Top Gun

Interview mit Tom Cruise zu Collateral

Leichen pflastern seinen Weg. In Michael Manns genialem Taxi-Thriller Collateral fährt Tom Cruise mit todernstem Kaliber auf. Im Interview-Duell mit SKIP-Chefredakteur Kurt Zechner allerdings setzte er wieder sein berühmtes Killerlächeln als Geheimwaffe ein.

SKIP: In Ihrer Rolle als Profikiller Vincent ist Anonymität Ihr tägliches Geschäft. Suchen Sie privat auch die Anonymität, um überhaupt ein normales Leben führen zu können?

Tom Cruise: Das glauben viele, aber das Gegenteil ist der Fall. Auch wenn ich berühmt bin, lebe ich ja kein Leben hinter Mauern. Ich reise viel herum, treffe viele Leute, und immer mehr finde ich dabei raus, wie einzigartig jeder Mensch ist. Das macht mein Leben sehr nett und aufregend.

SKIP: Man las im Vorfeld, dass Sie sich für Ihre Rolle in Collateral mit einem echten Auftragskiller getroffen hätten ...

Tom Cruise: Das ist erfunden (lacht).

SKIP: Wie haben Sie sich dann vorbereitet?

Tom Cruise: Nun, ich habe Material über Auftragskiller studiert. Meine Filmfigur Vincent ist ohne Zweifel eine sehr asoziale Persönlichkeit. Solche Menschen glauben erstaunlicherweise immer, absolut im Recht zu sein, mit dem was sie tun. Dieses Phänomen ging es mir hauptsächlich zu erforschen. Ein Mensch wie Vincent fühlt sich nicht verantwortlich für das, was er tut. Menschen, die dem Leben entrückt sind, haben immer auch ein problematisches Verhältnis zum Thema Verantwortung. Verantwortung für die Mitmenschen und den Effekt, den man mit seinem Tun auf seine Umgebung hat.

SKIP: Was brauchten Sie sonst noch für Training für Ihre Rolle als Vincent?

Tom Cruise: Ich habe Monate mit Regisseur Michael Mann mit Waffen geübt und bin jetzt sehr kompetent, was Revolver betrifft. Außerem hat mich Michael mehrmals in Verkleidungen einfach irgendwo in L. A. aussetzen lassen, und ich musste dann so tun, als ob ich einen Auftragsmord planen würde.

SKIP: Man hat gehört, Sie hätten auch eng mit Psychologen zusammengearbeitet ...

Tom Cruise: Ich habe noch nie mit Psychologen gearbeitet, niemals ... (lacht)

SKIP: L. A. spielt eine zentrale Rolle in Collateral. Sehen Sie durch den Film die Stadt jetzt mit anderen Augen?

Tom Cruise: Bestimmt. Obwohl Michael Mann ja nicht von hier ist, hat er´s geschafft, meinen Filmpartner Jamie Foxx und mich ständig an Plätze in L. A. zu verschleppen, von denen wir nicht mal wussten, dass sie existieren.

SKIP: Für Ihre Rollen gehen Sie immer ganz neue Wege, privat stehen Sie auf Extremsport. Warum brauchen Sie diesen Kick?

Tom Cruise: Action ist der Saft meines Lebens. Ich liebe die Herausforderung und ja, ich steh auf Extremsport. Schon als Kind hab ich die verrücktesten Sachen angestellt. Als ich vier war hatte ich so eine Actionfigur mit einem Fallschirm dran, die man hochwerfen konnte, und dann segelte sie runter. Das fand ich großartig. Als ich dann auch im Fernsehen Leute Fallschirmspringen sah, war meine Zeit gekommen: Ich riß die Leintücher von meinem Bett, band sie zusammen, befestigte sie auf meinem Rücken und sprang damit aus dem Fenster. So lernte ich, dass man sich vorher genau über die möglichen Risken informieren soll, wenn man gefährliche Dinge vorhat (lacht).

SKIP: Wie ist Ihre Mutter mit Ihrem Hang zum Risiko umgegangen?

