Kein Sex vor der Kamera!

Interview mit Christina Ricci zu The Gathering - Ich sehe das, was du nicht siehst

Was wir schon immer über Hollywood wissen wollten, aber uns noch nie zu fragen trauten: Beim Rendezvous mit Christina Ricci erfuhr Peter Krobath, warum Liebesszenen ein echter Stress sein können.

SKIP:Bei unserem letzten Gespräch hast du gesagt, dass du dein Image als Hollywoods Gothic Horror Girl ändern willst. Trotzdem bist du hier in Cannes schon wieder in einer düsteren Rolle zu sehen. Brian Gilberts The Gathering ist ein klassischer Gruselfilm.

Christina Ricci: Ja, aber ich bin die Gute.

SKIP: Gleichzeitig bist du aber auch 2000 Jahre alt und umgeben von Angst und Schrecken.

Christina Ricci: The Gathering ist eben ein Horrorfilm. Aber selbst wenn ich einen Liebesfilm mache, schreiben die Journalisten, dass es ein dunkler Liebesfilm ist. Und jede Komödie mit Christina Ricci wird sofort zur schwarzen Komödie. Wo Christina Ricci draufsteht, ist Dunkelheit drin - es ist echt schwer, diesem Vorurteil zu entkommen.

SKIP: Logisch. Immerhin warst du schon als Kind ein Kultstar.

Christina Ricci: Das glaube ich nicht. Als Kind war ich höchstens in der Branche bekannt, aber Star war ich keiner.

SKIP: Verzeihung, da bin ich anderer Meinung. Als Die Addams Familie ein weltweiter Hit wurde, warst du 11 Jahre alt.

Christina Ricci: Aber da war nur die Filmfigur berühmt. Wednesday Addams war ein Star, nicht Christina Ricci. Das ist ein großer Unterschied. Ich war höchstens in der Branche bekannt. Das kleine Mädchen mit der professionellen Einstellung.

SKIP: Trotzdem: Viele Kinderstars verlieren ihren Ruhm als Erwachsene - da muss man nur an Macaulay Culkin denken. Warum ist dir das nicht passiert?

Christina Ricci: Weil mich von Wednesday Addams bis heute kaum verändert habe. Ich bin 15 cm größer als damals, aber das ist auch schon alles. Dazu kommt, dass ich immer schon wie eine kleine Erwachsene gewirkt habe. Ich habe mich nie wie ein Kind benommen.

SKIP: In The Gathering gibt es eine hochromantische Liebesszene. Fällt es dir schwer, nackt vor der Kamera im Bett zu liegen?

Christina Ricci: So was macht kein Schauspieler gern. Und wenn doch, dann hat er ein Problem, über das er in der Öffentlichkeit nicht reden will. Die Liebesszene in The Gathering war okay, alles lief sehr entspannt ab. Aber trotzdem hatte ich ein seltsames Gefühl im Bauch. Ich liege nackt im Bett, spüre eine fremde Hand auf meiner Brust, höre wie der Kameramann sagt, dass ich meinen Po ein wenig nach links drehen soll - es ist schon ziemlich strange, was da abläuft. Außerdem: Wenn dir dein Partner nicht gefällt, ist es sowieso nur peinlich. Und wenn er dir gefällt, kann es noch viel peinlicher werden. Ich meine, was tust du, wenn der mitten in der Bettszene vor versammelter Mannschaft plötzlich Wirkung zeigt?

SKIP: Es gibt die berühmte Hollywood-Legende, wonach es Jack Nicholson und Jessica Lange in Wenn der Postmann zweimal klingelt wirklich getan haben. Glaubst du das?

Christina Ricci: Nein! Andrerseits, vielleicht doch. Solche Geschichten flüstert man sich in Hollywood an jeder Straßenecke ins Ohr. Das sind doch alles unglaubliche Tratschweiber. Mir hat auch schon einmal ein Kollege erzählt, dass seine Partnerin bei einer Liebesszene richtig zur Sache ging.

SKIP: Sehr interessant. Wer war denn das?

Christina Ricci: Sorry, aber wenn ich dir das jetzt verrate, kann ich mich in Hollywood nie mehr blicken lassen. Ich würde das jedenfalls nie tun. Sex vor 40 Leuten im Studio? Nichts für mich. Und stell dir vor: Du hast es wirklich getan, und dann sagt der Regisseur: Na ja, ganz schön, aber jetzt wischt ihr euch den Schweiß vom Gesicht und dann machen wir die Szene gleich noch einmal.

Interview: Mai 2002

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