrige Sandy zu küssen. Ich mag Frauen, die verzweifelt sind.

SKIP: Deren gibt es ja genug. Warum finden Sie da eigentlich keine Freundin?

Hugh Grant: Keine Ahnung. Wo ich doch reich und berühmt bin und mir die Liebe erkaufen kann. Mein Problem ist, dass ich mich sehr zu oberflächlichen Frauen hingezogen fühle. Aber die geben keine guten Partnerinnen ab. Und ich bin auch noch ungeheuer ungeduldig. Anstatt an einer Beziehung zu arbeiten, greife mir sofort das nächste hübsche Ding.

SKIP: Sehen Sie Miss Hurley noch regelmäßig?

Hugh Grant: Klar, wir haben ja immer noch unsere gemeinsame Produktionsfirma. Und sie wohnt in derselben Strasse wie ich. Wir bereiten gerade ein Projekt mit Jerry Zucker vor und demnächst vielleicht auch noch eins mit Cameron Crowe.

SKIP: Achten Sie darauf, trotz Ihrer vielen Komödien, nicht auf die "typische" Hugh Grant-Rolle festgelegt zu werden?

Hugh Grant: Ja, sicher. Aber ich weiß natürlich auch, dass man mich in einem wirklichen Drama entsetzlich langweilig finden würde. Dazu bin ich viel zu gewöhnlich. Da sollte man lieber Ralph Fiennes anrufen.

SKIP: Frustriert es Sie, dass Ihr Publikum Sie so sehr mit Ihren Rollen identifiziert, obwohl Ihre Filmfiguren meist oberflächliche Blender sind?

Hugh Grant: Nein, denn ich gehe davon aus, dass jeder weiß, dass ich ein extrem tiefsinniger, sensibler Mann bin und gar nicht so oberflächlich wie ich auf den ersten Blick wirke. Oder auch nicht? Vielleicht sollte ich mir Sorgen machen. Vielleicht brauche ich ja Hilfe...

Interview: Dezember 2002

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