Sun Kissed

Interview mit Diane Lane zu Unter der Sonne der Toskana

In Unter der Sonne der Toskana krempelt Diane Lane als Schriftstellerin mit angeknackstem Selbstbewußtsein ihr Leben um und restauriert eine Villa in Italien. Catherine Holzer traf den personifizierten Sonnenschein zum Gespräch.

SKIP:Frances ist eine sehr couragierte Frau. Könntest du dir vorstellen, wie sie alles aufzugeben und in einem fremden Land noch einmal ganz von vorne anzufangen?

Diane Lane: Frances hatte keine Ahnung davon, dass sie nicht mehr nach San Francisco zurückkehren würde, als sie für zehn Tage weg fuhr. Es ist viel einfacher, tapfer zu sein, wenn man es in kleinen Schritten tut. Außerdem wußte Frances überhaupt nicht, worauf sie sich einließ. Nur soviel war klar: Sie war ganz allein, isoliert, verlassen und deprimiert. In ihrem Leben gab es niemanden, zu dem sie zurückkehren oder bei dem sie sich für ihren Entschluß rechtfertigen mußte ...

SKIP: Bist auch du dem "Zauber der Toskana" erlegen?

Diane Lane: Natürlich. Vollkommen. Es geschah während der Dreharbeiten. Dort ist es wie im Paradies. Wir haben drei Monate lang gedreht und das einzige, was ich wirklich vermisst habe, war meine Tochter, die in den USA die Schule besucht. Erstaunlicherweise wollte mich JEDER besuchen: meine Mutter, mein Agent und mein Anwalt ... Dann haben sie auch ihre Frauen, Freundinnen und Ehemänner angeschleppt und das alles nur, weil wir in der Toskana gedreht haben. Ich war plötzlich so beliebt wie nie zuvor!

SKIP: Ist Unter der Sonne der Toskana ein "Frauenfilm"?

Diane Lane: Warum fragst du mich nicht, ob es ein Film für Männer ist? Wenn ich ein Mann wäre, würde ich zu gerne die Welt aus der Frauenperspektive sehen können. Mir macht es ja auch Spaß, Männermagazine durchzublättern und nachzuvollziehen, was Männer denken, wenn sie Frauen sehen. Die Dynamik der verschiedenen weiblichen und männlichen Sichtweisen finde ich sehr spannend. Wenn ich ein Mann wäre, würde es mich brennend interessieren, welche Unsicherheiten es für eine Frau mit sich bringt, mit einem Mann zusammen zu sein.

SKIP: Männer wollen also wirklich wissen, was Frauen fühlen?

Diane Lane: Natürlich. Unter der Sonne der Toskana war in den USA sehr erfolgreich und das nicht nur, weil sich ausschließlich Frauen diesen Film angesehen haben.

SKIP: Unter der Sonne der Toskana ist ein Film über Chancen und Risiken. Bist du selbst Risiken eingegangen und kannst du aus persönlicher Erfahrung sagen "Das war es wert!"?

Diane Lane: Absolut. Die größte Herausforderung, die ein Mensch annehmen kann, ist, sich auf ein Risiko mit sich selbst einzulassen. Das ist das, was mich auch mit Frances, die ich darstelle, verbindet: Nach der Phase des Verlustes des Selbstwertgefühls, der Isolation, die dann eintritt, wenn deine Wunden heilen, der Trauer oder des Gefühls, dumm gewesen zu sein, kommt die Phase des "Glaubens an sich selbst". Du investiert in dich oder in die Dinge, die du immer schon machen wolltest. In Unter der Sonne der Toskana ist Bramasole die Metapher für den Glauben und die Investition in dich selbst. So ist das Leben: du gehst ein Risiko ein, wirst verletzt, du verkraftest es und versuchst es noch einmal. Was mir an diesem Film so gut gefällt, ist die Rückblick auf die Vergangenheit. Hier wird deutlich: ich wurde betrogen, verletzt und erniedrigt und darüber habe ich geweint - jetzt kann ich darüber lachen. Damit kann sich jeder identifizieren: Frauen und Männer.

SKIP: In Unter der Sonne der Toskana restaurierst du eine 300 Jahre alte Villa. Wie steht es um deine handwerklichen Fähigkeiten? Bist du im wirklichen Leben auch so geschickt?

Diane Lane: Ich kann einen Fußboden verlegen, Fließen verfugen, anstreichen und Möbel abschleifen. Mehr nicht.

Interview: Oktober 2003

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