Der Schulschwänzer

Interview mit Vince Vaughn zu Old School - Wir lassen absolut nichts anbrennen

Vom liebenden Dad zum eiskalten Killer: Vince Vaughn hat längst bewiesen, dass er universell einsetzbar ist. Alles nur eine Frage der Technik. Im College-Klamauk Old School macht er gekonnt den Campus unsicher, obwohl er vom realen Universitätsleben wenig Ahnung hat - wie er Elisabeth Sereda im Exklusiv-Interview gestand.

SKIP: In Old School spielst du einen Familienvater in den 30-ern, der plötzlich das College-Leben wieder entdeckt. Würde dir das im wirklichen Leben auch so viel Spaß machen?

Vince Vaughn: Ehrlich gesagt: ich weiß es nicht - ich war nie am College! Ich ging gleich nach der High School nach Hollywood, um Schauspieler zu werden. Ich hatte keinen blassen Schimmer vom Universitätsleben und von Studentenverbindungen. Ich denke aber, ich habe nichts versäumt, denn ich bezweifle, dass mir dieses Leben zugesagt hätte. Ich halte eher wenig von studentischen Kampfwohngemeinschaften mit 20 Mann pro Haus. Ich brauche meinen Freiraum.

SKIP: Allerdings scheinst dir das exzessive Party-Feiern, wie die drei Männer es im Film praktizieren, doch auch zuzusagen ...

Vince Vaughn: Du spielst wohl auf diesen Vorfall voriges Jahr an, als ich aus einer Bar rausgeworfen wurde, nicht wahr?

SKIP: "Rausgeworfen" ist wohl etwas untertrieben: Nach einem heftigen Gelage in einem Kaff in North Carolina bekamst du Lokalverbot - gleich in jeder einzelnen Bar der Stadt!

Vince Vaughn: Na ja, da habe ich wohl etwas übertrieben, das stimmt. Kommt aber nicht oft vor. Jeder hat mal einen Aussetzer. Normalerweise geht es einiges ruhiger zu, wenn ich mit meinen Freunden abhänge.

SKIP: Wie sieht ein typischer Abend inmitten deines Freundeskreises denn aus?

Vince Vaughn: Na ja, wir verbringen eigentlich die meiste Zeit damit, Videogames zu spielen. Wir sind ziemlich traurige Figuren, muss ich zugeben. Manchmal spielen wir auch Karten, das ist dann die große Abwechslung. Nicht sehr interessant, was? (lacht)

SKIP: Du und deine Co-Stars Luke Wilson und Will Ferrell sind alle über 30. Kannst du dich noch an deine wilden Zwanziger erinnern? Hast du dich stark verändert?

Vince Vaughn: Das Gute am Schauspielerberuf ist ja, dass man sich eine gewisse Kindlichkeit - um nicht zu sagen Unreife - bewahrt. Ich habe Freunde, die normale Jobs und mehr oder weniger immer dieselben Aufgaben haben, während ich mich - berufsbedingt - alle paar Monate total verändere, und dann wieder für ein paar Wochen überhaupt nichts zu tun habe. So habe ich sicherlich einen wichtigen Teil des Erwachsenwerdens verpasst. Als ich 30 wurde, fühlte ich mich zwar älter, aber nicht unbedingt reifer. Ich beginne erst langsam, mein Leben zu verändern. Ich schaue mehr Naturdokus und ich gehe ins Museum. Ich bin jetzt offen für Musikrichtungen, die mich früher nie interessierten, und habe die zurückgelassen, die ich nicht mehr hören kann. Ich werde geduldiger und genieße mehr.

SKIP: Im Film gibst du deinen Freunden ständig gute Ratschläge - wie ist das in Wirklichkeit?

Vince Vaughn: In Wirklichkeit habe ich längst begriffen, dass man dabei nur verlieren kann (lacht). Wenn etwa dein bester Freund sich von seinem Girl trennt und du ihn tröstest und ihm rätst, er soll sie vergessen, weil die Tante sowieso eine blöde Tussi war, dann ist er garantiert zwei Wochen später wieder mit ihr zusammen und redet nichts mehr mit dir. Die Leute müssen selbst aus Fehlern lernen. Gute Ratschläge sind wie ein Boomerang - sie kommen zurück und treffen dich mitten auf die Schnauze. Ich halte schon längst lieber die Klappe, wenn ein Freund einen Tipp will.

SKIP: In einer Szene aus Old School rennt Will Ferrell nackt durch die Stadt, in einer anderen bist du als Clown verkleidet. Was ist schlimmer anzusehen?

Vince Vaughn (lacht): Ich hatte hier das große Los gezogen, meiner Meinung nach. Keiner will mich nackt sehen, glaub mir! Obwohl - ich als Clown, das war auch schlimm. Als Kind habe ich mich vor Clowns immer gefürchtet. Und wenn ich mich mit Schminke und Perücke in diesem Film gesehen hätte, wäre ich sicher gestorben vor Angst.

SKIP: Die Chemie zwischen dir, Luke und Willl funktioniert extrem gut. Seid ihr auch privat gut befreundet?

Vince Vaughn: Vorher nicht - jetzt schon. Wir kannten einander nur oberflächlich. Will Ferrell traf ich, als ich mal zu Gast bei der Comedy-Show Saturday Night Live war, Luke kannte ich nur vom Sehen. Aber wir haben uns wirklich extrem gut verstanden. Die beiden sind unglaublich witzig. Ich glaube, wir hätten den Film in der Hälfte der Zeit drehen können, wenn ich nicht ständig eine Szene nach der anderen durch lautes Gelächter verpatzt hätte (lacht).

SKIP: Im Film sagst du deinem Sohn immer, er soll sich die Ohren zuhalten, wenn du Schimpfwörter gebrauchst. Wie hältst du das bei deinen eigenen Kindern?

Vince Vaughn: Ich bin kein Befürworter eines politisch korrekten Erziehungsstils, wenn du das meinst. Es hat keinen Sinn, wenn die Eltern übervorsichtig sind, was sie vor ihren Kindern sagen - denn oft lernen diese Kinder dann überhaupt nicht, wie sie sich in Gesellschaft verhalten sollen. Meine Eltern sprachen mit mir immer wie mit einem Erwachsenen. Ich hörte schon als kleiner Junge alles Mögliche. Mein Vater nahm mich auf die Rennbahn mit oder zum Gamblen. Ich musste sehr früh selbst lernen, Grenzen zu erkennen. Und das ist eine sehr wichtige Lektion. Als Vater oder Mutter soll man seinen Nachwuchs ja auf das Leben vorbereiten - und dazu gehören nicht nur Mathematik und Baseballregeln (lacht). Wir tun unseren Kindern nichts Gutes, wenn wir versuchen, sie vor allen schlechten Einflüssen zu beschützen. Das funktioniert ja sowieso nicht. Und dann erleiden sie einen echten Schock, wenn sie aus der Seifenblase des schützenden Heims in die wirkliche Welt hinausgehen.

Interview: Februar 2003

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