Bushfeuer

Interview mit Michael Moore zu Fahrenheit 9/11

Bei der einzigen Pressekonferenz, die Michael Moore in Cannes zu seinem neuen Dokumentarfilm-Blockbuster Fahrenheit 9/11 gab, stand wie erwartet Politik und Person von George W. Bush im Zentrum aller Polemik. Peter Krobath machte sich Notizen.

SKIP: Sie sagen, das Weiße Haus wollten ihren Film Fahrenheit 9/11 mit aller Macht verhindern ...

Michael Moore: Es gab einen unterschriebenen Finanzierungsvertrag mit der Produktionsfirma Icon. Die Filmarbeiten hatten eben begonnen, als mich mein Agent davon verständigte, dass Icon einen Weg suchte, um aus diesem Deal wieder auszusteigen, weil sie Anrufe von verschieden hohen Republikanern bekommen hätten, die alle unmittelbar mit dem Weißen Haus verbunden sind. Offenbar konnte sich Mel Gibson, der ja bekanntlich hinter Icon steht, keine weiteren Einladungen ins Weiße Haus erwarten, falls seine Firma meinen Film unterstützt. Zu unserem Glück übernahm Miramax den Vertrag und wir konnten weitermachen.

SKIP: Wird dieser Film die US-Präsidentschaftswahlen im November beeinflussen?

Michael Moore: Grundsätzlich wollte ich ein Bild von dem Amerika zeigen, in dem wir seit dem 11. September leben. Ich glaube, dass man schlechte Zeiten mit Humor nehmen muss, deswegen ist mein Film oft ziemlich witzig. Diesmal kommen die ganz besonders lustigen Sätze aus dem Mund von George W. Bush. Eigentlich könnte er dafür sogar ein Drehbuch-Honorar verlangen - wenn er das kapiert, sitze ich ziemlich in der Tinte. Ich hoffe, dass Fahrenheit 9/11 die Menschen beeinflussen wird - was immer das bedeutet. Natürlich wird der Film in den USA vor den Wahlen in die Kinos kommen. Einen Weihnachtsfilm startet man ja auch nicht erst im Jänner.

SKIP: Welche ihrer Bilder und Statements könnten ihrer Meinung nach der US-Regierung besonders gefährlich werden?

Michael Moore: Ich zeige Dokumente über die Militärzeit von George W. Bush, die bisher nur zensiert an die Öffentlichkeit gekommen sind, weil sie auf geschäftliche Verbindungen zwischen den Familien Bush und Bin Laden hinweisen. Ich zeige US-Soldaten im Irak, die sich verwzeifelt fragen, wozu dieser Krieg eigentlich geführt wird. Ich zeige die Familien gefallener Soldaten. Alle großen amerikanischen TV-Networks haben diese Bilder. Aber nur bei mir werden sie gezeigt. Man sollte sich endlich fragen, warum das so ist.

SKIP: Nach den Folterfotos aus dem Irak äußerte George W. Bush Zweifel am Charakter seiner Soldaten. Was halten Sie von seinem Charakter?

Michael Moore: Dieser Mann hat unsere Soldaten auf Grundlage einer Lüge in den Krieg geschickt. Wie kann so ein Führer am Charakter seiner Soldaten zweifeln? Ich sage nur: Der Fisch beginnt immer am Kopf zu stinken.

SKIP: Was wollen Sie tun, falls sich in den USA bis zu den Wahlen doch kein Verleiher für ihren Film findet? Haben Sie schon daran gedacht, Fahrenheit 9/11 notfalls übers Internet zu vertreiben?

Michael Moore: Dieser Film wird in den USA vor den Wahlen zu sehen sein, daran habe ich absolut keinen Zweifel. Es stimmt, dass wir derzeit keinen Verleiher haben, aber ich vertraue auf Miramax. Die lassen sich was einfallen.

Interview: Mai 2004

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