Das teuerste Lächeln der Welt

Interview mit Julia Roberts zu Mona Lisas Lächeln

Manche würden alles tun, um die Frau ihrer Träume lächeln zu sehen. Julia Roberts lässt sich ihr berühmtes Grinsen mittlerweile mit 25 Millionen Dollar vergüten - Gini Brenner allerdings bekam es gratis, und dazu noch ein Exklusiv-Interview mit der Queen of Hollywood.

SKIP:Julia, in Mona Lisas Lächeln spielst du eine fortschrittliche Lehrerin an einem Elite-Mädchen-College, wo trotz aller Bildung der Erfolg einer Frau immer noch daran gemessen wird, wie gut sie sich verheiratet. Dein eigenes Leben ist die perfekte Antithese dazu, du hast alles, was du erreicht hast, selber geschafft. Hattest du jemals das Gefühl, für deine Karriere irgendetwas geopfert zu haben?

Julia Roberts: Nein.

SKIP: Hat sich für uns Frauen wirklich etwas geändert? Wir studieren, arbeiten, und doch sind Sachen wie ein Verlobungsring für viele von uns nach wie vor fürchterlich wichtig.

Julia Roberts: Warum denn auch nicht? Soll uns das alles egal sein? Muss, wenn eins wichtig wird, das andere automatisch an Wichtigkeit verlieren?

SKIP: Dennoch – nicht selten wird eine Frau schief angeschaut, wenn sie mit 35 noch nicht verheiratet ist.

Julia Roberts: Na, da hab ich ja grad´ noch mal Glück gehabt – ich hab´s noch mit 34 geschafft (lacht).

SKIP: Auch heute noch ist es für Frauen schwieriger ist als für Männer, eine erfolgreiche Karriere und ein erfolgreiches Privatleben unter einen Hut zu bringen. Wie siehst du das?

Julia Roberts: Wenn man sich mit diesem Film beschäftigt, kommen natürlich viele grundsätzliche Fragen auf. Aber ich kann hier auf keinen Fall für alle Frauen sprechen, das steht mir nicht zu. Ich sehe die Kämpfe, die Frauen bis heute ausgefochten haben, und auch meine eigenen, die im Vergleich dazu wirklich lächerlich wirken. Für mich in meiner persönlichen Erfahrung kamen viele gute Dinge zur richtigen Zeit. Ich habe zu einer Zeit geheiratet, wo meine Karriere an einem Punkt angelangt ist, dass ich beides sehr entspannt angehen kann. Für mich lassen sich Ehe und Beruf nun sehr einfach vereinbaren, aber ich habe wirklich viel Glück gehabt.

SKIP: Julia Stiles, die deine Schülerin spielt, erzählte mir, dass ihr nicht nur die Tatsache imponiert, dass du so viel Macht im Filmbiz hast, sondern auch, dass du diese Macht so gut einzusetzen weißt. Ist das eine natürliche Fähigkeit von dir?

Julia Roberts: Ich weiß gar nicht, ob Macht in diesem Zusammenhang wirklich das richtige Wort ist. Ich denke, Julia hat sich eher darauf bezogen, dass ich weiß, wie man am Set zu einem wirklich guten Cappuccino kommt (grinst).

SKIP: War das schwierig zu lernen?

Julia Roberts: Und wie (lacht). Aber im Ernst: Das Schwierige an meiner Position ist ja weniger das, was ich tue, sondern wie meine Umwelt damit umgeht. Ich bin im Grunde noch immer dieselbe Person, die ich mit 18 war. Nur die Einstellung meiner Umgebung hat sich total geändert. Und damit umgehen zu lernen, war nicht immer einfach – aber oft auch eine sehr interessante Herausforderung.

SKIP: Julia, wenn du jetzt 20 Jahre alt wärst, welche von deinen Schülerinnen aus Mona Lisas Lächeln würdest du gern spielen wollen?

Julia Roberts: Wenn ich 20 wäre ... meine Güte (lacht), wenn ich jetzt nochmal 20 wäre, würde ich sehr viele ganz ganz andere Dinge machen wollen!

SKIP: In diesem Film spielst du erstmals die "mütterliche" Rolle. Wieso bist du, der Superstar, so großzügig und teilst deinen Platz in der ersten Reihe mit so vielen schönen und talentierten jungen Kolleginnen?

Julia Roberts: Ich habe immer gerne in der Gruppe gearbeitet – und Ensemble-Filme wie Pizza, Pizza oder Magnolien aus Stahl waren meine ersten großen Erfolge. Es macht so viel mehr Spaß, wenn man sich gegenseitig unterstützen kann und nicht der ganze Druck auf einer einzigen Person lastet. Also ist das keineswegs großzügig, sondern vielmehr clever. Ja ja, auch ich werde alt und weise (lacht).

SKIP: Noch dazu bist du wohl an einem Punkt deiner Karriere, wo du niemandem mehr etwas beweisen musst ...

Julia Roberts: Nun, ich weiß nicht, ob ich gar nichts mehr zu beweisen habe – aber sicherlich nicht das, was die Leute von mir erwarten.

SKIP: Einer der Produzenten erzählte uns, dass du einer der wenigen Filmstars bist, die wirklich mit beiden Beinen auf der Erde stehen. Das geht soweit, dass du dich angeblich sogar weigerst, eine Putzfrau zu beschäftigen.

Julia Roberts: (lacht) Ich weigere mich nicht, ich brauch´ einfach keine.

SKIP: Du putzt dein Apartment selber?

Julia Roberts: Das ist wirklich keine so große Affäre, finde ich. Nur wenn ich länger weg bin, kommt schon oft ziemlich viel Staub zusammen.

Interview: Dezember 2003

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