Satansbraten

Interview mit Ron Perlman zu Hellboy

Fast hätte Hollywood auf Ron Perlman vergessen. Bis ein Regisseur aus Mexiko kam und seinen Kopf durchsetzte. Dina Maestrelli ging dem sympathischen Schelm in Los Angeles auf den Leim und entdeckte erstaunliche Parallelen zwischen Hellboy und seinem Darsteller.

Ron Perlman: Hallo, wie geht´s? Bist du gut aufgelegt?

SKIP: Ja, klar!

Ron Perlman: Dagegen werde ich etwas tun!

SKIP: Gut, Schluss mit lustig. Aber hattest du wenigstens Spaß bei den Dreharbeiten zu Hellboy?

Ron Perlman: Na klar. Hat man das nicht gemerkt?

SKIP: Doch. Es muss sogar sehr lustig gewesen sein!

Ron Perlman: Also, wenn du glaubst, dass wir Spaß hatten, weißt du nicht einmal die Hälfte!

SKIP: Es gab aber auch Sachen, die weniger lustig waren. Hast du dir nicht eine Rippe gebrochen?

Ron Perlman: Ja.

SKIP: Möchtest du mir auch erzählen, wie das passiert ist?

Ron Perlman: Na gut. Ein Monster springt auf einen fahrenden Zug und ich als Hellboy hinterher. Der Zug sollte mit etwa 65 km/h unterwegs sein, aber er fuhr etwas schneller und traf mich unsanft, bevor ich aufspringen konnte. Und schon war eine Rippe hin.

SKIP: Haben sie dir keinen Stuntman angeboten oder wolltest du diesen Irrsinn unbedingt selbst tun?

Ron Perlman: Richtige Männer brauchen keine Stuntmen! Ich habe sechs Wochen mit einer angeknacksten Rippe gespielt und die Schmerzen wie einen Orden getragen.

SKIP: Du warst also so gut in Form, dass du alle Stunts selber gemacht hast?

Ron Perlman: Klar, jeden einzelnen! Am besten haben mit die Sprünge von einem Dach zum nächsten gefallen. Nein, im Ernst. Ich bin natürlich nicht selbst von Dach zu Dach gesprungen.

SKIP: Erzähl uns von deiner Maske. Wie lange hat es gedauert, die anzulegen?

Ron Perlman: Für das Make Up habe ich vier Stunden gebraucht. Natürlich nur, wenn ich Hellboy gespielt habe. Wenn ich frei hatte und tanzen ging, dauerte es nur zwei Stunden. Aber an den Tagen, wenn Hellboy mit nacktem Oberkörper drehen musste, saß ich sechs Stunden in der Maske. Das sind nur etwa vier Szenen im Film, aber ich gehe davon aus, dass sich alle Damen ausgezeichnet an meinen gestählten Oberkörper erinnern werden! Das Abschminken dauerte dann immer nur etwa eine Stunde. Es braucht also keiner Mitleid mit mir haben!

SKIP: Wie schwer war es, sich in diesem Kostüm zu bewegen?

Ron Perlman: Es hatte ein enormes Gewicht. Aber so unbequem es auch war, ich habe mich unheimlich stark darin gefühlt, unverwundbar und unzerstörbar. Es hat meinen Gang und meine ganzes Auftreten verändert. Genau richtig, um Hellboy zu spielen.

SKIP: Hat dir der Regisseur Guillermo del Toro Anweisungen gegeben, wie du Hellboy spielen sollst?

Ron Perlman: Er sagte nur: Sei einfach du selbst. Am Anfang habe ich etwas mit meiner Stimme herumprobiert, aber Guillermo sagte: Was machst du da, verdammt noch mal? Hör auf, herumzuspielen. Ich hab diese Rolle für dich geschrieben, als sei einfach du selbst, du Idiot! Das waren wirklich die unglaublichsen Regieanweisungen meiner ganzen Karriere.

SKIP: Aber das ist doch ein großes Kompliment!

Ron Perlman: Yeah, aber solche Komplimente glaubt man doch nicht! (lacht)

SKIP: Was magst du an Hellboy am meisten? Seine Stärke, seine Größe ...

Ron Perlman: Seinen Schwanz!

SKIP: Warum?

