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Interview mit Charlize Theron zu The Italian Job - Jagd auf Millionen

The Italian Job - Jagd auf Millionen hat bislang über 150 Millionen Dollar eingespielt. Aber Zahlen kümmern Charlize Theron nicht - sie erkundet lieber die menschliche Natur. Interview von Klaus Hübner.

SKIP:The Italian Job - Jagd auf Millionen ist dein bis jetzt finanziell erfolgreichster Film. Überrascht dich das?

Charlize Theron: Ich weiß ehrlich gesagt von keinem meiner Filme, wieviel er eingespielt hat. Normaler-weise sind meine Arbeiten nicht so sehr für die Massen gedacht, und das passt mir bestens. Aber wenn dieser Film ein großer Box-Office Erfolg ist, finde ich das auch großartig. Ich bin froh, dass die Studios ihr investiertes Geld zurück und noch ein wenig dazu verdienen. Aber das ist nichts, was mich antreibt oder in meinen Entscheidungen beeinflusst.

SKIP: Der Erfolg wird dir in Hollywood doch sicher weiterhelfen.

Charlize Theron: Ich schätze ja. Ich wollte damit auch nur sagen, dass ich mich für so etwas Unkalkulierbares wie finanziellen Erfolg oder Publikumserfolg nicht bewusst entscheiden kann, das ist unmöglich, diese Dinge liegen in den Händen der Götter. Aber natürlich habe ich bei dem Prozess, zu beweisen, dass ich für den Job im Filmbiz geeignet bin, recht viel Glück gehabt.

SKIP: Ist dein nunmehriger Celebrity-Status ein Stück davon?

Charlize Theron: Nun, ich stamme von einem kleinen Bauernhof in Südafrika. Als Kind kannte ich weder Magazine noch Fernsehen. Ich hatte also lange Zeit keine Ahnung, wofür das Wort Celebrity eigentlich steht. Aber ich habe Filme schon immer geliebt, lange bevor ich Schauspielerin werden wollte. Meine Mutter hat mich jeden Freitag ins Autokino gefahren, wir haben uns einfach alles angesehen. Generell betrachte ich mich heute selbst nicht als große Berühmtheit, ich führe ein sehr ruhiges Leben und fahre in L. A. selten in die Stadt. Ich glaube, man kann dafür sorgen, dass man eine gewisse Form von Aufmerksamkeit gar nicht erst bekommt.

SKIP: Du hast einmal für Showgirls vorgesprochen. Bist du froh, dass dieser Kelch an dir vorüberging?

Charlize Theron: Ich weiß nicht. Damals hätte ich jeden Job angenommen. Ich habe in Children of the Corn 3 gespielt, als eines der Kinder, die schreiend und mit künstlichem Blut vollgespritzt im Kornfeld sterben. Danach habe ich meine Mutter angerufen, um ihr zu sagen, dass ich´s geschafft hab, und konnte die ganze Nacht vor Aufregung nicht schlafen. Man muss in Hollywood einfach sein Lehrgeld zahlen, anders geht´s nicht.

SKIP: In Monster, dem ersten Film deiner eigenen Produktionsfirma, spielst du die berüchtigte US-Serienkillerin Aileen Wuornos. Warum etwas so radikal anderes als deine bisherigen Arbeiten?

Charlize Theron: Das Drehbuch war wirklich überzeugend. Und ich fand das Bild, das die Medien von Aileen gezeichnet haben - Frau, Prostituierte, Serien-killer, Monster - als nicht der Realität entsprechend. Ich meine, was sie tat, war schrecklich, sie hat für ihre Fehler auch bezahlt, sie saß zwölf Jahre lang in der Todeszelle und wurde kurz, nachdem ich mich für die Rolle entschieden habe, exekutiert. Aber sie war eine Frau, die immer von allen nur missbraucht worden ist, wie ein streunender Hund, der permanent getreten wird. Ich kenne kein schlimmeres Beispiel für jemanden, der im Leben nur Pech gehabt hat. Also grundsätzlich ist es die menschliche Natur, die mich interessiert - wie wir funktionieren, wozu Menschen unter gewissen Umständen fähig sind.

SKIP: Du bist als Aileen Wuornos kaum wiederzuerkennen. Ist es beängstigend, sich so verändert im Spiegel zu sehen?

Charlize Theron: Die Zähne waren echt schlimm, das Augen-Make-up und die dunklen Kontaktlinsen auch - das war schon zum Fürchten. Ich finde, dass die Augen wirklich das Fenster zur Seele sind. Aileens Augen waren sehr dunkel, fast völlig schwarz.

SKIP: Du hast für die Rolle 20 Kilo zugenommen …

Charlize Theron: Aileen war immer eher kräftig. Ich tendiere zu einem athletischen Look, und ich wollte nicht, dass das im Weg steht, wenn ich eine Frau spiele, die auf der Straße gelebt und mit 13 ein Baby bekommen hat. Aileen war die meiste Zeit ihres Lebens Prostituierte und dabei zu allem bereit, aber sie hat nie ihr Oberteil ausgezogen. Sie muss sich in ihrem Körper sehr unwohl gefühlt haben.

SKIP: Ist Monster nicht eigentlich eine Liebesgeschichte?

Charlize Theron: Verrückterweise ja. Aileen hatte eine Geliebte und einzig wirkliche Freundin, die im Film auf sehr mutige Weise von Christina Ricci dargestellt wird, die für mich die beste Schauspielerin ist, die es zur Zeit gibt. Übrigens hat sie inMonster keine Nacktszenen - die Zitate im Internet sind falsch.

Interview: September 2003

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