Halle in der Hölle

Interview mit Halle Berry zu Gothika

Die schöne Oscar-Preisträgerin Halle Berry hat´s nicht leicht: Krisen im Privatleben, Verletzungen am Set, und in Gothika wird sie von gewalttätigen Geistern fast in den Wahnsinn getrieben. Entspannung gab´s beim Exklusiv-Interview mit Kurt Zechner in L. A.

SKIP: Halle, Sie geben offenbar bei jeder Rolle vollen Körpereinsatz - bei James Bond wurden Sie am Auge verletzt, beim Dreh von Gothika haben Sie sich sogar das Handgelenk gebrochen.

Halle Berry: Es ging alles ganz schnell: Robert Downey Jr. packte mich am Arm, ich machte eine falsche Bewegung, und auf einmal hatte ich schreckliche Schmerzen. Das erste, was ich dachte war: Oh, jetzt werden sie für Catwoman wohl jemand anderen nehmen müssen! (lacht). Die Dreharbeiten davon haben ja sofort nach Gothika begonnen. Gott sei Dank war aber wenige Wochen später wieder alles verheilt. (Ende Jänner musste Halle aber erneut ins Krankenhaus, diesmal wegen einer Kopfverletzung, die sie sich am Set von Catwoman zugezogen hatte, Anm.)

SKIP: Werden Sie Action-Szenen in Zukunft bedachter angehen?

Halle Berry: Nun, inzwischen denke ich, dass es Sachen gibt, die Stunt-Doubles einfach besser können (lacht). Aber prinzipiell mag ich es gern, wenn sich was bewegt. Bei Gothika war mir aber zunächst gar nicht bewußt, wie körperlich anstrengend das werden würde.

SKIP: Womit entspannen Sie sich eigentlich vom Drehstress?

Halle Berry: Durch Meditieren oder Lesen. Und vor allem natürlich mit meiner Adoptivtochter India (die Tochter von Halles Ex-Mann Eric Benet, Anm.). Mit ihr Zeit zu verbringen ist wundervoll, sie ist so herrlich unbekümmert. Das hilft mir auch bei meiner Arbeit. Einfach draufloslachen zu können, mal richtig blöd zu sein, einfach alles zu sagen, was einem gerade einfällt.

SKIP: Wie schützen Sie India eigentlich vor dem enormen Interesse an Ihrer Person und allem, was damit zusammenhängt?

Halle Berry: Verstecken kann ich sie nicht. Also versuche ich, ihr zu helfen, diese Realtität zu akzeptieren. Ich finde, man tut Kindern nichts Gutes, wenn man sie von der Wahrheit fern hält. Eines Tages finden sie sie raus, und machen dir dann berechtigte Vorwürfe, warum du sie nicht besser vorbereitet hast.

SKIP: Wenn einem Menschen schlimme Dinge widerfahren, dann erfahren das meistens nur die engsten Freunde. Wie gehen Sie selber damit um, dass in Ihrem Fall all das via Medien von Millionen Menschen wahrgenommen wird?

Halle Berry: Ich hab mich nach zehn Jahren schon ziemlich daran gewöhnt. Ich weiß, was ich davon halten soll, ich weiß, dass das, was die Boulevardpresse über mich zusammendichtet, nicht wirklich wichtig ist.

SKIP: In Gothika spielen Sie eine erfahrene Psychologin. Wie intensiv bereiteten Sie sich auf diese Rolle vor?

Halle Berry: Nun, erst mal hatte selbst schon genug Psychotherapie - wenn das keine optimale Qualifikation ist, was dann (lacht)?

SKIP: Ihre eigene Mutter arbeitete 35 Jahre als Krankenschwester an einer psychiatrischen Anstalt. Haben Sie ihre Erfahrungen für Ihre Rolle genutzt?

Halle Berry: Meine Mutter diente als perfekte Anlaufstelle, um Fakten zu checken. Es gab z. B. eine Szene, wo Robert Downey Jr. mir eine runterhaut, weil er denkt, ich hätte einen hysterischen Anfall. Aber irgendwie fühlte sich das für mich nicht richtig an. Also rief ich meine Mum an, und fragte sie, ob so etwas passieren könnte. Sie meinte nur: "Niemals, seid ihr verrückt! Wir schlagen doch keine Patienten!" Und so gibt es diese Szene jetzt auch nicht im Film.

SKIP: Ihre Filmfigur ist eine nüchterne Wissenschaftlerin, die plötzlich von Geistern attackiert wird. Glauben Sie eigentlich an Übersinnliches oder an ein Leben nach dem Tod?

Halle Berry: Oh ja, ich glaube an ein übergeordnetes Wesen und Geister. Ich glaube auch Leuten, die behaupten, sie hätten mal Geister gesehen. Warum auch nicht?

SKIP: Hatten Sie selbst auch schon mal eine paranormale Erfahrung?

Halle Berry: Ja. Als ich 1999 in einem TV-Movie die Schauspielerin Dorothy Dandrige spielte (Halle wurde dafür mit einem Emmy und einem Golden Globe ausgezeichnet, Anm.), hatte ich drei Monate lang ein originales Kostüm von ihr zu Hause, das mir ihr ehemaliger Manager gab. In der Zeit passierten wirklich sehr seltsame Dinge dort. Als der Film fertig war, gab ich das Kleid, das ich sonst wirklich gern behalten hätte, wieder zurück - und der Spuk hörte sofort wieder auf.

SKIP: Und welcher Film hat Ihnen bis jetzt selbst am meisten Angst eingejagt?

Halle Berry: Shining, ganz klar. Die Stimmung ist wirklich extrem grauenerregend. Jack Nicholson machte mir Angst! Sogar jetzt, wo ich ihn persönlich kenne, muss ich sagen: Er hat etwas Furchterregendes an sich (lacht).

Interview: November 2003

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