Ron Perlman: (schelmisch) Ich weiß nicht. Er ist irgendwie süß, und man kommt auf die wildesten Gedanken. Ich meine, man kann zum Beispiel sehen, ob ich gut drauf bin oder ob ich mies drauf bin.

SKIP: Im Ernst, bitte!

Ron Perlman: Okay. Was mich natürlich sofort angesprochen hat, war sein Verstand, sein Sinn für Humor und seine Sicht auf die Dinge. Er lässt von Anfang an keinen Zweifel darüber aufkommen, dass er sich nur um sich selbst kümmert. Er tut alles, um bei Laune zu bleiben, und das auf Kosten aller anderen. Aber wenn man sich mit jemandem wie Hellboy abgibt, muss man eben darauf gefasst sein, verarscht zu werden. Das ist seine Art. Und es ist verständlich, immerhin ist er zu einem Leben einen Kilometer unter der Erde verdammt, seine Identität wird geheim gehalten und er ist einsam. Er wird mit dem Leben fertig, indem er sich auf jede erdenkliche Art und Weise Unterhaltung sucht.

SKIP: Und wie unterhälts du dich selbst?

Ron Perlman: Genau so.

SKIP: Also auch mit Schokoriegeln?

Ron Perlman: Wer weiß.

SKIP: Hellboy raucht gern die eine oder andere Zigarre. Wie schaut es mit dir aus?

Ron Perlman: Ich rauche sie kistenweise. Auch kubanische.

SKIP: Woher bekommst du kubanische Zigarren?

Ron Perlman: Ich krieg oft welche geschenkt. Aber die rauche ich sowieso nur, wenn ich außerhalb des Einflussbereichs der USA bin. Hier sind sie ja verboten. Und ich habe noch nie etwas Verbotenes gemacht! Ich habe einige unmoralische Dinge getan, sicherlich auch vieles, das unethisch war. Aber niemals würde ich etwas tun, das meinen Amerikanismus in Frage stellen könnte.

SKIP: Ich fasse zusammen: Du magst Zigarren. Du bist einem Spaß auf Kosten anderer nicht abgeneigt. Und du knabberst Schokoriegel. Eigentlich bist du Hellboy ziemlich ähnlich? Was interessiert dich noch außer Zigarren und der Schauspielerei?

Ron Perlman: (nach einer langen Nachdenkpause) Sport. Ich liebe Baseball! Ich schaue gerne zu, spiele auch gerne selbst. Dafür bin ich aber jetzt schon zu alt, also habe ich mit Golf begonnen, da muss man nicht so viel rennen. Ich gehe gerne ins Kino, und liebe es, mit meiner Frau und meinen Kindern essen zu gehen. Hey, I love the nightlife, I got to boogie ... (lacht)

SKIP: Und was ist dein Handicap beim Golf?

Ron Perlman: Reibung und die Schwerkraft.

SKIP: Was sonst! Wo lebst du eigentlich?

Ron Perlman: Hier in Los Angeles, aber ich habe mein Apartment in New York behalten.

SKIP: Und wo bist du lieber?

Ron Perlman: Naja, schwer zu sagen. Ich finde es einfach toll, beides zu haben! Im Moment habe ich mich für L.A. entschieden und fühle mich sehr wohl hier. Was ich an Los Angeles so unglaublich liebe ist das Wetter!

SKIP: Wie haben dir die Dreharbeiten in Europa gefallen?

Ron Perlman: Ich würde so sagen: Wenn du für sieben Monate den Armen deiner dich liebenden Familie entrissen wirst, gibt es sicher schlechtere Plätze auf der Welt als Prag. Prag ist eine wunderschöne Stadt mit ihrem eigenen Charme, aufregender Geschichte und unglaublicher Architektur. Und es ist eine sehr weltoffene Stadt, man trifft dort Leute aus ganz Europa.

SKIP: Hellboy ist dein größter Film bisher. Genießt du die Aufmerksamkeit um deine Person?

Ron Perlman: Naja, ich genieße es, an diesem Tisch zu sitzen und mich der Illusion hinzugeben, dass sich irgendjemand auch nur im Geringsten dafür interessiert, was ich sage. Bisher wollte niemand wissen, was ich denke.

SKIP: Würdest du Hellboy 2 machen wollen?

Ron Perlman: Ich wünschte, wir würden Montag anfangen!

Interview: März 2004

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