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Interview mit Sarah Polley zu Mein Leben ohne mich

Canadian dry. Gute Rollen sind ihr allemal lieber als gute Gagen, meint die junge Kanadierin Sarah Polley trocken, und zeigt Hollywood vornehm den Stinkefinger.

SKIP: Auch wenn´s dir an lukrativen Angeboten nicht mangelt – du entscheidest dich immer wieder für Rollen in kleineren Produktionen, wie etwa Michael Winterbottoms Das Reich und die Herrlichkeit oder jetzt Isabel Coixets Mein Leben ohne mich ...

Sarah Polley: Eine Hollywood-Karriere interessiert mich schlicht und einfach nicht. Man muss viel zu viele Kompromisse eingehen, sowohl was die Arbeit betrifft, als auch privat: Wenn man einmal dabei erwischt wird, wenn man was Falsches anhat oder gar was Falsches sagt, ist gleich die Katastrophe perfekt.

SKIP: Mit deiner Kompromisslosigkeit hast du´s ja sogar geschafft, bei Disney auf die Schwarze Liste zu kommen - und das im zarten Alter von elf Jahren ...

Sarah Polley: Ja, damals war ich Moderatorin beim Disney Channel. Ich hab immer schon ein recht ausgeprägtes politisches Bewusstsein gehabt, und als der Krieg in Kuwait begann, trug ich einen Peace-Button als Ausdruck meiner Überzeugung. Die Leute von Disney wollten, dass ich ihn abnehme, bevor ich auf Sendung ging. Ich hab mich geweigert - daraufhin haben sie mich rausgeworfen, und bis heute mit einer Art "Bannfluch" belegt (lacht).

SKIP: Mein Leben ohne mich beschäftigt sich auf eine ganz einzigartige Weise mit einem sehr schwierigen Thema ...

Sarah Polley: Das war´s auch, was mich an dem Projekt so fasziniert hat. Denn auch wenn sich die ganze Geschichte um den Tod dreht, geschieht das ganz ohne Trauer und Rührseligkeit. Mein Leben ohne mich ist ein sehr optimistischer Film.

SKIP: Normalerweise gilt die Auseinandersetzung mit dem Sterben als eins der ganz großen Film-Tabus.

Sarah Polley: Stimmt. Und ich glaube wirklich, dass hier eine Europäerin wie Isabel (Regisseurin Isabel Coixet, Anm. d. Red.) kommen musste, um das ein wenig aufzubrechen. In Nordamerika haben wir viel zu viel Angst, diese Dinge zu berühren.

SKIP: Wie viel von dir selbst steckt in der Rolle der Ann?

Sarah Polley: Es gibt sicher einige Ähnlichkeiten, die passieren aber eher unbewusst. Ich wäre aber gerne mehr so wie Ann - sie ist viel mutiger, stärker und smarter, als ich es je sein werde.

SKIP: Sarah, demnächst wirst du im Remake des Horror-Klassikers Dawn of the Dead vor der Kamera stehen. Bist du ein Fan des Originals?

Sarah Polley: Klar, sonst hätte ich nie zugesagt! Dieser Film ist eine kluge Satire auf die Konsumgesellschaft, verkleidet als total abgefahrener Zombie-Horror - ich freu mich schon sehr darauf. Es ist auf jeden Fall was ganz anderes als alles, was ich bisher gemacht habe.

Interview: Februar 2003

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