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Interview mit Robert Downey Jr. zu Gothika

Alk, Drugs, tolle Rollen: Robert Downey Jr.s Karriere scheint aus einer ständigen Reihe von Erfolgen und Abstürzen zu bestehen. Kurt Zechner traf den charismatischen Schauspieler erstaunlich stabil nach seiner coolen Performance als Halle Berrys Psychiater in Gothika.

SKIP: Dr. Graham, den Sie in Gothika spielen, ist die "normalste" Figur im Film. Sie selber haben sich allerdings mit Ausfällen und Drogenexzessen mittlerweile einen ziemlich schlimmen Ruf erarbeitet - wie fühlt man ich als enfant terrible von Hollywood?

Robert Downey Jr.: Ach, wenn man meine ganzen Jugendsünden weglässt, dann bin ich doch ein ganz normaler Typ. Fragen Sie meine Freundin (die Gothika-Produzentin Susan Levin, Anm.). In Wirklichkeit bin ich ein biederer Stubenhocker, der gern zuhaus herumsitzt, im Fernsehen am liebsten Geschichte-Dokus sieht und jeden Tag ins Fitnessstudio geht. Ich musste hart daran arbeiten, als derartig crazy zu gelten (lacht).

SKIP: Werden Sie sich Gothika gemeinsam mit ihrem Sohn (Indio, 10, Anm.) ansehen?

Robert Downey Jr.: Es gibt eine große Downey-Tradition, sich mit den Kids alle Filme anzusehen, die Sie gerade sehen wollen. Wenn sie dann einen Schaden davon kriegen - bitte, wozu gibt´s denn Therapeuten? (lacht) Nein, ich bin sehr verantwortungsbewusst in dieser Hinsicht. Allerdings finde ich rohe Gewalt in Filmen viel schädlicher als Sachen wie nackte Haut oder ein bisschen Grusel.

SKIP: Sie haben raue Zeiten hinter sich. Ist es schwer, am Boden zu bleiben, wenn man ein Star ist?

Robert Downey Jr.: Nun, gestern war man noch ein normaler Mensch mit all den Schwächen und Ängsten. Und dann trifft dich dieses Ding names Ruhm, und plötzlich heißt es "Vergiss, was du warst, du bist jetzt "larger than life"!" Das ist ein ganz schreckliches Spiel. Ein Trick - die wahre Matrix. Die ist hier in Hollywood. Man muss wirklich gut Kung fu können, wenn man da gewinnen will - und mit gewinnen, meine ich, irgendeinen Hauch von Normalität oder Ehre zu retten. Ich bin sehr traurig über manche Dinge, die ich in meiner Vergangenheit gemacht habe. Aber ich wäre noch trauriger, wenn ich jetzt denken würde: "Mann, bin ich froh wenn das Interview hier aus ist, damit ich endlich eine Tüte Koks kaufen kann." Das ist so lächerlich. Wir haben die selben Möglichkeiten, dieselben Gefühle wie alle anderen Menschen auch. Kein Grund, einen auf dramatisch zu machen: "Oh, ich muss mich betäuben!" Bin ich Jean Harlow oder was? Nein, nur der gute alte Robert. (lacht)

SKIP: Genießen Sie den Erfolg, den sie jetzt haben?

Robert Downey Jr.: Sicher. Aber auch eine Hollywood-Karriere ist wie eine Medizin. Und jede Medizin hat ihre Nebenwirkung. Die Medizin, die ich z. B. früher benutzte, hatte schlimme Nebenwirkungen: man endet im Gefängnis. Die Nebenwirkung der Medizin Hollywood-Karriere ist, dass man viel arbeiten muss und sehr wenig Freizeit hast. So ist das ja jetzt auch für Sie: Es ist Sonntag mittag, und wir sitzen hier und arbeiten. Und für beide von uns gäbe es Familie oder Freunde, die vielleicht auf einen warten. Aber das ist nun mal der Deal.

Interview: November 2003

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