Freiheit auf Rädern

Interview mit Nicolas Cage zu Nur noch 60 Sekunden

Warum der Hobby-Rennfahrer Nicolas Cage die Hauptrolle im Autoknacker-Thriller Nur noch 60 Sekunden übernahm, erzählte er Gottfried Distl beim Interview in Athen.

SKIP: Nic, der Memphis Raines, den du in Nur noch 60 Sekunden spielst, hat eine beinahe orgiastische Beziehung zu Autos. Und wie man hört, besitzt du selbst ja auch mehr als einen Wagen?

Nicolas Cage: ... (lacht) ... Also, so ein Auto-Erotiker wie dieser Memphis Raines bin ich nicht, ich gebe meinen Autos auch keine Mädchennamen ... (lacht) ... Aber es stimmt, dass ich viel für Autos übrig habe. Früher hatte ich eine riesige Sammlung, die habe ich inzwischen aber stark reduziert, weil mich andere Dinge inzwischen mehr beschäftigen.

SKIP: Was fasziniert dich so an Autos?

Nicolas Cage: Autos sind für mich das Symbol für Bewegung und Freiheit. Freiheit auf Rädern, um es klassisch zu formulieren. Viele Highlights meines Lebens haben sich in Autos abgespielt. Hinterm Lenkrad bist du du selbst, völlig frei und unabhängig. Außerdem ist ein schönes Auto für mich wie eine Skulptur, ein Kunstwerk auf Rädern, mit dem du fahren kannst. Das ist das faszinierende dabei. Und es ist dazu da, schnell zu sein, wie ein Pferd. Man fühlt sich wie ein Cowboy. Fahren vermittelt mir ein bestimmtes Lebensgefühl. On the road zu sein, das ist für mich, poetisch ausgedrückt, symbolisch einfach auch die Art, wie ich durchs Leben gehe.

SKIP: Wieviele Autos sind derzeit in deinem Besitz?

Nicolas Cage: Ich kann es nicht genau sagen, ich habe sie schon lange nicht mehr gezählt ... (lacht) ... Aber mein Lieblingswagen war mein Ferrari F40. Der vermittelte mir ein urtümliches Fahrgefühl. Er war wie ein Tier. Den musstest du fast zureiten. Aber wenn du ihn einmal unter Kontrolle hattest, dann war das Fahren eine "sweet experience", vor allem auf der Rennbahn. Diesen Ferrari habe ich aber verkauft. Dafür habe ich alte Bugattis behalten, die in meinen Augen echte Kunst-Skulpturen sind. Und an Lamborghinis schätze ich den Sound, den sie beim Fahren von sich geben. Lamborghinis klingen besser als alle anderen Automobile.

SKIP: Wie man hört, hast du die Renn-Stunts bei den Verfolgungsjagden selbst gemacht?

Nicolas Cage: Stimmt. Aber solche Film-Stunts machen lange nicht soviel Spaß wie das Fahren auf einer richtigen Rennstrecke. Beim Drehen wirst du bloss herumgeschüttelt und gerüttelt, das ist wirklich kein Vergnügen.

SKIP: Im Film brauchst du nicht mehr als 60 Sekunden, um ein Auto zu stehlen. Geht das in Wirklichkeit auch so schnell?

Nicolas Cage: Absolut. Wir hatten einen Profi-Autoknacker am Drehort, der hat uns alle Tricks verraten.

SKIP: Warum hast du die Haare in Nur noch 60 Sekunden eigentlich blond gefärbt?

Nicolas Cage: Ich hatte gerade Bringing Out The Dead abgedreht, einen sehr dunklen Film, in dem ich mit dunklen Haaren durch die Nacht irre. Und ich wollte für Nur noch 60 Sekunden einen neuen, hellen Look. Blond passt zu Memphis Raines, denn er ist ein "California Boy". Er kommt sogar aus derselben Gegend, in der ich aufwuchs, aus Long Beach. Ich wollte die dunklen Straßen von New York, die ich in Bringing Out The Dead durchstreifen musste, sichtbar hinter mir lassen. Memphis Raines sollte wie heller Weizen in der Sonne strahlen ... (lacht) ... Es war fast eine poetische Entscheidung, die ich gemeinsam mit dem Produzenten Jerry Bruckheimer traf und er fand die Idee auch gut, dass ich im Film allein schon durch mein Aussehen kalifornisches Feeling vermittle.

SKIP: Was für einen Eindruck hast du eigentlich von Angelina Jolie gewonnen?

Nicolas Cage: Dass sie sehr smart ist. Als wir Nur noch 60 Sekunden drehten, gab sie mir Tipps, wie ich die Rolle des Autodiebs anlegen sollte. Zuerst dachte ich, was soll das? Bis ich draufkam, dass mir ihre Ratschläge tatsächlich was brachten. Angelina wird noch lange ein Star bleiben.

Interview: Juni 2000

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