Die nackte Wahrheit

Interview mit Monica Bellucci zu Irreversibel

Von der Comic-Heldin zur Schockerbraut: Gerade noch als Asterix´ Cleopatra unterwegs, lieferte Traumfrau Monica Bellucci mit ihrer Albtraum-Rolle als Vergewaltigungsopfer den definitiven Cannes-Skandal 2002. Und wenn es nach Regisseur Noé gegangen wäre, hätte man noch ganz andere Dinge von der schönen Monica gesehen. Exklusive Interview-Einblicke gab´s hingegen für Kurt Zechner.

SKIP: War die Rolle als Vergewaltigungsopfer in Gaspar Noés Irreversibel die bisher schwierigste deiner Karriere?

Monica Bellucci: Ich denke schon, ja. Es war sehr hart, aber gleichzeitig auch sehr aufregend. Ich wollte ja schon lange mit Gaspar Noé arbeiten. Es war mir völlig bewusst, dass er einen, nun ja, sehr speziellen Standpunkt vertritt und sehr provokante Visionen hat. Aber ich wollte ein Teil seiner Vision sein.

SKIP: Stimmt es, dass Gaspar Noé ursprünglich vorhatte, eine Art Pornofilm mit dir und deinem Mann Vincent Cassell zu drehen?

Monica Bellucci: Na ja, er wollte zunächst so etwas Ähnliches wie Im Reich der Sinne versuchen. Das ist zwar ein wunderschöner Film, aber dort sieht man doch explizite Sexszenen. Ich war ich mir nicht sicher, ob ich so weit gehen wollte.

SKIP: Aber du hast ernsthaft darüber nachgedacht?

Monica Bellucci: Ja, weil ich eben unbedingt mit Gaspar einen Film machen wollte. Also habe ich zu Vincent gesagt: Bevor ich einfach absage, möchte ich wenigstens mit dem Mann reden. Und was mir wirklich sehr imponierte, war, dass er nicht zu Kompromissen bereit war. Er sagte: "Ok, wenn du das nicht machen willst, fein. Ich ändere mein Skript nicht. Dann mache ich mit euch eben eine andere Geschichte."

SKIP: War Vincent eigentlich am Set dabei, als die schockierende Vergewaltigungsszene gedreht wurde?

Monica Bellucci: Vincent hat zwar angeboten, zu kommen und zu helfen, aber ich wollte ihn nicht dabei haben. Ich glaube, es wäre für ihn schwieriger gewesen, als es für mich war. Und noch schwieriger wäre es dann wohl für Jo Prestia geworden, der meinen Peiniger spielt. Um sich abzulenken, ist Vincent währenddessen jedenfalls eine Woche Surfen gegangen.

SKIP: Und wie ging es ihm, als er den fertigen Film sah?

Monica Bellucci: Seine Reaktion war wirklich schön. Er war ziemlich außer sich, als ich da mit dem zusammengeschlagenen Gesicht auf der Bahre lag.

SKIP: Du hast das Image der quasi unberührbahren, märchenhaften Schönheit. Ist dieser Film bis zu einem gewissen Grad der Versuch, dieses Image loszuwerden?

Monica Bellucci: An diesem Image bin ich sicher auch etwas mitschuld. Ich bin nur deshalb Schauspielerin geworden, weil ich als Kind schon für die großen italienischen Film-Diven wie Sophia Loren, Gini Lollobrigida, Monica Vitti, etc. geschwärmt habe. Deshalb habe ich ja auch einen Film wie Der Zauber von Malèna gemacht. Aber jetzt muss ich einen Schritt nach vorne wagen und etwas ganz Anderes versuchen.

SKIP: Hast du keine Angst vor der Reaktion des Publikums?

Monica Bellucci: Nein, denn Sie werden bald Matrix Reloaded sehen, und da wird mit mir alles wieder so wie früher sein (lacht). Nein, das Beste für eine Schauspielerin ist es, die Möglichkeit zu haben, so viel wie möglich auszuprobieren.

SKIP: Du kommst jetzt gerade aus Hawaii, wo du mit Bruce Willis Tränen der Sonne drehst ...

Monica Bellucci: Ich spiele eine Ärztin auf humanitärer Mission. Ich wollte unbedingt einmal mit Bruce Willis drehen - er ist nicht nur hauptberuflich Filmstar, sondern auch ein toller Schauspieler, der immer wieder Neues ausprobiert. Aber in erster Linie wollte ich mit Regisseur Antoine Fuqua arbeiten, weil ich Training Day so großartig fand. Das Wichtigste an einem Filmprojekt ist für mich der Regisseur. Deshalb habe ich auch bei Matrix Reloaded mitgemacht, weil ich die Wachowski-Brüder sehr schätze.

Interview: Mai 2002

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