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Interview mit Steven Soderbergh zu Voll frontal

Voll frontal ist ein Film, der viele Fragen aufwirft. Einige davon beantwortete Steven Soderbergh exklusiv für Gini Brenner.

SKIP:Du hast Voll frontal gleich nach Ocean´s Eleven gedreht. Ein sehr heftiger Kontrast - schon allein was das Budget anbelangt.

Steven Soderbergh: Stimmt, Ocean´s Eleven kostete 82 Millionen, Voll frontal volle zwei ... (grinst). Die Abwechslung ist mir sehr wichtig. Wenn ich immer nur Big-Budget-Filme drehen würde - oder auch einen Kunstfilm nach dem anderen - wäre mir schnell fad. Ocean´s Eleven war eine Megaproduktion, ich hatte alle Möglichkeiten. Paradiesische Zustände. Aber es war die Art von Film, bei der das Resultat wichtiger ist als alles andere. Und so wollte ich unbedingt etwas nachwerfen, bei dem erst mal der künstlerische Prozess - und der Spaß am Arbeiten - im Mittelpunkt steht.

SKIP: Ein großer Teil von Voll frontal ist mit der Videokamera gedreht ...

Steven Soderbergh: Es ist unglaublich, was man damit alles tun kann. Wie einfach Filmemachen durch diese neuen Techniken wird. Wenn du nach dem fünften Take draufkommst, dass du das alles ganz anders haben willst - na dann drehst du´s einfach nochmal. Ohne großes Umbauen, ohne teuren Materialverlust. Ich darf gar nicht darüber nachdenken, wie viele der schlimmsten Schwierigkeiten meiner Anfangszeit sich mit so einer modernen Vidcam einfach in Luft aufgelöst hätten (lacht)! Ich stehe auch total auf den speziellen Look von Video-Material. Schon allein deshalb, weil es in den USA gemeinhin als "hässlich" abgetan wird.

SKIP: Voll frontal wurde in den USA mit sehr gemischten Reaktionen aufgenommen. Tun dir harsche Kritiken weh?

Steven Soderbergh: In diesem Fall nicht. Ich bin mir durchaus bewusst, dass Voll frontal ein Film ist, den man entweder liebt oder hasst. Wenn dir der Film nach den ersten 10 Minuten nicht gefällt, dann solltest du einfach gehen - denn es wird nicht besser (lacht). Die einzigen Kritiken, die ich echt nicht akzeptieren konnte, waren die, die sagten, ich in meiner Position dürfe solche Filme nicht mehr machen. Es steht jedem zu, seine Meinung abzugeben - aber niemand kann einem Künstler vorschreiben, was er tun darf und was nicht.

SKIP: Am Set von Voll frontal hast du einen Katalog von Regeln für die Schauspieler aufgestellt. Hast du dich da von den Dogma-Geboten inspirieren lassen?

Steven Soderbergh: Ein bisschen (grinst). Ich fand das Dogma-Konzept schon aus dem Grund hochinteressant, weil sie die Leute dazu anregten, wieder ernsthaft über Filme zu diskutieren. Aber vor allem reizte mich der Gimmick-Aspekt an der Sache. Im Mittelpunkt stand der Spaß.

SKIP: Hattest du keine Angst, dass die vielen Stars bei Voll frontal trotz der verschärften Drehbedingungen nur deshalb mitgemacht haben, um ihr Image aufzubürsten?

Steven Soderbergh: Ganz im Gegenteil: ich hoffe sogar, dass sie genau das taten. Das ist doch das beste Kompliment, das man einem Regisseur machen kann!

Interview: September 2002

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