Hip Hop Cop

Interview mit Will Smith zu Bad Boys II

Big Bad Willie Style. In Bad Boys II lässt Will Smith, privat längst braver Ehemann und Daddy, als hemmungslos großmäuliger Cop wieder ordentlich den Gangsta raushängen. Kurt Zechner traf den Bad Boy exklusiv in Miami.

SKIP:Will, als vor acht Jahren der erste Bad Boys-Teil in die Kinos kam, standest du am Anfang deiner Filmkarriere, mittlerweile bist du einer der bestbezahlten Hollywood-Schauspieler. Wie hat das deine Einstellung als Bad Boy verändert?

Will Smith: Ehrlich gesagt ist alles ein bisschen schwieriger geworden. Damals hatten wir ja nichts zu verlieren, und das ist eine ziemlich tolle Ausgangslage. Man kann alles sagen, tun oder lassen, ohne viel zu riskieren. Diesmal allerdings standen einige Karrieren auf dem Spiel (lacht).

SKIP: Auch dein eigenes Image hat sich völlig verändert: Du bist nicht mehr der "Fresh Prince", der jedem hübschen Mädchen hinterherjagt, sondern mittlerweile liebevoller Ehemann und Familienvater ...

Will Smith: Umso mehr Spaß hat´s gemacht, wieder als wilder Junggeselle Mike Lowrey im Ferrari die Straßen von Miami unsicher zu machen, das kann ich dir sagen! Mike ist ja sowas wie mein Alter Ego, mein ganz persönlicher Mr. Hyde, der tief in mir drinsteckt und nur darauf wartet, herausgelassen zu werden. Dr. Smith und Mr. Lowrey (kichert) ... Ich versuche ständig, ihn zurückzuhalten, denn er handelt mir nichts als Ärger und schlechte Presse ein (lacht). Aber besonders in gefühlsmäßigen Extremsituationen macht er sich selbständig - und dann nimm dich in Acht, Baby!

SKIP: Hättest du persönlich nicht auch gern einen Ferrari?

Will Smith: Ich steh eher auf große, schwere Wagen. Ich habe einen ganz dicken Mercedes-Jeep, der ist großartig - und es ist auch viel mehr Platz für die unbedingt notwendigen dicken Lautsprecher als in einem Zweisitzer.

Will Smith: Warum hast du dich als Rapper und HipHop-Fan eigentlich nicht am Bad Boys II-Soundtrack beteiligt?

Will Smith: Hauptsächlich aus Zeitmangel. Man kann sich nicht gleichzeitig aufs Set und ins Musikstudio stellen. Und außerdem waren bei unserem Soundtrack ohnehin die Experten am Werk: Von P-Diddy über Dr. Dre, Snoop Dogg bis zu Jay-Z sind ja alle dabei. Die Bad Boys sind ja die ultimativen HipHop-Cops: Ihre Energie, ihr Background, ihre Sprache sind 100% Gangsta-Style.

SKIP: Der Erfolg von Bad Boys hat in Hollywood einiges verändert. Damals war eine Cop-Comedy mit zwei Schwarzen in der Hauptrolle eine mehr als revolutionäre Idee.

Will Smith: Weißt du, in Hollywood geht´s einzig und allein um die Kohle. Dort kümmert sich keiner um Schwarz oder Weiß, das einzige, was zählt, ist Grün - Dollar-Grün. Wenn du beweisen kannst, dass du Kohle bringst, dann kannst du jeden Film machen, den du willst. Das einzige Problem ist, dass du erst mal eine Möglichkeit finden musst, zu beweisen, was du wert bist. Und Filme wie Bad Boys oder Rush Hour waren eben der Beweis, dass man sehr erfolgreiche Filme auch mit "nicht-weißen" Hauptdarstellern machen kann.

SKIP: Hättest du Bad Boys II eigentlich auch gemacht, wenn Michael Bay nicht Regie geführt hätte?

Will Smith: Naaah. Gerade bei Sequels finde ich es extrem wichtig, mit dem gleichen Team zu arbeiten. Schon allein wegen der Presse: Ihr Kerle mögt es nicht besonders, wenn die Player ausgewechselt werden. Gibt´s einen anderen Regisseur oder Hauptdarsteller als beim ersten Teil, ist das gleich die viel größere Story als der Film selber. Schau dir nur mal Matrix Reloaded an: Allzu viele Medien haben nur darüber geschrieben, dass Tank, der Typ auf dem Rebellenschiff, im zweiten Teil von seinem "Bruder" Link ersetzt wurde. Warum zum Teufel soll denn das eine Story sein?

SKIP: Apropos Matrix: Stimmt es, dass du deine Frau Jada Pinkett gebeten hast, dir eine Rolle in Matrix Reloaded zu beschaffen?

Will Smith: Nein, sie hat von Anfang an klar gemacht, dass das ihre Sache sei und ich mich gefälligst um meine eigenen Filme kümmern soll. Aber in Wirklichkeit ist das mit Matrix und mir ja eine längere Story ...

SKIP: Warum?

Will Smith: Vor vielen Jahren musste ich mich einmal zwischen zwei interessanten Rollenangeboten entscheiden: Ali oder Neo. Ich hab mich, wie du ja sicher weißt, dafür entschieden, Muhammad Ali zu spielen.

SKIP: Bereust du das heute?

Will Smith: Nicht wirklich. Aber was mir ehrlich Leid tut, ist, dass Ali nicht mehr Erfolg hatte. Wir haben sehr viel Geld und Herzblut in dieses Projekt gesteckt und hatten dann sehr viel Pech. Eine der Produktionsfirmen brach zusammen, der Vertrieb funktionierte nicht - Ali lief deshalb viel zu spät und in manchen Ländern überhaupt nicht an. Aber ich bin trotzdem sehr stolz auf diesen Film. Matrix allerdings hätte mit mir als Neo eine ganz andere Richtung genommen. Es wäre ein komplett anderer Film dabei herausgekommen, nicht so dunkel und düster. Ich hätte es nicht lassen können, überall meine dummen Witze hineinzubringen (lacht).

SKIP: Was ist eigentlich dran an der Geschichte, dass für Bad Boys II ein echtes Wohnhaus in die Luft gesprengt wurde?

Will Smith: Das ist wirklich wahr. Ein schwerreicher Typ hatte sich dieses Haus irgendwo in Del Rey, California, bauen lassen - und als es endlich fertig war, kam er drauf, dass es ihm gar nicht gefiel. Also setzte er eine Anzeige in eins dieser Hollywood-Branchenblätter: "Stelle 40-Millionen-Dollar-Villa zur völligen Zerstörung zur Verfügung!" Und wir zerstörten wirklich alles, eigentlich war das ja ziemlich traurig. Das war ja keine Kulisse, sondern bestens gearbeitet. Alleine bei der Inneneinrichtung ging sicher mindestens eine Million Dollar an Holzarbeiten drauf. An den Decken, an den Stiegen, überall waren handgeschnitzte Holzverzierungen. Und der Typ sagte nur: "Blast ruhig alles weg! In die Luft damit!" Das haben wir natürlich gerne für ihn erledigt.

Interview: Juli 2003

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