Tom Cruise: Sie hat mich nie daran gehindert, Dinge auszuprobieren. Als Kind habe ich zum Beispiel immer das Haus für längere Spaziergänge verlassen. Einfach so. Aber meine Mutter ist eine sehr geduldige Frau. Sie hat nie geschrien: "Oh mein Gott, du hättest sterben können!" Sie meinte stattdessen: "Wenn du das Haus verlassen willst, nimm mich mit, und wir erleben gemeinsam Abenteuer!" Sie erkannte meine Talente rasch und unterstützte sie. Und sie ist auch sehr großzügig. Es gab Zeiten, da hatten wir nicht allzu viel Geld. Trotzdem saßen bei uns oft irgendwelche Leute zum Essen oder schliefen bei uns. So brachte sie mir schon sehr früh bei, daß man anderen helfen soll.

SKIP: In einer Szene in Collateral lässt Vincent durchblicken, dass er seinen Vater für das verantwortlich macht, was aus ihm geworden ist. Was tun Sie selbst als Vater, damit Ihre Kinder nicht auf die schiefe Bahn kommen?

Tom Cruise: Das ist wohl die größte Sorge aller Eltern. Ich lege sehr großen Wert auf Erziehung und Bildung. Es gibt soviel "Du solltest" im Leben, ich möchte, dass sie stattdessen lernen, eigene Wahrheiten zu finden. Anderen zu helfen ist für mich überhaupt die wichtigste Lehre im Leben. Es ist das befriedigendste Gefühl von allen. Kinder dabei zu unterstützen, der Gesellschaft zu dienen und ihnen ein umfassendes Verständnis von verschiedenen Kulturen und Leben zu ermöglichen, darauf lege ich großen Wert.

SKIP: Sie haben eine ziemlich ausgefüllte Karriere. Wie kriegen Sie das zeitmäßig mit Ihren Kindern hin, wie schaffen Sie die Balance, einfach das Leben zu genießen?

Tom Cruise: Ich genieße mein Leben sehr, jeden Tag. Das ist natürlich eine Herausforderung. Mit meinem Glauben habe ich die notwendigen Werkzeuge in der Hand, Zustände unmittelbar zu verbessern. Das ermöglicht mir, mein Leben in einer Art zu genießen, die mir sonst wohl nicht gestattet wäre. Ich steh auf meine Arbeit, ich steh auf meine Kids. Ich kann tun, was ich liebe, deshalb werde ich mich auch nie darüber beschweren. Aber natürlich habe ich lange Arbeitstage, und ich muß meine Termine genau rund um die Aktivitäten meiner Kinder planen. Das ist natürlich oft eine ziemliche Achterbahnfahrt. Aber es gibt sehr viel Parallelen: Produzent beim Film zu sein ist dem Job des Vaters sehr ähnlich. Bloß, dass man sich statt um zwei Kids oft um 1000 Crewmitglieder kümmern muß.

SKIP: Der Beruf des Schauspielers hat ja in gewisser Weise etwas Absurdes an sich – man arbeitet, um jemand anderer zu sein. Wie erklären Sie diesen Job Ihren Kindern?

Tom Cruise: Ach, die glauben, es ist einfach Spaß. Ich hab ihnen meinen Job nie wirklich erklärt. Sie schauen sich die Filme an und finden es lustig, wenn Dad wieder mal an einem Seil hängt oder dass Mum dieses oder jenes macht. Sie erleben den Zirkus schon so lange mit, sie sind im Make-up-Raum dabei und auch am Set. Die sind einfach damit aufgewachsen. Ich erinnere mich, als ich meine Tochter einmal zu einer Spielgruppe brachte. Da kam sie erst drauf, daß nicht jeder Eltern hat, die im Fernsehen oder auf Magazin-Covers sind (lacht).

SKIP: An Ihrem Liebesleben hat ja quasi immer die ganze Welt teilgenommen ...

Tom Cruise: Entschuldigung, aber "teilgenommen" hat sie daran sicher nicht (lacht). Sich eingemischt vielleicht, Dinge erfunden auch, aber teilgenommen sicher nicht.

SKIP: Wie auch immer, in letzter Zeit erfahren wir jedenfalls kaum mehr etwas darüber. Alle wollen wissen, was diesbezüglich bei Ihnen läuft ...

Tom Cruise: Wollen Sie das wirklich, wirklich wissen ... (lacht dämonisch) Jedes einzelne Detail?

SKIP: Ja, haben Sie der Liebe vielleicht adieu gesagt?

Tom Cruise: Niemals! Das wird nie passieren. Dazu steh ich zu sehr auf Beziehungen. Ich bin der Typ, der bestimmt wieder mal heiraten wird. Das werde ich nie aufgeben!

SKIP: Der ewige Romantiker also?

Tom Cruise: Definitiv!

Interview: August 2004

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