Nic ärgere dich nicht

Interview mit Nicole Kidman zu Dogville

Die Würfel sind gefallen: Aus Lars von Triers filmischem Gesellschaftsspiel steigt Nicole Kidman als moralische Siegerin aus.

SKIP:Woher hast du den Mut genommen, um dich auf ein derart radikales Filmexperiment wie Dogville einzulassen?

Nicole Kidman: Ich dachte, das geht entweder gut oder nicht, aber auf jeden Fall wird es interessant. Außerdem hatte ich großes Vertrauen in das Genie von Lars von Trier. Er war von seinem Konzept überzeugt und ich war bereit, mich ihm auszuliefern.

SKIP: Also von Anfang an eitel Wonne?

Nicole Kidman: Von wegen. Lars hat ein bestimmtes Bild von mir und ich hatte ein bestimmtes Bild von ihm. Deshalb hat am Anfang erst einmal überhaupt nichts geklappt. Nach einer Woche unternahmen wir einen langen Spaziergang in einen tiefen Wald. Da haben wir uns stundenlang nur angeschrieen. Aber danach waren alle Missverständnisse geklärt, und wir konnten mit der Arbeit beginnen.

SKIP: In Dogville sind die meisten Dekorationen nur aufgezeichnet, aber die schwere Eisenkette, die du den halben Film lang um den Hals tragen musst, ist echt. Was hast du gedacht, als du dieses Folterinstrument zum ersten Mal sahst?

Nicole Kidman: Höflich ausgedrückt: Auch darüber gab es Diskussionen. Aber wenn man sich auf Lars von Trier einlässt, muss man eben zu gewissen Zugeständnissen bereit sein.

SKIP: Ist es wahr, dass du Lars um diese Rolle gebeten hast?

Nicole Kidman: Als ich Breaking the Waves gesehen habe, war ich so hingerissen, dass ich einem Journalisten auf die Frage, mit welchem Regisseur ich gerne arbeiten würde, Lars von Trier nannte. Er muss das wohl gehört oder gelesen haben, denn Jahre später schickte er mir das Skript zu Dogville.

SKIP: Stimmt es, dass du ernsthaft daran denkst, dich vom Schauspielen zurückzuziehen?

Nicole Kidman: Das ist zu grob gesagt. Aber ja, ich kann es mir schon vorstellen, nicht bis zum Rest meines Lebens Schauspielerin zu sein. Der Job ist doch sehr stressig, und ich möchte wieder mehr Zeit für meine Familie haben. Womöglich werde ich als Produzentin arbeiten, das hat schon einmal gut funktioniert.

SKIP: Irgendwelche Regiepläne?

Nicole Kidman: Nein. Als Regisseurin musst du jeden Tag tausende von Entscheidungen treffen. Und so was fällt mir unglaublich schwer. Ich kann mich nämlich nie entscheiden.

Interview: Mai 2003

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